Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
9 10 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten die Kosten reduziert. Das ist Teil seiner auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Geschäfts- strategie. „Wir bauen auf verantwortliches und unternehmerisches Handeln“, betont Bor- chers, der neben Forst- auch Volkswirtschaft studiert sowie promoviert hat und parallel eine Unternehmensberatung betreibt. „Unser Fo- kus ist ganz klar der Vermögenserhalt.“ Die rund 18.000 Hektar fürstlicher Wald erstrecken sich auf zehn Landkreise, vier Regionen und zwei Regierungsbezirke zwi- schen Schwarzwald und Bodensee. Die Forstbetriebe nutzen ihre Eigenständigkeit als Freiheit, einen eigenen Weg in der Wald- bewirtschaftung zu gehen. Das freie Wald- betretungsrecht garantiert der Bevölkerung den Zugang. Der Laie erkennt wohl kaum, dass er sich auf fürstlichem Terrain befin- det. Forstexperte Borchers indes sieht deut- liche Unterschiede: „Unser Wald ist lichter“, sagt er. „Wir durchforsten intensiver als die Kollegen, weil ein klimastabiler Wald immer wachsen können muss.“ Wo mehr Licht durch die Baumkronen dringt, wachsen mehr jun- ge Bäume – vorausgesetzt, das Wild frisst die frischen Triebe nicht gleich wieder. Das verhindert die Fürstenbergsche Jagdstrate- gie: „Wir jagen offensiv und haben dadurch mehr klimastabile Verjüngung am Boden.“ Der Ortstermin im Wald beweist: Überall sprießen junge Tannen und Fichten ganz von allein. So spart Borchers Zeit und Geld für die Aufforstung und verdient zudem noch mit der Vergabe von Jagderlaubnissen sowie dem Verkauf von Wildbret. Die fürstlichen Forstbetriebe verdienen nicht mehr nur mit Holz ihr Geld, sondern mit diver- sen anderen Arten der Waldnutzung. Sie bie- ten Bestattungen in mittlerweile sieben Fried- wäldern an und haben auch einen Tierfriedhof eingerichtet. Sie betreiben sechs Windräder (viele weitere befinden sich in der Planung), kooperieren mit zwei Bogenparcours-Betrei- bern und planen einen Wohnmobilpark. Mit der gleichen Strategie managen die Donau- eschinger weitere 7.000 Hektar Privatwald für einen Mandanten. „Wenn wir Wald zur Verfügung stellen, damit jemand Geld ver- dient, wollen wir daran beteiligt sein“, erklärt Borchers die Zielsetzung dieser Aktivitäten. Deren Anteil am Umsatz steigt stetig und liegt mittlerweile bei mehr als einem Viertel. Als Borchers die Forstbetriebe Anfang 2000 über- nommen hat, erzielten sie noch 95 Prozent ihres Umsatzes mit dem Holzverkauf. In den 20 Jahren unter seiner Leitung hat das fürstliche Unternehmen noch nie rote Zahlen geschrieben. Ob das dieses Jahr so bleibt, wagt er angesichts der Lage auf dem Holzmarkt und der Situation im Wald nicht zu prognostizieren. Vor Kurzem ist Borchers mit dem Flugzeug über eigene und andere Wälder geflogen, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Was ich da gesehen habe, ist dramatisch“, berichtet er. Viele vor allem kleinere Besitzer hätten den Kampf gegen den Käfer aufgegeben. Den hat man in den fürst- lichen Wäldern zwar im Griff, kann gegen die Trockenheit aber auch nichts ausrichten. Jetzt räche sich die frühere Art der Waldwirtschaft, als weniger durchforstet wurde und viele Bäu- me zu eng, mit zu kleiner Wurzel und zu wenig grüner Krone hochwuchsen. Sie sterben als erstes. Die stärkere Ausdünnung dagegen lässt Bäume stabiler und widerstandsfähiger wachsen. Positiver Nebeneffekt: Sie erreichen die fürs Sägewerk nötige Stärke in 40 bis 50 Jahren, etwa die Hälfte der bislang üblichen Zeit. Klimastabilität und Wirtschaftlichkeit ge- hen beim „Fürstenberger Nadelholzmodell“ also miteinander einher. Die aktuelle Krise trifft den Betrieb zwar hart, aber nicht exis- »Wir jagen offensiv und haben dadurch mehr klimastabile Verjüngung am Boden« Jens Borchers , Leiter der Forstbetriebe Fürst zu Fürstenberg, Donaueschingen Jens Borchers, Leiter der Fürstenbergschen Forstbetriebe, im fürstli- chen Wald. BÄUME & KÄFER In Baden-Württemberg, vor allem im Schwarzwald, gibt es mehr Nadel- als Laubbäume. Die häufigste Baumart im Land ist die Fichte, gefolgt von Buche, Tanne und Eiche. Die Anteile fallen regional sehr unterschiedlich aus, und die Baumarten reagieren unterschiedlich auf Hitze und Trocken- heit. Doch allgemein gilt: Heimische Bäume mögen gemäßigtes Klima und ausreichende Feuchtigkeit. Dann sind sie kräftig, vital und widerstandsfä- hig gegen Schädlinge. Der Borkenkä- fer brütet, wie der Name schon sagt, unter der Rinde. Er mag Wärme und Trockenheit, dann produziert er bis zu vier Generationen in einem Jahr. Der Baumwehrt sich mit Harz. Je weniger Wasser er bekommt, desto weniger Harz kann er produzieren. Befallene Bäume sollten möglichst schnell aus dem Wald. Das Holz kann allerdings problemlos verwendet werden. kat Bild: Kathrin Ermert
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