Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
41 12 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Das Hotel-Restaurant Sonne Post in Waldau sowie Inhaberin Yvonne Eiche mit ihrem Mann Thomas Eiche, ihren Eltern Gerhard und Ursula Wehrle und ihren beiden Töchtern. 150 Jahre Sonne Post in Waldau: Familiäre Atmosphäre, stetige Investitionen Immer wieder schwierige Zeiten gemeistert WALDAU. „Gutes Durchhalten“ wünschen die letzten Gäste Yvonne und Thomas Eiche, als sie am 2. Novem- ber früher als geplant aus dem Hotelgasthof Sonne Post in Waldau abreisen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr musste das Ehepaar das Haus wegen der Coronapande- mie schließen. Dabei hat Yvonne Eiche es erst vor einem Jahr, im Dezember 2019, von ihren Eltern Gerhard und Ursula Wehrle übernommen. „Wir werden es schaffen“, sagt sie, froh darüber, dass im Frühjahr wie auch jetzt im Herbst ein Teil des Lockdowns in die Betriebsferien fiel beziehungsweise fällt. Zuversicht brauchten auch ihre Vorfahren, die in der 150-jährigen Geschichte des Familienunternehmens ebenfalls immer wieder schwie- rige Zeiten meistern mussten. 1870 eröffnete der Landwirt, Uhrenhändler und Fuhr- mann Stefan Wehrle in dem kleinen, im oberen Langen- ordnachtal in der Nähe von Titisee-Neustadt gelegenen Ort Waldau das Gasthaus „Zur Sonne“ mit einer Posthal- testation. Die Landwirtschaft betrieb die Familie noch weitere hundert Jahre nebenher. Die beiden folgenden Generationen brachten Hotel und Poststation erfolgreich durch zwei Weltkriege: Als Stefan Wehrles gleichnami- ger Sohn während des Ersten Weltkrieges an seinen Kriegsverletzungen starb, führte dessen Witwe Berta Gasthaus und Poststation 22 Jahre lang allein weiter. Sie ergänzte sie um eine kleine Fremdenpension. Ihre Schwiegertochter Augusta leitete den Familienbetrieb ab 1939 sechs Jahre lang alleine, als ihr Mann August im Krieg war. Dieser führte ab Weihnachten 1945 mit ihr gemeinsam nicht nur die Geschicke des Hauses weiter, sondern war von 1952 bis 1972 auch Bürgermeister von Waldau. 1976 übernahmen Gerhard und Ursula Wehrle, die noch heute in Küche und Service mitarbeiten, das Hotel-Restaurant und betrieben außerdem bis 1994 die Poststelle. Sie ließen den Stall abreißen und erweiterten das Gasthaus um einen Anbau mit zehn Zimmern. In den 1980er-Jahren bauten sie das Dach aus und richteten dort mehrere Studios ein. All dies machte in der Nacht auf den 17. August 1991 ein Großfeuer zunichte. Das Gast- und damit auch das Wohnhaus der Familie wurden auf einen Schlag weitgehend zerstört. Die Familie kam im Sonnenhäusle in Waldau unter, in dem sie Ferien- wohnungen betreibt, und baute gemeinsam mit vielen Helfern ihre Sonne Post wieder auf. Im August 1992 feierten sie Neueröffnung. Auch seitdem investiert die Familie kontinuierlich, er- setzte das Sonnenhäusle durch einen Neubau mit vier Ferienwohnungen, renovierte 2008 Hoteleingang und Rezeption sowie nach und nach weitere Hotelzimmer und auch die Fassade. Seit 2013 ist die Sonne Post ein 3-Sterne-Superior-Hotel. Mit seinen 14 festangestellten Mitarbeitern ist das Haus zudem ein typischer, ruhig gelegener Schwarzwälder Hotelgasthof, der vor allem von Stammgästen aus ganz Deutschland lebt, die regel- mäßig zum (Wander)urlaub kommen und die familiäre Atmosphäre der Sonne Post schätzen. Zurzeit entsteht für einen Millionenbetrag ein Anbau mit Schwimmbad, Planschbecken und Saunabereich sowie sechs neuen Zimmern und einer Erdwärmeheizung. Als im März der Lockdown verkündet wurde, war gerade die Baugrube ausgehoben worden. Das Projekt stellten Tho- mas und Yvonne Eiche trotzdem nicht infrage. „Wann, wenn nicht jetzt“, sagten sie sich, berichtet Thomas Eiche. Ziel des Neubaus sei es, auch in den schwachen Monaten November und April für die Gäste attraktiv zu sein, in denen die Sonne Post bislang geschlossen hatte. Mitte Dezember, wenn die Betriebsferien zu Ende sind, soll er fertig sein. Thomas und Yvonne Eiche hoffen, dann ihren Betrieb mit den 14 festangestellten Mitarbeitern, 24 Zimmern und vier Ferienwohnungen sowie dem Res- taurant mit zurzeit 75 (sonst 120) Plätzen wiedereröffnen zu können. Ob mit oder ohne Lockdown: Essen zum Mitnehmen, das sie seit Ostern anbieten, soll es auf jeden Fall weiter geben, sagt Yvonne Eiche. mae
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