Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'21 - Hochrhein-Bodensee
18 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 5 | 2021 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee 17 Wenn nichts mehr zusammenpasst IHK-Hauptgeschäftsführer Claudius Marx über die Pandemie 19 Für mehr Transparenz Umfrage zur Mietpreissituation in Südbaden 20 Noch kein Trend zu Berufs- und Branchenwechseln Interview mit Jutta Driesch von der Agentur für Arbeit 21 Größtes Problem Unsicherheit Zur Lage der Gastronomie 22 Azubimarketing in der Pandemie Start der virtuellen Ausbildungsmesse 23 Projekt Ausbildungsbotschafter Berufe vorstellen per Videochat 24 Tipp topp! So wird man Prüfer bei der IHK 25 Coronanewsletter der IHK Die Neuerungen ins Postfach 28 Klimaschutz für Unternehmen Michael Zierer zur Sitzung des Industrie- und Umweltausschusses 30 Nach der Pandemie ins Ausland Webinar Erasmus für Azubis 32 Lehrgänge und Seminare der IHK INHALT zur Grundversorgung zähle, Blumenhandel aber schon. Warum die Freizeit- und Veranstaltungsbranche ohne jede Perspektive gelassen werde. Warum ein und derselbe Impfstoff erst nicht und dann nur noch an Ältere verabreicht werden dürfe, dann wieder an alle. Warum ein negatives Testergebnis nicht als „Eintrittskarte“ für ein normaleres Leben genutzt werde. Warum die IHK nicht lauter werde, die verzweifelte Situation vieler ihrer Mitglieder nicht deutlicher in die Politik trage. Und vor allem: wie lange das noch so gehen solle. Ausnahmezustand auch für die IHK Auch für die IHK und ihr Haupt- und Ehrenamt be- deutet diese Pandemie seit einem Jahr den Ausnah- mezustand. Und auch sie fragen sich immer öfter, ob wir alle zusammen noch auf dem richtigen Weg sind. Oder ob wir nicht immer mehr und immer wieder eine Medizin verabreichen, die gar nicht wirkt, oder zumindest mit Nebenwirkungen verbunden ist, die jeden Nutzen in Frage stellen. Mehr und mehr zeigt sich jedenfalls die Erkenntnis: Diese Pan- demie ist mit einer bloßen Aneinanderreihung von Lockdowns nicht zu gewinnen. Es braucht eine intelligentere Strategie. Und es zeichnet sich auch ab, wie diese Strategie aussehen könnte, ja müsste. Es sind drei Stränge, die es zu verfolgen gilt – eine Impfstrategie, eine Teststrategie und eine Öffnungsstrategie. Alle drei müssen so miteinander verzahnt werden, dass die eine die andere trägt. Wenn und sobald die Knappheit bei den Impfstoffen überwunden ist, und das steht unmittelbar bevor, müssen alle Kräfte auf die rasche Verimpfung vorbereitet sein und gebündelt werden. Jeder Tag zählt! Konkret heißt das, dass neben die Impfzentren die Imp- fung beim Hausarzt und neben diese die Impfung in den Betrieben durch Betriebsärzte treten muss; zugleich muss die Impfbürokratie auf ein notwendiges Minimum heruntergefahren werden. Es kann nicht sein, dass andernorts im Minutentakt im Drive-in geimpft wird, während wir erst noch viele Seiten Formulare durcharbeiten. Mutige Teststrategie bis zum Impferfolg Bis das Impfen den erwarteten Erfolg bringt, muss eine mutige, eine aggressive und flächendeckende Teststrategie die Teilnahme möglichst vieler Menschen am normalen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben ermöglichen. Die Unternehmen sind dafür offen, solche Testungen, gegebenenfalls auch Impfungen, anzu- bieten. Auch hier darf Bürokratie nicht die Bremse sein. Getestete und bereits Geimpfte müssen ihre grundrechtlichen Freiheiten zurückerhalten, die Unternehmen, vom Einzelhandel bis zum Fit- nessstudio, komplementär und vorsichtig geöffnet werden. Nur so kann ein Massensterben vieler kleiner und mittlerer Unternehmen und ein langsamer Tod unserer Innenstädte abgewendet werden. Schließlich müssen Geschäfte und Gaststätten vorsichtig geöffnet werden. Es geht in dieser Situation, die für uns alle neu und ohne Vorbild ist, nicht darum, Schuldzuweisungen anzustellen. Und auch nicht darum, den handelnden Entscheidungsträgern den besten Willen abzusprechen. Trial and Error sind in dieser Zeit keine Schande. Wohl aber geht es darum, den Mut zu einer Kurskorrektur aufzubrin- gen, wo und wann immer die dafür notwendige Erkenntnis gegeben ist. Nicht mehr und nicht weniger. mx Claudius Marx
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