Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'20 -Südlicher Oberrhein
20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2020 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein IHK-Konjunkturumfrage: Regionale Wirtschaft verzeichnet aufgrund der Coronakrise massiven Absturz Größter Einbruch seit der Finanzkrise N ie zuvor hat eine Krise die Ge- schäftslage der Unternehmen so abrupt in den Keller gerissen, wie es ab März dieses Jahres der Fall war. Von 33 Punkten stürzt der Index der Geschäftslage auf -17 Punkte ab. Einen ähnlich tiefen Stand hat der Index bis- her nur auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise 2009 und während der Rezession der Jahre 2002/2003 verzeichnet. Einen Sturz um 50 Punkte im Vergleich zur vorausgegangenen Befragung hat es bei der Geschäftslage je- doch bisher noch nie gegeben. Nur noch 22 Prozent der Unternehmen bezeichnen die eigene Geschäfts- lage als gut, für 39 Prozent ist sie hingegen schlecht. „Der Abstieg erfolgte mit der Covid-19-Pan- demie viel stärker und schneller als während der Finanzkrise. Und während 2009 vor allem die Finan- zen und Industrie betroffen waren, schlägt die Krise nun quasi über alle Bran- chen hinweg ein. Daher führt an einer tie- fen Rezession kein Weg vorbei“, sagte IHK- Präsident Steffen Auer bei der Präsentation der Ergebnisse Ende Juli. Während die plötzlichen Verwerfungen die Wirtschaft hart getroffen haben, stellt sich vor allem die Frage nach der konjunkturellen Erholung. Hier schrauben die Unternehmen ihre Erwartungen zurück: Der Index der Ge- schäftserwartungen verliert 32 Punkte und landet nun bei -20 Punkten. Infolge der schlechten Geschäftslage und der von Pes- simismus geprägten Geschäftserwartungen fällt der IHK-Konjunkturklima- index auf 82 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit elf Jahren. Auch der Arbeitsmarkt ist von dem Einbruch betroffen. Unternehmen legen ihre Plä- ne zur Personalanwerbung zunächst auf Eis. So fällt der Index der erwarteten Beschäf- tigung mit -28 Punkten weit in den negativen Bereich. Gerade einmal acht Prozent der Unter- nehmen wollen in der Krise ih- ren Personalstamm erweitern. Demgegenüber stehen 36 Pro- zent, die einen Stellenabbau planen. Die Arbeitslosenquote im Kammerbezirk hat sich in- folge der Krise ebenfalls erhöht: Lag sie zu Jahresbeginn noch bei 3,5 Prozent, waren im Juni schon 4,1 Prozent arbeitslos gemel- det. „Die Anmeldung von Kurzarbeit, einfa- chere Kreditvergaben und Zuschüsse wie die Soforthilfe haben noch geholfen, diese Zahl abzupuffern“, ergänzt IHK-Hauptge- schäftsführer Dieter Salomon. Deutliche Zurückhaltung ist zudem bei Investitionen zu spüren. Nur noch 14 Prozent der Betrie- be planen, ihre Investitionen auszuweiten. Demgegenüber stehen 40 Prozent, die diese verringern werden. Bei der Frage nach wirtschaftlichen Risiken dominiert nicht wie in den vergangenen Jah- ren der Fachkräftemangel. Stattdessen be- reiten nun vor allem die Nachfrageausfälle den Unternehmen Sorgen. So schnellt die Sorge um die Inlandsnachfrage von 44 Pro- zent zu Jahresbeginn auf 63 Prozent hoch, jene um die Auslandsnachfrage von 26 Pro- zent auf 39 Prozent. Beim Blick in die Branchen zeigen sich kla- re Unterschiede: Die Lage bei den Dienst- leistern scheint etwas weniger dramatisch. „Hierbei muss berücksichtigt werden, dass zu den Dienstleistern auch die Bauwirtschaft zählt, die weniger betroffen scheint“, erläu- tert Auer. Für große Teile der Händler hatte die Covid-19-Pandemie indes schwere Aus- wirkungen. Teilt man die Branche allerdings in Groß- und Einzelhandel auf, zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der La- gebewertung. Während im Großhandel nur 21 Prozent der Betriebe eine schlechte Ge- schäftslage angeben, ist es im Einzelhandel jedes zweite Unternehmen. Schwere Einbußen verzeichnet auch die In- dustrie. Der weltweite Einbruch der Nach- frage führt zu einem Absturz des Index der Geschäftslage von 22 auf -38 Punkte – der tiefste Wert seit der globalen Finanzkrise Die vielen Jahre des wirt- schaftlichen Aufschwungs am Oberrhein haben mit der Covid-19-Pandemie sowie den getroffenen Maßnahmen zu ihrer Eindämmung ein jähes Ende gefunden. Zwar ist die Region insgesamt weniger stark betrof- fen, dennoch verzeichnen 37 Prozent der von der IHK befrag- ten Unternehmen eine schlechte Geschäftslage. Einen derartigen Sturz hat es bei der Geschäftsla- ge bisher noch nie gegeben. -70 -50 -30 -10 10 30 50 70 2008 2010 2012 2014 2016 2018 Geschäftslage Geschäftserwartung Erwartete Beschäftigung »Die Krise schlägt quer über alle Bran- chen hinweg ein. Daher führt an einer tiefen Rezes- sion kein Weg vorbei« Steffen Auer IHK-Präsident
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5