Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'20 -Südlicher Oberrhein
31 9 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Erfahrungsbericht einer Freiburger Auszubildenen von ihrem Englandaufenthalt Letztes Praktikum vor dem Brexit S onntag 21. September 2019, die Situation zum Brexit spitzt sich immer weiter zu. Wir, fünf Schüler der Max-Weber-Schule Freiburg, ma- chen uns auf den Weg nach Guildford um dort ein dreiwöchiges Praktikum im Rahmen unserer Ausbildung zu machen. Viele Gedanken schwirren in unseren Köpfen. Wie stehen unsere Gastfamilien zum Brexit? Sind Sie gegen den Brexit oder dafür? Wie werden sie mit uns um- gehen? Wie wird die Stimmung allgemein in England sein? Wir haben ein mulmiges Gefühl. Im Flieger nach London herrscht eine etwas gedrückte Stim- mung. Alle machen sich Gedanken, wie es sein wird. Nach zwei Stunden waren wir in unseren Gastfami- lien untergebracht und konnten uns ihnen endlich persönlich vorstellen. Wir wurden herzlich begrüßt, und die ganzen Sorgen waren sofort verschwunden. Nach einem ausgiebigen Abendessen war der Tag auch schon zu Ende. In England haben wir jeden Montag das College be- sucht und dort einiges über Land und Leute sowie englische Grammatik und Vokabeln gelernt. Den Rest der Woche haben wir acht Stunden pro Tag in unterschiedlichen Betrieben gearbeitet. Je nach Ausbildung hatten wir einen möglichst passenden Praktikumsplatz bekommen. Für Medienkaufleute war das der Bookshop der Universität. Dort sollten wir Kunden betreuen, Bestellungen aufgeben und anneh- men, Bücher sortieren und verkaufen, administrative Aufgaben im Büro erledigen und vieles mehr. Es war superspannend und eine tolle Herausforderung. Das Team vom Bookshop war sehr offen und herzlich. Al- les ging sehr unaufgeregt seinen Gang. Das kam uns oft entspannter vor als in Deutschland. Die Engländer legen viel Wert auf ein nettes Miteinander und das ein oder andere Pläuschchen bei einer Tasse Tee, und trotzdem wird die Arbeit effektiv erledigt. Ein festes Rahmenprogramm gab es außer am ersten Sonntag nicht, jeder konnte tun, was er oder sie mochte. Guildford ist ein pittoreskes, historisches Städtchen, in dem sich viel unternehmen lässt: Sightseeing, shoppen oder bowlen. Außerdem waren wir an den Wochenenden nach London und Ports- mouth unterwegs. Abends trafen wir uns oft in der großen Gruppe im Pub und haben uns dort über unsere neuen Erlebnisse ausgetauscht. Am ersten Sonntag fuhren wir alle zusammen nach London. Dort starteten wir unseren Ausflug mit einer Stadtrundfahrt in einem der berühmten „Hop-on Hop-off“-Busse quer durch die Innen- stadt. Eine Bootsfahrt auf der Themse war auch dabei. Um einen schönen Überblick zu bekommen, besuchten wir die Aussichtsplattform der Galerie „Tate-Modern“ und erkundeten London – trotz des Regens – noch zu Fuß. Die Tower Bridge war ein besonderes Highlight. Wir hatten eine richtig gute Zeit und sind sehr froh, diese Chance gehabt zu haben. Die Engländer, de- nen wir begegneten, waren alle wahnsinnig herzlich und liebenswert und fanden es super, dass wir da waren, um Land und Leute kennenzulernen. Durch die vielen verschiedenen Herausforderungen - die Sprache oder neue Leute und Aufgaben - haben wir einiges mitgenommen. Aufgrund des Brexits kann leider kein Praktikum mehr in Guildford stattfinden, jedoch bietet unsere Schule ab nächstem Jahr ein Praktikum in Dublin an. Das wird sicherlich genauso schön wie diejenigen in den vergangenen Jahren in Guildford. Nina Brutsche Blick auf London: Nina Brutsche (ganz rechts) zusammen mit anderen Auszubildenen auf der Aus- sichtsplattform der Galerie „Tate Modern“. Nina Brutsche (19) macht eine Ausbildung zur Medienkauf- frau beim Badischen Verlag in Freiburg. Im vergangenen Sep- tember absolvierte sie über das Programm Erasmus Plus ein dreiwöchiges Praktikum in England und berichtet hier über ihre Erfahrungen. »Die Engländer legen viel Wert auf ein nettes Miteinander«
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