Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
28 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 7+8 | 2020 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Kleine und mittelständische Betriebe haben meist einen anderen Informationsbedarf als große Unterneh- men. Kleine Tipps können deshalb schon einen großen Nutzen bringen. Auf dieser Doppelseite möchten wir Ihnen wertvolle Hinweise geben – und sind Ihnen dankbar für Ihre Fragen, die wir Ihnen gerne beant- worten (ratgeber@vs.ihk.de) . Kleine Tipps – große Wirkung Azubis im Verbund: Ausbildung teilen – gemeinsam Fachkräftenachwuchs sichern V iele kleine und mittlere Betriebe wollen ausbilden, können aber aufgrund ihrer Spezialisierung nicht alle vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermitteln. Hier hilft die vom Land Baden-Würt- temberg geförderte Verbundausbildung (siehe auch Seite 54/55). Die Kooperation im Verbundmodell unterstützt Unternehmen und Betriebe, in der Ausbildung aktiv zu werden. Dadurch entstehen zu- sätzliche Ausbildungsplätze, und nicht selten gelingt es, die Ausbil- dungsqualität zu steigern. Kleine und mittlere Unternehmen sichern so den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs. Die Firma J.G. Weisser Söhne GmbH & Co. KG in St. Georgen ist ein solches Verbundunternehmen, das über das eigene Ausbildungsen- gagement hinaus andere Betriebe bei der beruflichen Ausbildung unterstützt. Kevin ist im ersten Ausbildungsjahr und Verbundazubi der Lauble & Fichter GmbH in St. Georgen, eines Spezialisten für NC-Bear- beitungen und Laserbeschriftung. „Mein Va- ter kennt das Unternehmen aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit und hat mich im ersten Schritt sozusagen vermittelt“, sagt er. Bei einem zweiwöchigen Schulpraktikum hat er Lauble & Fichter näher kennenlernen können. Das Unternehmen hat ihm daraufhin eine Aus- bildung zum Industriemechaniker angeboten. „Bereits zum Ende des Praktikums wurde si- gnalisiert, dass Interesse daran besteht, mich als Azubi zu gewinnen. Dies sei jedoch nur möglich, wenn der Ver- bundpartner meine Grundausbildung übernehmen kann. Und so bin ich zu J.G. Weisser Söhne gekommen.“ Die Vorteile liegen für Kevin auf der Hand: „Es ist schon toll, wie intensiv wir in der Ausbildungs- werkstatt betreut werden. Ich bin auch nicht der einzige Azubi und werde nicht nur in der Fertigung eingesetzt, sondern lerne auch die anderen Bereiche kennen. Auch das Betriebsklima ist sehr angenehm.“ Marcel ist bereits im zweiten Ausbildungsjahr. Er ist Verbundazubi der Schunk Electronic Solutions GmbH, ebenfalls in St. Georgen. Das Unternehmen ist ein Spezialist für Greifsysteme und Spann- technik. Der Betrieb hat nicht die Kapazität, die Ausbildung in Eigenregie durchzuführen. So fehlt ein hauptberuflicher Ausbilder, aber auch eine entsprechende Ausbildungswerkstatt mit Maschi- nen oder Labortischen. Schunk Electronic Solutions ist deshalb froh um die Verbundausbildung, denn „sie ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung, und so können die Grundlagen für Metall und Elektrik vermittelt werden“. „Bei einem Berufswe- getag an der Robert-Gerwig-Schule habe ich das Unternehmen kennengelernt“, sagt Marcel. „Ich habe dann dort mehrere Feri- enjobs in der Fertigung absolviert. Danach wurde mir ein Ausbildungsplatz zum Zer- spanungsmechaniker angeboten.“ Für ihn der richtige Schritt: „Wir haben ein richtig gutes Betriebsklima und einen starken Zu- sammenhalt zwischen den Mitarbeitern“, sagt der Auszubildende. Was er an der Verbundausbildung bei J.G. Weisser Söh- ne schätzt, ist, dass „dort mehrere Azubis beisammen sind und man kann sich bei höheren Lehrjahren Rat einholen kann“. Landesförderung der Verbundausbildung Was wird gefördert: Betriebe, die nicht in der Lage sind, das gesamte Spektrum der in den Ausbildungsverordnungen vorgeschriebenen fachpraktischen Ausbildungsinhalte abzudecken, können sich mit anderen Betrie- ben zu einem Verbund zusammenschließen. Gefördert werden die Zusatzkosten der Ausbildung in einem anderen Betrieb. Die Dauer der Ausbildung in diesem Betrieb muss mindestens 20 Wochen betragen. Kurzarbeitende Betriebe erhalten eine Förderung bereits ab einem Zeitraum für die Verbundausbildung von vier Wochen. Wer wird gefördert: Gefördert werden die Stammbetriebe eines Verbundes. Wie wird gefördert: Zuschuss in Höhe von einmalig 2.000 Euro pro Ausbildungsplatz („Prämie“) beziehungsweise 1.000 Euro für Verbundausbildung, wenn der Partnerbetrieb eine Bildungseinrichtung ist und die Dauer der Ausbildung im Partnerbetrieb mindestens 20 Wochen beträgt. Es gibt einen Zuschuss in Höhe von einmalig 1.000 Euro pro Aus- bildungsplatz („Prämie“) bei Kurzarbeit im Stammbetrieb, wenn die Dauer der Ausbildung im Partnerbetrieb und der Kurzarbeit mindestens vier Wochen beträgt. Der Antrag muss spätestens vor Beginn der Ausbildung im durchführenden Betrieb gestellt werden. Weitere Informationen www.wm.baden-wuerttemberg.de Kevin Marcel
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