Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
45 11 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Doris Desbarats vermittelt seit 25 Jahren Versicherungen In der Männerdomäne behauptet MARCH-HUGSTETTEN. Am 1. Oktober 1995 hat Doris Desbarats ihre Versicherungsvermittlung in march bei Freiburg gestartet, deren 25. Jubiläum sie nun feiert. Dass sie sich in der männerdominierten Ver- sicherungsbranche etabliert und zweieinhalb Jahrzehn- te gehalten hat, ist keine Selbstverständlichkeit: nur wenige Prozent der rund 200.000 selbstständig tätigen Versicherungsvermittler oder -berater in Deutschland sind Frauen. Desbarats hat sich von der General- zur regionalvertretung des AXA-Konzerns hochgearbei- tet. Sie ist ehrgeizig und hartnäckig, dabei aber immer sehr charmant und zugewandt. Zusammen mit einer Assistentin betreut sie Privat- und Firmenkunden in der region, vom ein-mann-Betrieb bis zur Firmengruppe mit 800 mitarbeitern. Ihr Durchsetzungsvermögen hat Desbarats auch ihrer früheren tätigkeit zu verdanken. Direkt nach der Wirt- schaftsschule war sie ins Unternehmen ihres damali- gen ehemanns eingestiegen, ein It-Dienstleister mit gut einem Dutzend mitarbeitern, der Software für Han- dels- und Produktionsfirmen entwickelte. Die junge Frau kümmerte sich um alles Kaufmännische, bekam dabei viele einblicke in die Arbeit der Programmierer und verknüpfte diese mit betrieblichen Anforderungen. Dafür musste sie mitunter tief in Vertriebsstrukturen und Produktionsprozesse der Kunden einsteigen. Der erfolg lohnte den einsatz, sorgte aber auch für zuneh- mende reibereien mit dem späteren ex-mann, die sie schließlich dazu bewogen, sich eine eigene existenz aufzubauen. So kam sie ins Versicherungsgewerbe. eigentlich wollte Desbarats mehrfach- agentin oder maklerin werden, um das Beste für ihre Kunden rauszuholen. „Doch die realität sah anders aus“, be- richtet sie. mitte der 1990er-Jahre gab es noch fast 800 Versicherer. All deren Programme in der ihr eigenen Gründ- lichkeit durchzuackern, war nicht mög- lich. Und es sein zu lassen, entsprach nicht ihrer Vorstellung von transparenz und ehrlichkeit. Deshalb entschied sich Desbarats – dem tipp eines Bekannten folgend – für eine Gesellschaft. Die da- malige Colonia Versicherung (die 1997 von AXA übernommen wurde) bot ihr gute Startbedingungen. Ihr Bestandsvolumen hat Desbarats über die Jahre um den Faktor zehn gesteigert. Sie würde gerne weiter wachsen, doch dafür fehlen die passenden mitarbei- ter. Der Fachkräftemangel ist in der von Konsolidierun- gen geprägten Versicherungsbranche enorm. Deshalb kämpft Desbarats weiter als Kleinstunternehmerin, die fast alles selbst macht. „Ich bin macherin“, sagt sie. „Ich bin zuständig für Unternehmenskultur und -strategie, marketing, Vertrieb, Kundenberatung, Dienstleistung, expertise, Personal, Ausbildung, Organisation, Um- setzung von gesetzlichen Vorschriften, Finanzen- und Steuern. Zudem Krisenmanagerin, motivatorin – und Steuerzahlerin.“ kat Light &Sound trotzt der Pandemie Livestreams statt Präsenz SPAICHINGEN. thomas Heinemann und die fünf festen mitarbeiter seines Unternehmens Light &Sound haben wieder viel zu tun, in den monaten September und Oktober konnten sie die Kurzarbeit ganz ausset- zen. Der Umsatz jedoch liegt weit unter dem des Vor- jahres. mit 90 Prozent beziffert Firmengründer und -inhaber Heinemann die einbußen. Light &Sound ist ein eventdienstleister. Diese Branche ist in besonderem maße von der Coronapandemie betroffen (siehe auch WiS 9/20), wenngleich viele Unternehmen äußerst agil auf die neue Situation reagiert haben. Light &Sound beispielsweise hat ein Format für On- line- und Hybridveranstaltungen entwickelt, das dem Spaichinger Unternehmen sogar einige neue Kunden wie die mannheimer ABB AG beschert hat. Unter der marke „360 Grad raus“ bieten Heinemann und seine mitarbeiter Livestreamings beispielsweise für messen, Kongresse und Schulungen oder auch für Konzerte, Ausstellungen und Sportveranstaltungen an. Gesendet aus dem eigens aufgebauten Studio oder von anderen Orten. Diese Aufträge bringen zwar deutlich weniger ein als klassische Präsenzevents, aber sie sichern dem 2002 gegründeten Unternehmen gerade das Über- leben. Sein Vorteil: es sitzt in eigenen räumen. erst 2019 hat Light &Sound ein neues, 1.400 Quadratme- ter großes und 1,3 millionen euro teures Gebäude in Spaichingen bezogen. es braucht viel Platz für sein equipment, die Bühnen-, Licht- ton- und Videotechnik. Das Unternehmen steht normalerweise auf den drei Standbeinen events, messebau und Installationen. Die ersten beiden Geschäftsfelder hat die Pandemie weitestgehend zum erliegen gebracht. Dafür sorgte die Ausstattung beispielsweise von Klassenzimmern, Besprechungs- oder anderen räumen mit Beamern und Übertragungstechnik in der Zeit des Lockdowns für wichtige Aufträge. Wie es weitergeht? „Im moment ist alles unplanbar“, sagt thomas Heinemann. täg- lich gebe es neue Herausforderungen. er müsse noch schneller, noch flexibler reagieren und ist sich doch sicher: „Wir werden überleben.“ ine „Ich bin macherin“, sagt Doris Desbarats. Als Klein- unternehmerin ist sie für alles selbst zuständig, vom marketing bis zum Krisen- management.
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