Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'21 -Südlicher Oberrhein
10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 1 | 2021 Die IHK Südlicher Oberrhein bietet zwei Onlineveranstaltungen zum Thema an: „Das Office nach Corona: Die analog-digitale Kultur-Tankstelle“ am 26. Januar (15-16.15 Uhr) und „ Einflüsse und Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Arbeitswelt “ am 27. Januar (11-12 Uhr). Details und Anmeldung: www.suedlicher-ober- rhein.ihk.de ( 4956566 bzw. 4954760) Die IHK-Akademie Schwarzwald-Baar- Heuberg veranstaltet am 12. und 13 . Januar das Onlinetraining „ Fit für‘s Homeoffice “. Details und Anmeldung: www. ihkakademie-sbh.de ( FFHO-211) beiten im Verkauf und mussten deshalb große Teile des Jahres in Kurzarbeit. Diejenigen aus Verwaltung und Mar- keting schickte er ins Homeoffice. „Ich sehe das nicht als grundsätzliche Wunderwaffe der Zukunft, denn es treten ganz andere Probleme auf“, sagt Weisser. Das fängt bei grundlegenden Voraussetzungen an: Gerade in vielen Schwarzwälder Gemeinden funktioniert ohne stabiles G4/LTE-Netzwerk auch die beste Tech- nik nicht besonders gut. Dazu kommen menschliche Aspekte: „Den Mitarbeitern fällt die Decke auf den Kopf“, berichtet der Chef. Ohne persönlichen Kontakt zum Un- ternehmen würden sie vom Informations- fluss abgehängt– trotz Kommunikations- software. „Eine Firma ist dynamisch, man kann nicht immer alles gleich schriftlich mitteilen“, erklärt Weisser. Kritisch sieht er in dem Zusammenhang auch das Thema Datenschutz, vor allem wenn das Home- office kein extra Zimmer ist, sondern sich Arbeit und Familie am Küchentisch oder im Wohnzimmer zusammenwürfeln. Da ist es dann auch mit dem konzentrierten Arbeiten nicht so weit her. Seine Mitarbeiter kämen deshalb lieber wieder ins Büro zurück. W er im Büro zur Toilette geht oder einen Kaf- fee kocht, bucht sich dafür nicht aus. Und im Homeoffice daheim? Was passiert, wenn jemand für ein paar Minuten nicht oder einfach zu ande- ren Zeiten erreichbar ist? Das Beispiel zeigt: Es braucht neue Regeln und eine andere Kommunikation, damit in Unternehmen aus der Präsenz- eine Vertrauenskultur werden kann. „Homeoffice ist nicht einfach nur das Zur- Verfügung-Stellen von Hard- und Softwareprodukten, sondern eine Frage der Führung und des Vertrauens gegenüber der Leistungserbringung auf Distanz“, sagt Emmanuel Beule. Und da sieht der Referent für digitale Geschäftsprozesse der IHK Südlicher Oberrhein noch einigen Handlungsbedarf. Es sei ja Realität, dass viele Menschen im Homeoffice waren beziehungsweise sind, und dass die Arbeit auf Distanz funktioniert. Teilweise sogar so gut, dass manch ein Chef sich die Frage stellt: „Braucht man mich eigentlich noch?“ Die Unternehmen verwalten sich also selbst. Die Firmenchefs sollten sich nun aber zu Gestaltern der neuen Normalität entwickeln. „Das ist die Kunst“, sagt Beule. Wer annehme, dass nach der Pandemie das alte System zurückkehrt, der setze auf das falsche Pferd. Gestalten statt verwalten: Das muss Chef- sache sein, meint Beule, und das erfordert eine neue Unternehmens- und Führungs- kultur. Die Basis dafür ist Vertrauen ge- genüber den Mitarbeitern. Der Verdacht, Menschen arbeiten zu Hause weniger, ist ein Trugschluss – das haben viele Studien bewiesen. „Es gibt sie, die Menschen, die zu Hause weniger leisten. Aber die kommen im Büro genauso durch“, sagt Beule. Wie die oder der Einzelne mit dem Homeoffice zurecht kommt, kann sich individuell sehr unterscheiden. Das ist auch ein Thema der Personalentwicklung. Ein weiteres Problem: Die Digitalisierungskompetenz haben in der Regel nicht diejenigen in der Chefetage. Die meisten Führungskräfte gehören einer Generation an, deren Allgemeinbildung 20 bis 40 Jahre alt ist. Sie sind keine Digital Natives und deshalb gar nicht in der Lage, manche Entscheidung zu fällen. Doch genau das ist die Voraussetzung für eine wirkliche Transformation der Arbeitswelt. Die Chefs müssen sich also die jungen Ex- perten mit der passenden Denkweise und der richtigen Expertise an Bord holen, sollten selbst aber am Steuer den Kurs bestimmen. Dafür müssen Führungskräfte laut Beule umdenken. Kathrin Ermert Sedus-Vorstand Daniel Kittner (links), IHK- Referent Emmanuel Beule (Mitte) und Thomas Weisser vom Haus der 1.000 Uhren (rechts) »Es gibt Men- schen, die zu Hause weniger leisten. Aber die kommen im Büro auch durch.« Emmanuel Beule , Referent Digitale Geschäftsprozesse, IHK Südlicher Oberrhein Bilder: Firmenfoto, Ermert, Maerz
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