Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'20 - Hochrhein-Bodensee

22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 10 | 2020 D ie Coronpandemie trifft auch zahlreiche Ausbil- dungsanwärter im Kammerbezirk Hochrhein- Bodensee. Durch die wirtschaftlichen Probleme und Unsicherheiten hat die Zahl der Ausbildungsplätze ab- genommen – gerade in der Industrie und im Handel. Während zum offiziellen Ausbildungsstart im Septem- ber 2019 2.470 neu eingetragene Ausbildungsverträge vorlagen, sind es in diesem Jahr 2.077, also knapp 16 Prozent weniger. Dieser negative Trend zeigt sich in ganz Baden-Württemberg, wo insgesamt 15,5 Prozent weniger Ausbildungsverträge eingetragen wurden als 2019 (siehe Seite 57). Positiv vermerkt werden kann, dass sich die Ausbil- dungssituation in den vergangenen Monaten langsam verbessert hat und es deshalb Hoffnung für die nächs- ten Monate gibt. Im Mai erreichte der Stand der Neu- eintragungen einen negativen Rekord mit 27,6 Prozent weniger Eintragungen im Vergleich zum Stichtag 2019. Danach stieg die Zahl der Eintragungen langsam an. Im Juni lag der Unterschied zum Vorjahr bei einem Minus von 23,5 Prozent, im Juli dann bei minus 19,4 Prozent, bis er im September bis zumindest minus 16 Prozent stieg. Außerdem ist die Situation besser als sie noch vor drei Monaten eingeschätzt wurde. Bei einer Um- frage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags sah sich noch ein Drittel der Aus- bildungsbetriebe gezwungen, die Ausbildung ganz oder teilweise auszusetzen. Die Entwicklung stimmt Alexandra Thoß, Leiterin des Ge- schäftsfeldes Ausbildung, positiv. „Ich schätze, dass wir in diesem Jahr im Vergleich zu anderen Jahren sehr spät noch einen größeren Schwung an Ausbildungsverträgen bekommen. Vielleicht auch noch welche, die innerhalb der ersten zwei Monate nach dem offiziellen Ausbil- dungsstart anfangen, das ist ja auch noch möglich“, sagt sie. Eine Ausbildung sei nicht nur für junge Leute wichtig als Sprungbrett für die berufliche Zukunft, sondern auch für die Betriebe selbst. Denn all diejenigen, die heute nicht ausgebildet würden, fehlten in den Betrieben als qualifizierte Fachkräfte, wenn sich die Wirtschaft wie- der erholt. Alexandra Thoß appelliert deshalb an die Betriebe, jetzt erst recht auszubilden. „Die Wirtschaft wird sich wieder erholen und Fachkräfte werden gesucht sein. Dann sind diejenigen im Vorteil, die sich jetzt für Ausbildung entschieden haben“, sagt sie. Ein Trend, der sich auch 2020 fortgesetzt hat, ist die Zahl der Auszubildenden mit Hochschulreife. 582 junge Menschen mit Hochschulreife haben dieses Jahr eine Ausbildung begonnen, das sind 28 Prozent der neu eingetragenen Ausbildungsverträge. Die berufliche Bil- dung wird für Hochschulzugangsberechtigte also immer attraktiver. „Während die absoluten Zahlen der neuen Ausbildungsverträge von Jahr zu Jahr etwas schwan- ken, haben wir bei der Qualität des Schulabschlusses eine eindeutig positive Tendenz“, sagt IHK-Hauptge- schäftsführer Claudius Marx. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass die berufliche Bildung ent- gegen aller Klischees für Hochschulzugangsberechtigte attraktiv ist und für Studienabbrecher eine sinnvolle Alternative bietet.“ doe Bild: stock.adobe Weiter Trend zu Ausbildung mit Hochschulreife Zahlen zum Ausbildungsstart Knapp 16 Prozent weniger Lehrlinge

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