Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'21 - Hochrhein-Bodensee

REGIO REPORT  IHK Hochrhein-Bodensee Ganz gleich, ob kleinste Losgröße oder Serienproduktion: Wir garantieren höchste Wirtschaftlichkeit, überragende Variantenvielfalt und zuverlässige Lieferung. Jederzeit für Sie abrufbar. IHRE LOHNARBEIT PERFEKT UMGESETZT. German Precisioneering © by Schauber schauber-gmbh.de/express SCHNELLER UND PRÄZISER GEHT ES NICHT Schauber-Express-Service ts@schauber-gmbh.de +49 7426 1042 ANZEIGE zurück, was ihnen das Schicksal lange vorenthalten hat. Es wird mehr Geld in Premiumreisen fließen, aber auch in teurere Produkte wie zum Beispiel E-Bikes oder hochwertige Gartenmöbel. Die Wiederauferstehung Bis zur Trendwende (hohe Durchimpfungsrate) im Spät- sommer 2021 steht der naturnahe Binnenurlaub im Fokus der Touristen. Remote Work und eine digitale Ermüdung verstärken die Sehnsucht der Menschen nach Natur. 90 Prozent der Bevölkerung macht es „glücklich, in der Natur zu sein“. Weiche, naturnahe Aktivitäten wie Radfahren und Wandern werden noch stärker als bisher nachgefragt (so wie letzten Winter nordische Aktivitäten und Skitouren). Retroformate wie Ferienapartments, Ferienhäuser, Camping und Cara- van (Sicherheit auf vier Rädern) boomen. Die Natur wurde in der Pandemie zum Sehnsuchts- raum, zur eskapistischen Heile-Welt. Draußen sein wird zum neuen Lifestyle. Friluftsliv nennen die Norweger diesen aktiven Lebensstil, der Natur und Bewegung, Lebensfreude und Gesundheit verbindet und somit ein Glücksversprechen für Urlauber ist. Neue Beher- bergungsformate im Freien entstehen: Übernach- tungsplätze im Wald, Schlafen unter freiem Himmel, Survivalcamps, Übernachten zum Beispiel in Lodges, Cubes und Glampingzelten. Kleine Abenteuer im Frei- en. Urlaub ist motivpsychologisch immer auch „wie- dergegebene Zeit“ (Valentin Groebner) – man holt sich das zurück, was einem der Alltag vorenthält: Freiheit, Serotonin. Der Sommer der Kleinstädte Für diesen Sommer erwarte ich zudem eine Renais- sance der Kleinstädte. Lebendige Quartiere, die eine „Intensivierung des Lebensgefühls“ (Tristan Garcia) versprechen, überschaubare, immersive Erfahrungen in städtischen Mikrowelten: Kultur, kleine Manufaktu- ren, regionale Kulinarik. Innerstädtische Orte werden diverser, multifunktionaler und laden sich mit neuer Bedeutung auf. Die Erfolgsformel für Innenstädte lässt sich auf die drei Ks Konsum, Kultur und Kommunikation reduzieren. Shopping ist dabei ein Teil im städtischen Erlebnispuzzle, muss aber künftig stärker in multisen- suelle, inspirierende Stadtwelten eingebettet werden. Die Werte der Post-Millennials haben sich deutlich vom Haben zum Erleben verschoben, zu verbinden- den sozialen Ritualen – die nach der Pandemie wieder aufleben werden. Hygiene, Sicherheit und kontaktlose Dienstleistungen werden – über Corona hinaus - noch stärker zu Basis- faktoren. Intelligente Besucherlenkung wird zur zentra- len Managementaufgabe von Destinationen - stark fre- quentierte Orte (Museen, Restaurants, Event-Locations et cetera) können künftig nur noch mit Reservierung oder innerhalb bestimmter Timeslots aufgesucht wer- den. Der Massentourismus (ja, der kommt wieder) wird personalisiert, kleinteiliger, die Individualisierung wird über Algorithmen skaliert. Während sich der Ferientourismus bis Jahresende wie- der gut erholt, schmilzt der Businesstravel mittelfristig ab (Prognosen liegen zwischen 30 bis 50 Prozent), viele Unternehmen werden dank Video-Calls ihre Travel Budgets reduzieren. Diese Entwicklung zwingt insbe- sondere einen Teil der Stadthotellerie zur Transforma- tion. Der Tagungs- und Kongresstourismus hingegen wird mit kreativen (kleinteiligen) Formaten bis zum Winter wieder kraftvoll zurück auf der Bühne sein – Menschen brauchen Begegnungen mehr denn je, der kognitive und emotionale Gewinn realer Begegnungen ist durch nichts zu ersetzen. Nachhaltig urlauben eher exotisch Und Nachhaltigkeit – wird diese tatsächlich zu einem Treiber des Tourismus, wie vielfach postuliert wird? Nur bedingt. Ich sehe dieses Thema eher von Destinations- seite (DMOs) und von einzelnen Betrieben getrieben als durch die Masse der Kunden. Zwar glauben laut einer IPK-Studie im Auftrag der Deutschen Zentrale für Tourismus 80 Prozent aller Befragten in Deutschland, dass Covid-19 zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus führt. In der Realität aber ist Nachhaltigkeit noch immer kein breites Reisemotiv. So etwas nennen Soziologen „kognitive Dissonanz“. Ein Umschwung freilich erfolgt durch die jungen Post-Mil- lennials. Die Generation Greta weiß: Nur wenn wir acht- sam mit unseren Ressourcen umgehen, klimafreundlich wirtschaften und gesunde Lebensbedingungen schaffen, verhindern wir künftig drohende „grüne Schwäne“ (Pan- demien, Natur- und Klimakatastrophen et cetera). Die Generation Z erwartet von Unternehmen und Politik ver- antwortliches Handeln und eine klare Haltung (Purpose), sieht sich aber genauso selbst in der Verantwortung für das bereiste Ziel – Engagement Travel wird ein wichtiger Wert im Motiveset der jungen Touristen. IM FOKUS 2021 Einzelhandel Gastronomie Tourismus

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