Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

19 11 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten ANZEIGE Einzelhandel digitalisiert sich zunehmend Kleinbetriebe rücken in den Fokus der IHK-Arbeit D ie mittelständischen Händler intensivie- ren die Digitalisierung ihrer Unternehmen. Dieses Fazit zieht die IHK im Hinblick auf die deutschlandweite Studie „Einzelhandel 2020“ des Deutschen Industrie- und Handelskammerta- ges (DIHK) in Berlin und der Universität Regensburg. Zwei Entwicklungen sind wesentlich: Einerseits nutzen immer mehr stationäre Händler die Onlinekanäle für ihre Vertriebsarbeit. An- derseits scheuen sich gerade kleine Händler vor ihrem ersten Digitalisierungsschritt. „Digitaler und stationärer Verkauf müssen sich bei je- dem Händler ergänzen. Diese Hausaufgabe nimmt die Handelsbranche zunehmend wahr. Das ist eine gute Entwicklung, die aber noch nicht zufriedenstellen darf“, so Thomas Weisser, Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses und Inhaber des Triberger „Haus der 1000 Uhren“. Insgesamt koppeln 79 Prozent der befragten 1.400 Einzel- händler ihren stationären Verkauf mit einem eigenen Onlineshop oder einer digitalen Vertriebsmöglichkeit, wie beispielsweise globale Onlinemarktplätze (Amazon oder eBay). Im Schnitt machen Betriebe, die stationär und online unterwegs sind, 85 Prozent ihres Umsatzes im La- dengeschäft. 2025 sollen es nach wie vor 75 Prozent sein. Rein stationär sind aktuell 49 Prozent aller Einzel- händler unterwegs (Wert 2017: 54 Prozent), 14 Prozent nutzen lediglich die Onlinekanäle als Vertriebsweg. Auffällig ist, dass kleine Händler (unter 50 Beschäf- tigte) im Branchenvergleich auf digitale Anwendungen stärker verzichten. Dort, wo bei größeren (ab 500 Mit- arbeiter) oder mittleren Händlern (ab 50 Mitarbeiter) digitale Instrumente fester Bestandteil der täglichen Vertriebsarbeit oder Kundenkommunikation sind, hin- ken kleine Betriebe stärker hinterher. Eine konkrete Digitalisierungsstrategie liegt innerhalb aller Einzel- händler bei jedem zweiten Betrieb (48 Prozent) vor. Auch hier ist der Anteil bei kleinen Betrieben noch ausbaufähig (36 Prozent). Hauptgründe dafür sind der Zeitaufwand (54 Prozent) und die Höhe der Investiti- onskosten (39 Prozent). „Die Notwendigkeit für digitalisierte Prozesse muss jedem Händler spätestens mit der Pandemie klarge- worden sein. Wer weder Zeit noch Finanzmittel für die Entwicklung seines Geschäftsmodells einbringt, ist irgendwann nicht mehr handlungsfähig. Er erreicht seine Kunden nicht mehr, kann keine Akquise starten oder an Verbundaktionen teilnehmen“, sagt Thomas Weisser. Eine verlässliche und proaktive E-Mail-Kommunikation sei heute ebenso Muss-Leistung wie Aktivitäten in sozialen Medien oder ein festgelegtes Investitions- budget. Deshalb sei es ein positives Zeichen, dass 69 Prozent aller Betriebe verstärkt Investitionsabsichten für Digitalisierungsvorhaben formulieren. Hi Philipp Hilsenbek, Fachbereich Standortpolitik, 07721 922126 hilsenbek@vs.ihk.de »Digitaler und stationärer Verkauf müssen sich bei jedem Händler ergänzen« Veranstaltungsserie „Let’s get digital“ Im Schulterschluss mit den regionalen Gewerbever- einen veranstaltet die IHK seit Anfang September die Veranstaltungsserie „Let‘s get digital“. Sie richtet sich an kleine und mittlere Betriebe und umfasst Beispie- le aus der Praxis sowie konkrete Finanzierungsansätze über Fördermittel von Bund und Land. Die Veranstal- tungen sind abrufbar auf der Homepage der IHK unter www.ihk-sbh.de/veranstaltungen. „Die Notwendigkeit für digitalisierte Prozesse muss jedem Händler spätestens mit der Pandemie klarge- worden sein“, sagt Thomas Weisser.

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