Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'21 - Hochrhein-Bodensee
19 4 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Gastbeitrag: Zukunftsforscher Andreas Reiter über die Sommersaison 2021 Wie wir reisen, was wir uns zurückholen Bild: DANLIN Media GmbH - stock.adobe I ch liebe Wiederholungen. Sie verwandeln die Zeit in einen Ort“ (Karl Ove Knausgård). Wer kennt sie nicht – diese wunderbaren Wiederholungen, zum Beispiel jeden Sommer für eine Woche an den Bo- densee? Der Mensch braucht soziale Rituale, die ihm Orientierung bieten und sein Leben freudvoll struktu- rieren. Der Sommerurlaub ist so ein Ritual, wohl eines der schönsten im Jahr. Doch wie wird der Sommer 2021 aussehen? Und wie werden wir überhaupt in nächster Zukunft verreisen? Angesichts des bislang frustrierenden Impftempos (und der Zunahme von Virusmutationen) bleibt die Lage wohl die nächsten Monate weiterhin sehr volatil – eine wirkliche Entspannung sehe ich erst im Laufe des drit- ten Quartals. Bis dahin sind wir noch in einer pandemi- schen Pufferzone, die touristische Erwartungshaltung bleibt gedämpft. Reisen wird mühsamer, aufwendiger: Tests und digitaler Impfpass werden alsbald zur Grund- ausstattung – und künftig vor allem bei interkontinen- talen Flügen eine Voraussetzung. Dabei werden wir erneut unterschiedliche Situationen in Europa erleben: Länder mit niedrigen Inzidenzen und solche mit hohen, die einen sind touristisch geschlos- sen, die anderen geöffnet. Mallorca zum Beispiel gilt seit Mitte März nicht mehr als Risikogebiet, ein Urlaub auf der Insel ist dort wieder ohne Quarantäne nach der Rückkehr möglich. Revenge Travel Der Kampf um den Sommergast hat freilich schon be- gonnen. Und er wird gnadenlos geführt. Schließlich ist dieser (reise-)hungrig und hat immensen Nachholbedarf – er wird reisen und konsumieren, was die gesetzlichen Bestimmungen hergeben. Ganz oben auf seiner Liste für „nachher“ stehen Restaurantbesuch, Verwandte/ Freunde treffen und Reisen. Abgesehen von den Vor- sorgesparern wussten viele Menschen während der Lockdowns nicht, wofür sie ihr Geld ausgeben sollten. Keine Reisen, keine geöffneten Shops oder Lokale, kei- ne Events, bei denen man sich im neuen Outfit hätte zeigen können. Entsprechend stieg auch die Sparquote: in Deutschland auf immerhin 16,3 Prozent im vergan- genen Jahr (2019: 10,9 Prozent). Die Deutsche Bank rechnet in einem (konservativen) Basisszenario damit, dass 2021 rund 30 Prozent dieser zusätzlichen Erspar- nisse in den privaten Konsum zurückfließen. Für den Tourismus (und auch den Einzelhandel) erwarte ich daher nach der Öffnung ein interessantes Phäno- men: Revenge Travel. Die Menschen holen sich das Andreas Reiter IM FOKUS 2021 Einzelhandel Gastronomie Tourismus „ Blick auf den Seerhein, Konstanz und den Bodensee.
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