Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'21 - Hochrhein-Bodensee

21 1 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten IHK Hochrhein-Bodensee REGIO REPORT Alexander Vatovac: Ganz sicher sogar. Die Unterneh- mensstruktur in den einzelnen Branchen wird nach der Pandemie eine andere sein als vorher. In der Gas- tronomie wird ein Lieferdienst in Zukunft bei jedem Geschäftsmodell dabei sein. Die Unternehmen müs- sen online sichtbarer werden, sich besser vernetzen und auch neue Einkommensquellen erschließen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zum bisherigen Konzept passen. Das gilt für den Handel genauso wie für die Gastronomie. In der Coronakrise haben die Unternehmen schmerzhaft gespürt, dass es ein enor- mer Nachteil ist, wenn man online nicht stattfindet. Auch die Reise- und Eventbranche wird nicht einfach so weitermachen können wie vor der Pandemie. Corona hat andere Werte in den Mittelpunkt gerückt. Dazu gehört alles, was dem Sicherheitsgefühl der Kunden dient. Konjunktur haben Campingplätze und Ferien- wohnungen sowie Konzepte, die Abgeschiedenheit und Naturerlebnisse ermöglichen. Lena Häsler: Gleiches gilt für den innerstädtischen Handel. Die Coronakrise hat unser Einkaufsverhalten deutlich Richtung Onlineshopping verschoben. Das heißt, ohne Onlinekonzept wird es bei vielen Händlern nicht mehr gehen. Die Händler können nicht mehr nur an ihr eigenes Geschäft, sondern an die ganze Stadt denken. Dafür müssen sie mit der Stadtverwaltung, den Wirtschaftsförderern, der Gastronomie und den Dienstleistern in Kontakt kommen. Gemeinsam Kon- zepte für die Innenstadt entwickeln: Darum wird es jetzt gehen. Alexander Vatovac: Was besonders deutlich während der Pandemie wurde: Der Tourismus bedingt den Han- del, der Handel bedingt den Tourismus. Das sind Zahn- rädchen, die ineinandergreifen. Wir können sie nicht mehr losgelöst voneinander betrachten. Wie kann die IHK diese Branchen unterstützen? Alexander Vatovac: Die IHK ist Ansprechpartner in allen unternehmerischen Fragen. Wir vernetzen un- terschiedliche Akteure, die voneinander profitieren könnten und vertreten die Interessen unserer Mit- gliedsunternehmen gegenüber dem Land und dem Bund. Wir ersetzen keine Unternehmensberater, aber wir greifen auf ein sehr großes Wissen innerhalb der IHK-Organisation sowie unseres Netzwerkes zurück. Wir wissen viel, aber nicht alles, aber wir wissen im- mer, wer weiterhelfen kann. Die Coronakrise hat Un- ternehmen aus der Gastronomie, dem Tourismus und dem Einzelhandel besonders hart getroffen. Deswe- gen werden wir in den kommenden Monaten stärker über diese Branchen berichten und über Themen in- formieren, die diese Unternehmen interessieren. Dazu gehören unter anderem spezielle Förderprogramme und Sonderprogramme, Chancen durch Digitalisie- rung, Entwickeln beziehungsweise Weiterentwickeln neuer und bestehender Geschäftsmodelle oder wie eine Insolvenz abläuft und was danach kommen kann. Hinzu kommen Themen, die kurzfristig aufgrund des Pandemiegeschehens oder politischer Entscheidun- gen relevant werden. Interview: hw Manfred Hölzl Betreiber des Konzils in Konstanz und Vorsitzender des IHK-Tourismusausschusses Ich blicke optimistisch auf das neue Jahr. Zwar gehe ich davon aus, dass der Lockdown noch über die Fastnachts- zeit hinaus andauern wird, aber ab März sollte es für die Gastronomie und den Tourismus wieder aufwärts gehen. Wenn dann noch die Coronaimpfungen zu ei- ner flächendeckenden Immunität führen, kann das Jahr 2021 für uns ein sehr gutes werden. Die Menschen haben ein starkes Bedürfnis, endlich wieder auszugehen und etwas zu erleben. Davon werden beson- ders die Gastronomie, die Hotellerie, die Eventbranche und der Tourismus profitie- ren. Die Herausforderung wird sein, die Mitarbeiter in den ersten Monaten noch zu halten und halbwegs liquide zu bleiben, um dann im Frühjahr wieder gemeinsam durchzustarten. « « Manuela Böhler-Szmerlowski Prokuristin des Autohauses Böhler in Schopfheim und Vorsitzende des IHK-Handelsausschusses Der Einzelhandel blickt gespalten auf das Jahr 2021. Lebensmittel- händler, Drogeriemärkte oder Fahrrad- händler sind überwiegend optimistisch. Besorgt ist der Einzelhandel in den In- nenstädten. Da ist die Ungewissheit, wie lange die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie noch andauern, ob es ge- nügend Hilfsprogramme gibt und wie es gelingen kann, dass die Menschen wie- der in die Innenstädte kommen. Wäh- renddessen boomt der Onlinehandel - die Schließungen von Hotels, Gastronomien und Kultureinrichtungen tragen zu dieser Entwicklung bei. Die Freizeitbeschäfti- gung im Zentrum ohne atmosphärisches Einkaufserlebnis und Gastronomie ergibt für viele Menschen offensichtlich keinen Sinn. Wir müssen uns 2021 dafür einset- zen, dass die Innenstädte auch in Zukunft vielfältig und lebendig bleiben. « «

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5