Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'21 -Südlicher Oberrhein

22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2021 IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn Licht und Schatten D er wesentliche Treiber der schnellen Erholung ist dabei die Industrie. Sie verzeichnet auch am Oberrhein wieder einen steigenden Auftragseingang und ist die einzige Branche, die überwiegend optimistisch auf das Jahr 2021 schaut. Damit setzt sich ein Muster fort, das die Vorumfragen bereits gezeigt haben: Die Krise ist vor allem eine der konsumentennahen Dienstleistungen. Konnten der Einzelhandel und das Hotel- und Gastgewerbe bis zum Herbst noch einmal durchatmen, wirft sie der zweite Lockdown wieder in ihrer wirtschaftlichen Erholung zurück. Den Betrieben bleibt oft nur der Rückgriff auf ihr Eigenkapital. Während die Lage in einzelnen Branchen aktuell also dramatisch ist, setzt sich gesamtwirtschaftlich die Erholung mit verlangsamtem Tempo fort. Der Index der Geschäftslage steigt von 5 auf 7 Punkte an, sodass die Unternehmen mit guter Geschäftslage mit einem Anteil von 33 Prozent erneut knapp in der Mehrheit gegenüber jenen mit schlechter Geschäftslage (26 Prozent) sind. In eine andere Rich- tung bewegt sich hingegen der Index der Geschäftserwartungen. Er verliert 2 Punkte und bleibt mit -5 Punkten im negativen Bereich. Vor allem die Einzelhändler blicken aufgrund des neuerlichen Lockdowns wieder deutlich pessimistischer in die Zukunft. Krise erfasst den Arbeitsmarkt Auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Krise nun angekommen. Zwar konnten mit Maßnahmen wie dem Kurzarbeitergeld viele Arbeit- nehmer in ihren Beschäftigungsverhältnissen gehalten werden. Die Zahl der Arbeitslosen im Kammerbezirk hat sich dennoch erhöht. So waren im Januar 4.940 mehr Menschen bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend gemeldet als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote im Kammerbezirk ist von 3,5 auf 4,2 Prozent gestiegen. Dies deckt sich mit den Angaben der Unternehmen zu ihren Beschäftigungs- plänen: Nur 16 Prozent beabsichtigen, 2021 Stellen aufzubauen, während 28 Prozent die eigene Angestelltenzahl verringern wol- len. Der Index der erwarteten Beschäftigung gewinnt damit zwar Der externe Schock der Covid-19-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft 2020 in die schwerste Krise seit mehr als zehn Jahren gestürzt. Trotzdem haben sich zum Jahresbeginn 2021 die pessimistischen Prognosen aus dem Frühjahr 2020 nicht bewahrhei- tet. So ist das Bruttoinlandsprodukt nach aktuellen Schätzungen der Bundesregierung im vergangenen Jahr real lediglich um fünf Prozent geschrumpft, die Wirtschaft also schneller aus der Krise heraus- gewachsen als anfangs erwartet wurde. Doch es dürfte noch mindestens bis Mitte 2022 dauern, ehe das Vorkrisenniveau erreicht wird.

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