Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'20 -Südlicher Oberrhein

23 11 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten IHK Südlicher Oberrhein REGIO REPORT F ast ein Drittel (31 Prozent) der Unternehmen bezeichnen die eigene Geschäftslage als gut, nur noch 26 Prozent als schlecht. Angesichts des historischen wirtschaftlichen Einbruchs in Fol- ge der Covid 19-Pandemie geben diese Zahlen also durchaus Anlass zur Hoffnung, dass es zu keiner langwährenden strukturellen Krise am Oberrhein kommen wird. Noch ein weiter Weg zur Normalität Nichtsdestotrotz wird es noch einige Zeit dauern, bis sich die Wirtschaft vollständig erholt hat und das Vor- krisenniveau wieder erreicht wird. Lediglich 23 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre Geschäftstätig- keit bereits wieder Vorkrisenniveau erreicht hat. 42 Prozent rechnen damit, dass dies für sie frühestens im zweiten Halbjahr 2021 oder noch später zutreffen wird. Immerhin 5 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass sie das Vorkrisenniveau gar nicht mehr er- reichen werden. Der Index der Geschäftserwartungen folgt dem Muster der Geschäftslage. Auch er gewinnt mit 17 Punkten im Vergleich zum Sommer deutlich hinzu, bleibt allerdings mit -3 Punkten im negativen Bereich. Weiterhin sind also pessimistische Unternehmen in der Mehrzahl. Die Vorsicht bei den Unternehmen bleibt demnach verständlicherweise groß. Die zu- letzt wieder stark steigenden Infektionszahlen in Deutschland und den Nachbarländern geben ihnen dabei bereits recht. Noch lässt sich nicht abschlie- ßend sagen, ob in konjunktureller Hinsicht das Tal vollständig durchschritten ist. Dies werden erst die kommenden Monate zeigen. Auch der Arbeitsmarkt leidet unter Covid-19 Eine konjunkturelle Krise dieses Ausmaßes hat na- turgemäß auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. So ist die Arbeitslosenquote im Kammerbezirk im September 2020 bereits auf 4,2 Prozent gestiegen, während sie im September des Vorjahres noch bei 3,2 Prozent lag. 38 Prozent der Unternehmen im Kam- merbezirk geben an, dass sie ihre Personalkapazitäten an eine verringerte Nachfrage anpassen mussten, im Hotel- und Gastgewerbe beträgt der Anteil sogar 51 Prozent. Für 82 Prozent dieser Betriebe war dabei auch das Kurzarbeitergeld ein passendes Mittel. Eine Zahl, die dafür spricht, dass dieses Instrument wie schon in der vergangenen Krise sehr gut geeignet ist, den Unternehmen zu ermöglichen, kurzzeitig auf einen Nachfrageausfall zu reagieren, ohne langfristig wich- tige Fachkräfte zu verlieren. Da diese Maßnahmen jedoch nicht zeitlich unbegrenzt fortgesetzt werden können, steht zu befürchten, dass es in den kommenden Monaten zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit im Kammerbezirk kommen wird. Auch die höheren Infektionszahlen im Herbst und damit einhergehende stärkere Beschränkungen für Gastronomie und Freizeitaktivitäten werden nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigehen. Entsprechend gering sind die Erwartungen an die Beschäftigungs- entwicklung in den kommenden zwölf Monaten bei den Unternehmen. So gewinnt der Index der erwar- teten Beschäftigung zwar im Vergleich zum Sommer 10 Punkte hinzu, bleibt aber mit -18 Punkten tief im negativen Bereich. Nur 1 von 10 Unternehmen plant für die kommenden zwölf Monate zusätzliche Einstel- lungen. Bei 28 Prozent der Unternehmen ist hingegen ein Stellenabbau absehbar. Norbert Uphues Der freie Fall der Konjunktur ist zu- nächst gestoppt. Nachdem im Sommer mit -50 Punkten noch der bisher stärks- te Rückgang des Index der Geschäftsla- ge verzeichnet wurde, kann dieser zum Herbst wieder etwas Boden gut ma- chen. Er gewinnt 22 Punkte hinzu und befindet sich mit 5 Punkten nun wieder im positiven Bereich. IHK-Konjunkturumfrage zum Herbst Leichte Erholung am Oberrhein -70 -50 -30 -10 10 30 50 70 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 Geschäftslage Geschäftserwartung Erwartete Beschäftigung Wieder im positiven Bereich: Der Index der Geschäftsla- ge gewinnt gegenüber der IHK-Konjunkturumfrage im Sommer 22 Punkte hinzu. Norbert Uphues 0761 3858-117 norbert.uphues@ freiburg.ihk.de

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5