Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'21 -Südlicher Oberrhein

9 1 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten tItel VORTEILE, NACHTEILE, TIPPS Das Konstanzer Institut für betriebliche Gesundheitsbe- ratung (IFBG) hat Routinedaten, Studien und Literatur zum Thema Homeoffice aus den vergangenen zehn Jahren ausge- wertet und daraus Ressourcen und Stressoren im Homeoffice – oder auch: Vor- und Nachteile der Telearbeit – definiert. Die Vorteile: Wenn es ausreichend Platz und Ruhe, funktionieren- de Hard- und Software sowie eine stabile Internetverbindung gibt, ermöglicht das Homeoffice die eigene flexible Gestaltung der Arbeitszeit und Pausen sowie eine Zeitersparnis aufgrund des wegfallenden Arbeitsweges. Ohne Unterbrechungen und Ablenkungen von Kollegen fördert es die Konzentration und damit die Effizienz. Das Selbstmanagement bietet zudem größeren Planungs- und Entscheidungsspielraum sowie die Vereinbarung mit privaten Inter- essen wie beispielsweise Familie und Freizeit.Voraussetzung für all dies ist eine vertrauensvolle und wertschätzende Kultur und Kom- munikation mit Führungs- kräften und Kollegen. Die Nachteile im Homeoffice beginnen bei einer mangelhaften Ergonomie, nicht nur des Mobiliars, sondern auch hinsichtlich Licht und Lärm. Datenschutz sowie die ausreichende Trennung von Privatem und Geschäftlichen können ebenso problematisch sein wie mangelndes Vertrauen der Vorgesetzten. Die Kontrolle der eigenen Arbeitszeit, das Gefühl der dauernden Erreichbar- keit sowie die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit kann Beschäftigte überfordern.Auch digitales Multitasking, fehlende Arbeitsmaterialien, mangelnde Information undAustausch oder unklareAbsprachen belasten. ObVor- oder Nachteile überwie- gen, hängt von der Familiensituation, dem Geschlecht (Frauen klagen häufiger über Mehrfachbelastung) und dem Umfang der Telearbeit ab. Am besten fällt die Bewertung bei denjenigen aus, die partiell im Homeoffice arbeiten. Aus diesen Erkenntnissen formuliert das IFBG Handlungsemp- fehlungen für Beschäftigte, Führungskräfte und Arbeitgeber. Diese reichen von Tipps für die Zeiteinteilung (Routinen eta- blieren, Pausen einhalten, Blöcke und To-do-Listen festlegen, Multitasking vermeiden) über dieVereinbarung der Rahmenbe- dingungen imTeam (Zielvereinbarungen sowie Regeln und Er- wartungen zur Erreichbarkeit formulieren, auf direkte Kontrolle verzichten) über die Vorbildfunktion (selbst an Kernarbeitszei- ten halten) und regelmäßiges Feedback bis zu Grundlegendem wie einer betrieblichen Vereinbarung zur Telearbeit. Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter zur Nutzung des Homeoffices motivieren möchte, sollte es dies auch klar kommunizieren und Vorurteilen wie schlechteren Karrierechancen entgegenwirken. Der Arbeitgeber muss sich zudem um die Möblierung und tech- nische Einrichtung des Heimarbeitsplatzes auch hinsichtlich versicherungs- und arbeitsschutzrechtlicher Belange kümmern. Außerdem sollte er Schulungen für die nötigen Medien- und Kommunikationskompetenzen anbieten – und sich am besten auch selbst in Sachen Digital Leadership weiterbilden. kat pakten Drehstuhl und einen kleinen Sekretär, die sich für Heimarbeitsplätze eignen. Stark gestiegen ist 2020 der Onlinevertrieb, sowohl im eigenen Shop als auch über Händler auf Plattformen. „B2B2C“ nennt Kittner die Strategie in Sachen Homeoffice. Das heißt: Man findet gemeinsam mit den Unternehmen lösungen, dass deren Mitarbeiter zuhause ar- beiten können. Auch die Segmente rund um neue Arbeits- formen im Büro entwickeln sich laut Kittner stark – etwa Möbel, die sich flexibel dem gewünschten Arbeitsstil anpassen, und Sys- teme, mit denen sich die Nutzung planen lässt. So hatte Sedus passenderweise Anfang 2020 seine erste Software marktreif, die es gemeinsam mit dem österreichischen tech- nologiespezialisten Kapsch erarbeitet hatte. Das digitale Raummanagementsystem unterstützt, gerade bei großen Unternehmen, die flexible Nutzung von Arbeitsplätzen – mittlerweile auch im Hinblick auf Covid-19. ein weiteres gemeinsames Produkt mit Kapsch – diesmal eine Kombination aus Möbeln und Software – hat Sedus in Planung. „es ist klar, dass sich die Nutzung traditioneller Büroflächen ändern wird, weil konzentriertes Arbeiten am einzeltisch zunehmend im Homeoffice geschieht“, sagt Kittner. er sieht darin keineswegs eine Bedrohung für Sedus, sondern im Gegenteil eine Chance. T homas Weisser mag in den lobgesang aufs Home- office nicht einstimmen. „Alles hat zwei Seiten“, sagt der triberger Unternehmer, der drei einzelhan- delsgeschäfte – darunter das Haus der 1.000 Uhren – be- treibt. Weissers Kunden sind überwiegend Schwarzwald- touristen, vor allem aus dem Ausland. Weil dieses Jahr so gut wie kein internationaler tourismus stattgefunden hat, ist Weissers Umsatz um fast 60 Prozent eingebrochen. Die meisten seiner gut zwei Dutzend Beschäftigten ar- »Im Büro müssen die Mitarbeiter sich in erster Linie wohlfühlen« Clemens Imberi , leiter Streit Inhouse Bilder: ermert/Firmenfotos, Grafik: architetta - iStock

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