Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'20 - Hochrhein-Bodensee

10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2020 titel ganze Veranstaltungsbranche und die Diskotheken“, sagt Wäschle. Auch für Cateringunternehmen, die bei- spielsweise auf Hochzeiten spezialisiert seien, sei es „extrem schwierig“. Die Lage am Hochrhein: Bei Touristen beliebte und gut erreichbare Orte wie Rheinfelden und Waldshut- Tiengen liefen für Gastronomie und Hotellerie im Sommer gut. Im Landkreis Lörrach, wo viele Hoteliers auf Messebesucher und andere Geschäftsreisende spezialisiert sind, haben Unternehmen der Branche laut IHK-Experte Vatovac seit Mitte März „eine sehr schwierige Zeit“. Nach wie vor würden Geschäftsreisen wenn möglich vermieden. Aufgehobenes Beherbergungsverbot Ein wesentlicher Grund für die Verunsicherung der Gäste der Hotellerie war das für Baden-Württem- berg ausgesprochene Beherbergungsverbot. Dieses wurde Mitte Oktober vom Verwaltungsgerichtshof des Landes aufgehoben. Darüber zeigte sich, stell- vertretend für viele ihrer Kollegen, Kirsten Moser, Vizepräsidentin der IHK Südlicher Oberrhein und Geschäftsführerin des Hotels Stadt Freiburg, er- leichtert. Die Entscheidung sorge endlich für Klar- heit und Sicherheit. Die Hoteliers und Gastronomen würden in ihren Betrieben streng an ihrem Hygiene- konzept festhalten, um eine weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, so Moser. Sie hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Hotellerie gut gegen Covid-19 gerüstet sei. Man habe Hygienestandards ausgearbeitet, Schutzkonzepte entwickelt und halte sich an die Bestimmungen und Verordnungen. Dar- über hinaus sei die Beherbergung bislang nicht als Gefahrenquelle für die Übertragung von Infektionen in Erscheinung getreten. upl/mae Ansprechpartner: IHK Hochrhein-Bodensee: Alexander Vatovac 07531 2860-135 alexander.vatovac@ konstanz.ihk.de IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg: Daniela Hermann 07721 922-136 hermann@vs.ihk.de IHK Südlicher Oberrhein: Christina Gehri 0761 3858 142 christina.gehri@ freiburg.ihk.de Bild: FWTM/Claudius Korzen SCHLECHTE ZEITEN AUCH FÜR SCHAUSTELLER Es hatte so vielversprechend ausgesehen: Am 16. Oktober war das „Freiburger Herbst- vergnügen“ als coronakonforme Variante der Herbstmesse gestartet. Zwar auf klei- nerem Gelände und mit deutlich weniger Schaustellern (37 statt 116 wie 2019), da- für aber mit großem Optimismus. „Es muss weitergehen“, sagte Benjamin Buhmann bei der Pressekonferenz vorab. Er führt ei- nen Freiburger Schaustellerbetrieb, zu dem ein Ausschank, ein Imbiss und ein Kinder- märchenkarussel gehören, zusammen mit seinem Bruder in fünfter Generation. Au- ßerdem engagiert er sich als zweiter Vor- sitzender im Schaustellerverband Freiburg. Der hat zusammen mit der Freiburger Mes- segesellschaft FWTM das Herbstvergnügen auf die Beine gestellt, das an seinem ers- ten Wochenende ganz nach Plan lief und fast 10.000 Besucher anlockte – trotz der Zugangsbeschränkung von 500 Personen gleichzeitig, die für Wartezeiten vor dem Einlass sorgte. So wäre die Rechnung auf- gegangen. Doch dann setzte die Landesre- gierung angesichts der gestiegenen Infek- tionszahlen die Pandemiestufe hoch und verringerte damit die zeitgleich zugelassene Besucherzahl auf 100. „Wenn wir das vorher gewusst hätten, hät- ten wir es nicht gemacht“, sagte Benjamin Buhmann am Montag nach der Entschei- dung. „Das lohnt sich nicht mehr, die Kosten sind zu hoch.“ Da aber nun mal alle schon da waren, ihre Fahrgeschäfte und Stände längst aufgebaut hatten, wollten sie auch bleiben. Schließlich war es für viele Schau- steller die erste Gelegenheit in diesem Jahr, Geld zu verdienen. Buhmanns Familienbe- trieb, in dem drei Generationen, ein fester Angesteller und einige Aushilfen arbeiten, konnte lediglich Anfang März auf dem Fri- dolinsfest in Bad Säckingen seine Geschäfte aufbauen. Die sieben folgenden Monate lief gar nichts mehr. Benjamin Buhmann arbeite- te für einen Gebäudereiniger, und die Familie deckte mit den 9.000 Euro Corona-Sofort- hife, vor allem aber mit Erspartem die lau- fenden Kosten. So erging es fast allen 4.500 Schaustellern und Marktkaufleuten im Land. Dennoch weiß Buhmann von keinem einzi- gen Betrieb, der bisher das Handtuch ge- worfen hätte. „Aufgeben ist keine Option“, sagt er. Schausteller sind traditionbewusst und zäh – die gehen nicht einfach pleite. Das könnte sich allerdings ändern, da bereits Weihnachtsmärkte abgesagt wurden. Für das Herbstvergnügen erließ die FWTM den Beschickern das Platzentgelt, weil das gute erste Wochende die eigenen Kosten mit den 2 Euro Eintritt pro Besucher weitest- gehend gedeckt hatte. Zahlen mussten die Schausteller nun nur noch die Nebenkosten. Ob das am Ende reichte, ummit nur 100 Be- suchern gleichzeitig etwas zu verdienen, ließ sich bei Redaktionsschluss nicht sagen. In früheren Jahren kamen an schönen Herbst- tagen bis zu 17.000 Menschen gleichzeitig aufs Freiburger Messegelände. kat Mehr als sieben Monate ohne Messe: 2020 ist ein hartes Jahr für die 4.500 Schausteller und Marktkaufleute im Land.

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