Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'20 -Südlicher Oberrhein

30 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 12 | 2020 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein Nextwerk Solutions: Mit der richtigen Idee – und Unterstützung der IHK – trotz Krise durchstarten Die mutigen Vier E igentlich geht es bei unserer Firma nur um die Optimierung von Prozessen“, sagt Matthias Gutmann schulterzu- ckend. Wenn der Gründer die Idee hinter dem Unternehmen Nextwerk Solutions erklärt, klingt sie beinahe banal und eigentlich schon selbstverständlich. Doch hat sie niemand vor Matthias Gutmann, Björn Gerhart, Alexander Stirn und Sebastian Lorenz so durchdacht. Um genau zu sein, sind es zwei Produkte, mit denen Nextwerk Solutions in Breisach im Mai an den Start gegangen ist. Der Firmenname ist dabei eine Verbindung aus all dem, was das Start-up ausmacht, erklärt Sebastian Lo- renz, zuständig für das Marketing: „Bei ,Next‘ dachten wir an die Zukunft, wie in der ,Next Generation‘. Das ‚Werk‘ kommt aus dem ‚Netz- werk‘, das sowohl aus Sensoren als auch aus Menschen bestehen kann. Und die ,Solutions‘, klar, das sind die Lösungen, die wir bieten.“ Das erste Erzeugnis der jungen Firma ist der sogenannte smarte Button. Mit ihm lassen sich per Knopfdruck selbstdefinierte Akti- onen auslösen. „Am Regal im Großhandel angebracht kann ein Klick zur Nachbestel- lung des ausgehenden Produkts führen. In der Logistik kann er dynamisch die Abholung der Ware veranlassen. Oder in der Liegen- schaftsverwaltung kann er den Hausmeister- dienst anfordern“, nennt Björn Gerhart gleich drei Anwendungsbereiche für den smarten Button. Anders als frühere Entwicklungen an- derer Anbieter ist beim Button von Nextwerk Solutions keine komplizierte Einrichtung über das WLAN-Netz oder Bluetooth erforderlich. Gerhart: „Der Button wird ausgepackt, für seine Aufgabe an einem PC oder Smartpho- ne konfiguriert und ist schon einsatzbereit.“ Längst hat der Freiburger Elektrogroßhändler Zander Interesse an der Erfindung bekun- det. „Sie haben mit uns soeben die 0-Serie produziert. Die 50 Prototypen gehen jetzt an ausgewählte Kunden“, freut sich Matthias Gutmann. Denn mit 22 Niederlassungen der Zander Gruppe und 40.000 Kunden deutsch- landweit erhoffen er und seine Mitstreiter sich hier jede Menge Potenzial. Die zweite Idee soll nicht nur Prozesse opti- mieren, sondern auch für die optimale Nut- zung von Ressourcen sorgen. Entstanden ist sie irgendwo zwischen Weintrauben und Weinfest. Gutmann fuhr hinter einem Traktor mit Wasserfässern her, der auf dem Weg zum Bewässern der Reben war. Später fragte er einen befreundeten Winzer, woher er wisse, wann es an der Zeit sei, zu gießen. Mit der Antwort – hinfahren und nachsehen – war Gutmanns Erfindergeist geweckt. Er stellte sich vor, mit Sensoren die Bodenbeschaffen- heit zu messen, damit die Kontrollfahrt ent- fällt. Ein Füllstandssensor in den Wasserfäs- sern in den Reben sollte zudem melden, wenn das Wasser ausgeht. Und wenn alles noch mit den aktuellen Wetterdaten verbunden wäre, würden auch unnötige Gießaktionen entfal- len. Noch steht das aus mehreren Modulen bestehende Produkt nicht zur Verfügung, soll aber bald auf den Markt kommen. Zur Entwicklung engagierte Gutmann 2019 zunächst einen freien Webentwickler; über eine Annonce kam Alexander Stirn hinzu. „Ich habe sofort an die Idee geglaubt“, erinnert sich Stirn. „Und ich habe schnell gemerkt, dass das nicht nur ein Projekt ist, sondern dass da Perspektive dahintersteckt. Auch Björn Gerhart, eigentlich in der Rebenverede- lung tätig, war sich ganz sicher: „Wenn wir das auf den Markt bringen, lässt es sich problem- los verkaufen.“ Wichtig war den vier Gründern stets, dass sich die Investition in ihr Produkt auch schon für einen Nebenerwerbswinzer lohnt. Sie machen sich sogar Gedanken da- rüber, Finanzierungsmodelle zum Produkt anzubieten. Auch hier sind sie anderen weit voraus. Gerhart: „Früher hat man das Produkt entwickelt und dann den Vertriebskanal ge- sucht. Heute ist das eben anders.“ Das Geschäftsmodell beeindruckte auch Emmanuel Beule, da gab es für den IHK-Di- gitalisierungsreferenten nichts zu verbessern. Doch schickte er die vier Gründer zu Philipp Klemenz, Referent Innovation und Technolo- gie bei der IHK Südlicher Oberrhein. Sie er- zählten ihm von ihren Ideen und der Experte wusste gleich, welcher Fördertopf für Next- werk Solutions infrage kommt und welche Summe die vier bei einem Antrag zu erwarten hätten, nämlich 7.500 Euro nicht rückzahl- baren Zuschuss aus dem Innogutschein BW. „Und Tipps, wie wir mit unserer Zertifizierung dafür sorgen, dass unsere Kunden wiederum gefördert werden, haben wir auch noch be- kommen“, ist Gutmann noch immer dankbar für den Kontakt zur IHK. naz Zu Fördermitteln informiert Philipp Klemenz, IHK-Referent Innovation und Technologie 0761 3858-269 philipp.klemenz@freiburg.ihk.de. Bild: Michale Vögele „Was braucht der Markt?“ Vier junge Männer haben sich diese Frage gestellt. Sie fanden gleich zwei passende Antworten und waren letztlich so überzeugt davon, dass sie ein Unterneh- men gründeten. Mitten in der Coronapandemie. Sie stecken hinter Nextwerk Solutions (v.l.): Matthias Gutmann, Björn Gerhart, Alexander Stirn und Sebastian Lorenz.

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