Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'20 - Hochrhein-Bodensee

8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2020 tItel INSEL MAINAU Ein kleiner Weihnachtsmarkt, Eisstockschießen, ein Glühweinausschank und Weihnachtsmenüs statt wie sonst -buffets – Angebote wie diese bietet die Insel Mainau in der kalten Jahreszeit. „Wir sind sehr dankbar, dass wir draußen viel Platz haben“, sagte Geschäftsführerin Bettina Gräfin Bernadotte Mitte Oktober. „Wir hoffen, dass wir einen schönen Herbst bekommen und auch im Winter viele Gäste auf der Insel haben werden.“ Die siebenwöchige Zwangspau- se im Frühjahr hat das Tourismusunter- nehmen mit seinen 180 ganzjährigen Mitarbeitern (darunter 30 Azubis) hart getroffen: Zum einen emotio- nal, weil die Blumen blühten und die Gäste fehlten, um dies zu ge- nießen – „Wir haben viele Bilder auf den sozialen Medien gepostet“, sagt die Gräfin –, zum anderen wirt- schaftlich: „Aus heutiger Sicht gibt es einen Umsatzrückgang in 2020 von nahezu 40 Prozent.“ Sie rechnet mit einem EBITDA von etwa minus zwei Millionen Euro und möglicherweise nur 700.000 statt wie sonst rund 1,2 Millionen Besuchern. Von Juli bis Ende September war die Blumen- insel, so wie der gesamte Bodenseeraum, zwar sehr gut besucht. Allerdings war und ist in den neun gastronomischen Einrichtungen wegen der Abstandsregeln nur halb so viel Platz wie sonst. Zudem fielen dieses Jahr Veranstaltungen wie In- selfest, Hochzeiten oder Firmenjubiläum aus oder fanden nur in kleinem Rahmen statt. Die Mainau GmbH beantragte Kurzarbeit, nahm Förderungen in Anspruch und schob Investitionen auf. Sie sei dankbar, dass es möglich war, bereits vergebene Aufträge aufzusplitten und zu strecken. Die lang- jährigen Geschäftspartnerschaften, auf die man setze, hätten sich ausgezahlt. mae Bettina Gräfin Bernadotte Geschäftsführerin Mainau GmbH um ihren Betrieb halten zu können. Noch gebe es kaum Insolvenzen, dafür aber vermehrt Bemühungen um Stundungen von Steuern sowie Kreditraten bei den Banken. Die Soforthilfeaktion sei gut gewesen, ebenso die Umsatzsteuerreduktion. ein Blick in die einzelnen Regionen des Regierungsbezirks zeigt, dass sich die lage der Betriebe je nach ihrem Standort, ihrer Kundschaft und ihrem Geschäftszweck deutlich unterscheidet. Hochschwarzwald Die Hochschwarzwaldtourismus GmbH, in der 17 (demnächst 21) Gemeinden zusammengeschlossen sind, hatte Mitte September über den Sommer berichtet. Die rund 2.000 Betriebe in den Hoch- schwarzwaldgemeinden haben während der ersten beiden Monate des Jahres knapp 620.000 Übernachtungen registriert, das war ein Rekord und entsprach einer Steigerung von über vier Prozent im Ver- gleich zu 2019. Nach dem lockdown setzten die Buchungen ab Mitte Mai dann bei den Hotels wieder verhalten ein. Im ersten Halbjahr 2020 lagen die Übernachtungen im Hochschwarzwald insgesamt bei 1,04 Millionen, das waren 42 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019 - damals zählte man 1,8 Millionen. Im Juli und August zog dann das Geschäft der 500 Betriebe, die mit der Schwarzwald-Card ar- beiten und deren Buchungen deshalb in echtzeit registrierbar sind, deutlich an – vor allem aufgrund einer verstärkten Nachfrage von Urlaubern aus Deutschland. Sie zählten 211.500 Übernachtungen und übertrafen damit das Vorjahresergebnis sogar um zwei Prozent, sodass ende August bei ihnen das Minus gegenüber 2019 nur noch bei knapp 25 Prozent lag und zum Jahresende vermutlich unter ein Minus von 20 Prozent sinken wird. Dies war zumindest die Prognose des Hochschwarzwaldtourismus-Geschäftsführers thorsten Rudolph vor dem Wiederanstieg der Coronazahlen im Oktober. Freiburg und Umgebung Diese Unsicherheit über die weitere entwicklung sieht Dietmar Bro- scheit, Mitinhaber der Freiburger Bellini-Gruppe (siehe Kasten Seite 7), als negativsten Faktor der derzeitigen lage. Als großes Positivum hebt er die Kurzarbeiterregelung hervor. Broscheit wörtlich: „Ohne Kurzarbeit gäbe es uns nicht mehr.“ er führte aus, dass jeder Betrieb der Branche wieder anders sei als der nächste und sie deshalb bei der Betrachtung der Auswirkungen des Coronageschehens und der staatlichen Gegenmaßnahmen „nicht über einen Kamm zu scheren sind“. Bars und Discotheken litten extrem, ebenso die gastrono- mischen Betriebe in Stadien oder touristischen Großdestinationen wie dem Badeparadies in titisee-Neustadt. Besser laufe es bei den Hotels, ausgenommen die Stadthotels, die stark von Kongressen, Messen und anderen Großveranstaltungen, die derzeit nicht oder kaum stattfinden, abhängig sind. Donaubergland Die Donaubergland Marketing und tourismus GmbH ist die tourismus- organisation des landkreises tuttlingen, der darüber hinaus 41 Städte und Gemeinden, auch im landkreis Sigmaringen, angehören. Koope- rationen gibt es mit rund 50 privaten Partnern, die über rund 2.000 Betten verfügen. Geschäftsführer Walter Knittel berichtet von einem sehr guten Sommer vor allem für die Gastronomen. Während der vergangenen Jahre sind viele Betriebe und Unterkünfte gut ausgebaut worden, und das schöne Wetter hat vor allem einheimische, die ihre Ferien statt im Ausland zu Hause verbrachten, angeregt, Ausflüge zu HILFSPROGRAMME Wir geben einen Überblick über alle Hilfsprogramme für Unternehmen aus dem Südwesten von Bund und Land unter www.wirtschaft-im-suedwesten.de , Rubrik News Bild: Insel Mainau/Oliver Hanser

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