Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'21 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
43 3 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten I ndus t r i e-Techn i k Ki enz l e r GmbH & Co . KG Industrietechnik Temperiertechnik Arbeitssicherheit Kellereitechnik Einsatzfert ige Lei (s)tungen genau auf Sie zugeschni tten! www. itk-kienzler.de Genesys entwickelt und fertigt seit 25 Jahren Sensortechnik Der Navi für die Tunnelbohrmaschine OFFENBURG. Am Anfang stand ein Projekt für Herrenknecht. Bertold Huber, Christian Zimmermann und vier Ingenieurskollegen am Steinbeis Transferzentrum der Hochschule Offenburg entwickelten im Auftrag des Schwanauer Herstellers von Tunnelbohrma- schinen eine Art Navi, mit dem kleinere Ma- schinen auf Kurs bleiben. „Es war klar, dass die feinmechanischen Geräte auch irgendwo gefertigt werden müssen“, erzählt Huber. Weil das weder an der Hochschule noch beim Auf- traggeber Herrenknecht (Huber: „Bei denen beginnt Blech bei 20 Zentimetern“) möglich war, entschieden sich die Ingenieure für den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Februar 1996 gründeten Huber und Zimmermann ihre Genesys Elektronik GmbH. Christian Zimmermann erlebt das 25. Jubiläum nicht – er ist 2019 mit nur 54 Jahren gestorben. Seit gut einem Jahr teilt sich Bertold Huber die Geschäftsführung mit seinem Sohn David, einem Wirtschaftsingenieur. Seinerzeit startete man zu sechst, denn die vier anderen Steinbeis-Kollegen des Projekt- teams waren in die neue Firma gefolgt. Heu- te beschäftigt Genesys etwa 30 Mitarbeiter, darunter einige Werkstudenten, und ist immer noch auf das „Generieren von Systemen“ – daher der Firmenname – spezialisiert. Aller- dings längst nicht mehr nur im Tunnelbau. Das mittlerweile deutlich größere Geschäftsfeld ist Automotive. Auf der Referenzliste von Ge- nesys stehen Namen wie Audi, BMW, Daimler und Volkswagen. Die Offenburger haben einen „Automotive Dynamic Motion Analyzer“, kurz: ADMA, entwickelt, der jegliche Bewegung von Fahrzeugen misst – „ähnlich wie das Gleichge- wichtsorgan des Menschen“, erklärt Bertold Huber. Er kann für unterschiedliche Zwecke der Automobilindustrie verwendet werden. Ende der 1990er-Jahre ging es vor allem um Fahrdynamik (Stichwort: Elchtest), später standen Assistenzsysteme wie Einparkhilfen im Fokus, und mittlerweile liegt der Schwer- punkt auf autonomem Fahren. Der ADMA wird nicht im Fahrzeug verbaut, sondern entweder im Innenraum oder auf dem Dach des Fahr- zeugs platziert und für Tests verwendet – ähn- lich einem Messschieber in der Fertigung, den man ab und an zur Überprüfung anlegt. Die Systeme von Genesys kosten fünf- bis sechsstellige Beträge. Die Stückzahlen sind relativ gering, jährlich entstehen zwischen 100 und 200 Geräte. Damit setzte das Un- ternehmen in den vergangenen Jahren durch- schnittlich sechs bis sieben Millionen Euro um und will weiter organisch wachsen. Corona war natürlich ein Thema, traf Genesys aber weniger als andere. „Es pendelt sich aktu- ell wieder auf dem Sollwert ein“, sagt David Huber. Der Exportanteil von derzeit etwa 15 Prozent soll steigen. Ein weiteres Standbein: Kamerasysteme für die automatisierte Qua- litätskontrolle, die von metallverarbeitenden Betrieben genutzt werden. Die Bildverarbei- tung ist in der Omni Control Prüfsysteme GmbH organisiert. Sie entstand 1997 als Joint Venture mit einem großen Ortenauer Automo- bilzuliefererer und ist heute eine hundertpro- zentige Tochterfirma von Genesys. An der Fertigung, die bei Genesys Manufaktur heißt, sind viele regionale Zulieferer beteiligt, die beispielsweise Elektronikbaugruppen lie- fern. Bei Genesys werden sie montiert und intensiv geprüft. Ihre Stärke sehen die Inge- nieure immer noch in der Entwicklung. „Wir machen viele Forschungsprojekte mit Hoch- schulen und Universitäten, damit wir sehen, wo die Reise hingeht“, sagt Bertold Huber. So wolle man am Puls der Zeit bleiben und den Kunden Innovationen bieten. Ein wichti- ger Kunde und Kooperationspartner ist immer noch Herrenknecht. Rund tausend Geräte hat Genesys seit 1996 für den Tunnelbohrspezi- alisten gebaut. Fast alle sind nach wie vor im Einsatz. kat David (links) und Bertold Huber mit ihrem wichtigs- ten Produkt. Der „Automotive, Dynamic, Motion Analyser“ (ADMA) wird vor allem in der Automo- bilentwicklung eingesetzt. Er registriert, wie ein Gleichgewichts- organ, jegliche Bewegung in Fahrzeugen.
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