Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'21 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

27 3 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten HÜLYA KELLER Hülya Keller ist langjährige Verkaufslei- terin und Prokuristin der Hauser Reisen GmbH in Rottweil. Ihr oberstes Ziel ist, die Kunden optimal zu beraten und zu betreuen. Seit über 70 Jahren dreht sich bei Hauser Reisen, einem der größten Reiseveranstalter in der Region, alles ums Reisen. Für den Erfolg der Reisen stellt das Hauser-Team sein ganzes Enga- gement und Know-how zur Verfügung. Qualität, Sicherheit und erstklassiger Service für die Kunden und Gäste ste- hen dabei an erster Stelle. Das Team von Hauser Reisen wird von elf Auszu- bildenden verstärkt, die von Hülya Keller betreut werden. In einer umfangreichen und abwechslungsreichen Ausbildung lernen die Auszubildenden die einzelnen Bereiche des Unternehmens kennen. Hülya Keller: Ja – leider, mit Ausnahme der Buchhaltung, der Personalabteilung und zeitweise dem Prozessmanagement. Wie unterscheidet sich die Ausbildung jetzt vom Normalzustand? Claudia Dreißig: Im Moment ist es bedauerlicherweise nicht möglich, dass alle Abteilungen, wie beispielsweise Service, durchlaufen werden. Die Auszubildenden sind vorwiegend an der Rezeption tätig, um eine Rundumbetreuung für unsere Gäste zu bieten. Sobald das Resort wieder öffnen darf, werden selbstverständlich alle Abteilungen regulär eingebunden. Hülya Keller: Als ein Dienstleistungsunternehmen fehlt uns natürlich das tägliche Tagesge- schäft. Die größte Herausforderung besteht darin, wie wir einen Acht-Stunden-Tag sinnvoll für unsere Azubis füllen können. Es konnten viele interne Projekte nun tatsächlich aufgearbeitet und abgeschlossen werden, zu denen wir sonst nicht gekommen wären, wie beispielsweise Organisation des Archivs, Umstrukturierung und auch zum Teil Neuaufbau unserer Homepage. Wie schaffen Sie es trotz Lockdowns, Ihren Azubis die nötigen Kompetenzen zu vermit- teln? Gibt es besondere Pläne für den Restart? Claudia Dreißig: Bereits heute freuen wir uns sehr auf den Tag, an dem das Resort seine Türen wieder öffnen darf. Damit wir auch dann den besten Service für unsere Gäste bieten können, finden bereits intensive Schulungen in verschiedenen Bereichen statt. So werden auch in der Schließzeit die wichtigsten Informationen vermittelt, die Azubis sind bestmöglich vorbereitet, und der erfolgreichen Wiedereröffnung steht nichts im Wege. Hülya Keller: Wir haben die hauser.akademie ins Leben gerufen, über die sich alle Mitarbeiter und damit auch Azubis online in den verschiedensten Bereichen weiterbilden können. Unsere Azubis können meiner Meinung nach sofort bei einem Restart wieder in das Tagesgeschäft einsteigen. Sie sind zum größten Teil noch sehr motiviert und haben Spaß an dem, was sie machen. Sie sind es auch noch gewohnt fünf Tage die Woche acht Stunden zu arbeiten beziehungsweise haben auch durch den Präsenz- oder derzeitigen Onlineunterricht an den Schulen noch einen guten regulären Tagesablauf. Das Interview führte Daniela Hermann Jörg Tausendfreund zur Situation der Azubis in der Coronapandemie Aktuell befinden wir uns vielfach in unterschiedlich großen Unsicherhei- ten, die durch den Lockdown, die fehlende Perspektive und konkrete Informationen zum Verlauf von schrittweiser Öffnung oder des echten Wiederanlaufens vieler Wirtschafts- zweige. Diese Unsicherheit überträgt sich in Unternehmen von der Leitung durch die gesamte Belegschaft hindurch. Azubis sind davon nicht ausgenommen und vielfach auf- grund ihrer Position im Unternehmen und ihrer Jugend noch deutlich empfänglicher für das Gefühl der Unsicherheit. Es ist eine sehr menschliche Reaktion, dann, wenn wir nicht weiterwissen, in eine gewisse Art von Stillstand zu kommen. Dieser Stillstand kann leider sehr schnell sehr erdrückend werden. Ein Neustart wird immer schwieriger und ist mit viel Anstrengungen verbunden. In einem Interview hat es der Inhaber eines großen Hotels so beschrieben: „Wenn es wie- der losgeht, dann müssen meine Mitarbeiten- den im Service erst einmal wieder lernen, lange auf den Füßen zu sein, mit Stress und mit Gästen umzuge- hen.Wir müssen nach dieser langen Zeit einfach viele Dinge wieder neu lernen.“ Das ist ein gutes Beispiel für den Aufruf, aktiv zu bleiben und auch das Lernen nicht zu vergessen. Denn umso mehr wir uns an diesen Stillstand gewöhnen, desto schwie- riger wird der Neustart. Doch zum Glück braucht es nicht viel. Aktiv bleiben heißt ja jetzt nicht, sich dazu zu quälen, Sport zu treiben, sondern vielmehr insge- samt in einem aktiven Zustand zu bleiben. Das kann auch einem Hob- by nachgehen sein, Lesen, Basteln, Malen oder Schreiben – natürlich auch ger- ne Sport machen. Denn aktiv hat hier mehr etwas damit zu tun, interessiert zu bleiben und eben nicht aufzuhören. Und das ist es dann auch, was später den Wiedereinstieg zum Lernen in der Ausbildung und in der Schule deutlich erleichtert. Mal ganz abgesehen davon, dass Lernen nicht vergessen für uns alle gilt. Denn wenn uns die aktu- elle Situation eines ganz deutlich zeigt, dann doch, dass wir uns auf Wandel und Veränderung einstel- len und damit bestmöglich umgehen müssen. Darüber hinaus zeichnet es sich doch heute schon ab, dass wir erst am Anfang dieses massiven Veränderungs- prozesses stehen. Und da brauchen wir un- bedingt die Ideen, die Energie und das En- gagement von Azubis, Schülern und jungen Menschen im Allgemeinen. Der Rottweiler Jörg Tausendfreund ist Experte, Innovator und Autor. Sein Fachgebiet ist das gelingende Ge- stalten von Wandel und digitaler Transformation für Unternehmen und Organisationen. Bild Jörg Tausendfreund: privat Bilder: Der Öschberghof /Hauser Reisen » «

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