Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai/Juni'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
ANZEIGEN- HOTLINE 072 21 / 21 19- 12 ANZEIGE NACHGEFRAGT bei Marlene Hauser, IHK-Projektleiterin im Bereich Unternehmensförderung Frau Hauser, für viele Unternehmen ist die sogenannte Soforthilfe Corona, die aktuell von der L-Bank ausgezahlt wird, lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Gibt es darüber hinaus weitere Möglichkeiten, wie Unternehmen finanzielle Hilfe erhalten können? Ja, die Möglichkeiten gibt es. Zur Deckung von kurzfristigen Liquiditätsbedarfen stehen Betrieben der gewerblichen Wirt- schaft und der freien Berufe einige Optionen zur Verfügung. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beispielsweise hat im Zuge der Coronakrise neue Förderansätze festgelegt. Diese sollen Unternehmen gezielt und möglichst unbürokra- tisch in der momentanen Zeit unterstützen. Die Ansätze sind hier ganz unterschiedlich. Möglich sind zum Beispiel die Opti- mierung des Zinssatzes, die Verbesserung der Kundenbonität sowie die Risikoentlastung für die begleitende Bank. Dafür wurden bestehende Kreditprogramme der KfW modifiziert und ein neues Programm, der sogenannte KfW-Schnellkredit, entwickelt. Denn eins ist aktuell besonders wichtig: Unterneh- men benötigen einen schnellen Zugang zu finanziellen Hilfen. Sie sprachen gerade die Risikoentlastung für die beglei- tende Bank an. Diese war in den letzten Wochen ein sehr großes Thema. Was ist daher das Besondere an dem KfW- Schnellkredit? Der KfW-Schnellkredit 2020 steht Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern zur Verfügung. Er wird zu 100 Prozent durch eine Garantie des Bundes abgesichert. Diese Maßnah- me erhöht für den Kreditnehmer deutlich die Chance, eine Kreditzusage zu erhalten. Da sich das finanzielle Restrisiko der Hausbank auf die KfW verlagert, kann die Hausbank eine schnellere Überprüfung des Kreditantrages gewährleisten. Sie betreuen neben den Themen der Unternehmenssiche- rung auch die Existenzgründung. Was raten Sie Unterneh- men und Gründern, mit welch weiteren KfW-Förderkredi- ten sie sich aktuell beschäftigen sollten? Über die bereits genannten Optionen hinaus bietet die KfW zudem den Unternehmerkredit für all die Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind. Für Unternehmen, die dagegen jünger sind, nämlich zwischen zwei und fünf Jahren, gibt es den sogenannten ERP-Gründer- kredit Universell. Dieser kann sowohl für Investitionen als auch die laufenden Kosten beantragt werden. Beide Kredit- programme beinhalten für das Jahr 2020 Sonderkonditionen. Die Zinsen wurden hierzu für kleine und mittlere Unternehmen auf zwischen 1,0 und 1,46 Prozent festgesetzt, immer abhän- gig von der sogenannten Bonitäts- und Besicherungsklasse des Antragstellers. Vergessen werden darf hier jedoch nicht: Das letzte Wort über die Zusage hat die Hausbank, da sie ein Restrisiko mitträgt. Hier könnte ich mir vorstellen, dass ein Ansatz ähnlich dem KfW-Schnellkredit für kleinere Betriebe bei den Banken zu einer höheren Bewilligungsquote führen könnte. Wir haben gesehen, die verfügbaren Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Doch viele Betriebe stellen sich jetzt sicher- lich die Frage, wo sie diese Kredite beantragen können und wie dies genau von statten geht. Grundsätzlich können die Unternehmen die Kredite nicht direkt bei der KfW beantragen. Der erste Weg führt daher immer zur eigenen Bank oder einem Finanzierungspartner der eigenen Wahl. Wer hier gut vorbereitet ist, spart wichtige Zeit. Der eigentliche Kreditvertrag wird dann mit dem Partner vor Ort abgeschlos- sen, der dann auch die Organisation der Kreditbeantragung übernimmt. Die KfW prüft anschließend die eingereichten Unterlagen und entscheidet über die Förderung. Interview: Christian Beck. Bild: privat
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5