Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
48 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2020 Unternehmen Loretto- und St. Josefskrankenhaus in neuer Hand Artemed übernimmt Freiburger RKK-Kliniken FREIBURG. Die Artemed SE hat zum 1. Oktober die Trägerschaft des Loretto- und des St. Josefskranken- hauses übernommen. Bislang hatten vier Schwestern ordensgemeinschaften als Gesellschafterinnen die beiden Freiburger Kliniken im Rahmen des Regional- verbundes Kirchlicher Krankenhäuser GmbH (RKK) gehalten. Wie wir mehrfach berichteten, waren die Orden aufgrund der Altersstruktur der Schwestern, mangelnden Nachwuchses und der nötigen hohen Investitionen angesichts der rasant fortschreitenden medizinischen Entwicklungen nicht mehr in der Lage, die Krankenhäuser zu halten. Diese beschäftigen knapp 2.000 Mitarbeiter und versorgen um die 25.000 Patien- ten pro Jahr. Sie sind damit nach der Universitätsklinik Freiburg der zweitgrößte Anbieter von Krankenhaus- dienstleistungen in der Stadt. Erst vor wenigen Monaten war die angestrebte Übernahme durch die Barmherzi- gen Brüder Trier GmbH gescheitert. Daraufhin hatte der Aufsichtsrat (bisheriger Vorsitzender: Heinzpeter Schmieg) Kontakte zu Artemed SE in Tutzing aufgenom- men. Diese Gruppe, so deren Gesellschafter und Mit- glied des geschäftsführenden Direktoriums Rainer Sal- feld bei einem Pressegespräch Anfang Oktober, ist ein mittelständisch geprägtes Gesundheitsunternehmen mit über 7.000 Mitarbeitern (inklusive derjenigen in Freiburg), dem mittlerweile 16 Krankenhäuser in ganz Deutschland gehören, darunter rund die Hälfte mit ursprünglich konfessionellem Hintergrund. Darüber hinaus betreibt die Gruppe sechs Pflegezentren und mithilfe einer eigenen Stiftung mehrere medizinische Projekte weltweit, so etwa für Straßenkinder in La Paz (Bolivien), ein Sanitätsschiff im Delta des Irrawaddy in Myanmar sowie eine Klinik in Tansania. Die Artemed SE ist laut Salfeld nicht im Besitz fremder Investoren, sondern die Gesellschafter sind mehrere Familien. Die Ziele des Unternehmens ließen sich unter den Stichwor- ten hervorragende Medizin, Zuwendung und Ambiente zusammenfassen. Die Vorbereitung der Übernahme sei innerhalb nur we- niger Monate schnell, aber sorgfältig verlaufen. Wie die Provinzoberin des Klosters St. Trudpert Münstertal, Schwester Teresa, mitteilte, bleibt für die Schwestern alles beim Alten. Sie werden sowohl weiterhin auf den Klinikgeländen leben, als auch in den Kliniken arbeiten. Die menschliche Komponente bleibe damit erhalten. Artemed will das Profil des Lorettokrankenhauses mit den Schwerpunkten Orthopädie, Urologie und Gastroenterologie weiter schärfen und eventuell um ein Fachgebiet erweitern, im St. Josefskrankenhaus soll der Fokus in den kommenden Monaten auf der Modernisierung der zentralen Notaufnahme und der Weiterentwicklung im Bereich der interdisziplinären Diagnostik liegen. Wie die Badische Zeitung berich- tete, ist dabei ein Investitionsvolumen von circa 20 Millionen Euro im Gespräch. upl Commerzbank-Studie Coronakrise trifft Freiburger Betriebe FREIBURG. Wie Anton Gereitzik und Thorsten Löhr von der Commerzbankniederlassung Freiburg Anfang Oktober ausführten, ist laut der siebten Unterneh- merkunden-Studie im Auftrag der Commerzbank knapp die Hälfte der Freiburger Unternehmen von der Coronakrise stark getroffen worden. Das Meinungs- forschungsinstitut Ipsos befragte bundesweit 3.500 Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer mit ei- nem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro, davon 50 in Freiburg. 18 Prozent der Befragten Freiburger bezeichneten die Krise als existenzbedrohend. Gut die Hälfte hat staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen. Fast alle sahen sich von ihren Banken gut unterstützt bei der Auswahl der richtigen Förderprogramme und bei der Überbrückung kurz- fristiger Liquiditätsengpässe. Viele Befragte haben ihr Geschäftsmodell der Krise angepasst: Ein Drittel reduzierte die Kosten, ein Viertel nutzte verstärkt digitale Vertriebswege und Kommunikationskanäle, jeder Fünfte erweiterte sein Produkt- und Dienstleis- tungsangebot. Corona löste laut der Commerzbank einen Digitalisierungsschub aus. Die Commerzbank in Freiburg stellte rund 80 Millionen Euro an Finan- zierungen bereit. orn Das St. Josefskranken- haus in Freiburg.
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