Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'20 -Südlicher Oberrhein
ANZEIGE wo die Preise dramatisch einbrechen. Frankreich leidet darunter kaum weniger als Deutschland. Laut Christophe Viant, Vor- sitzender von Federec, dem französischen Fachverband der Recyclingbranche, sind die Preise für bestimmte Folienqualitäten von 200 auf 50 Euro pro Tonne gesunken, und Plastikflaschen aus Polyethylen mit hoher Dichte (Shampoos, Waschmittel und ähn- liche) haben zwei Drittel ihres Wertes ver- loren. „Heute ist es nicht mehr eine Frage des Preises, sondern des Marktes. Wenn Sie eine Recyclinganlage finden, die Ihren Abfall annimmt, akzeptieren Sie jeden Preis.“ Laut Federec sind französische Altkunst- stoffexporte außerhalb der EU um 82 Prozent zurück- gegangen, während die in EU-Länder um 59 Prozent zugenommen haben. Und zwar hauptsächlich in die Nachbarländer. Zwei Drittel der französischen Plastik- abfälle, die früher nach China verkauft wurden, finden heute Abnehmer in Europa, der Rest geht nach Südost- asien und neuerdings auch in die Türkei. Recyclingquoten festlegen Die Müllsortieranlage Aliplast France nördlich von Straßburg nimmt hauptsächlich Verpackungsfolien aus Supermärkten an. Die meisten von ihnen werden an das Mutterunternehmen in Itali- en verschickt, wo sie zu recyceltem Plastik verarbeitet werden. Das Wenige, das früher nach China ging, wird heute nach Deutsch- land oder Italien verschickt. Auf dem Hof der Sortieranlage zeigt Firmenchef André Peter auf mehrere Ballen aus transparen- tem Kunststoff. Stretchfolien von geringer Qualität. Haargenau die Art von Abfällen, die China nicht mehr annimmt. „Sie werden nach Deutschland verschickt, wo sie zu gel- ben Säcken verarbeitet werden.“ Mit dem italienischen Mutterkonzern im Rücken ist die Gefahr eines Konkurses für Aliplast Straßburg nicht besonders groß. Doch schon tauchen neue Probleme am Horizont auf. Der Rück- gang der Ölpreise macht neuen Kunststoff billiger als recycelten. Die Marktlogik könnte einmal mehr die Hoffnungen auf eine Ökowende zerschlagen. Für André Peter ist eine Lösung nur durch schärfere Gesetze herbeizuführen. „Solange es keine Steuer auf Verpackungen gibt, die nicht einen Mindestanteil an in Frankreich hergestell- ten Recyclingstoffen enthalten, wird sich der Trend nicht umkehren.“ Pierre Pauma (Übersetzung: Caroline Rosique) Die WiS arbeitet mit der elsässischen IHK-Zeitschrift „Point éco“ und dem Wirt- schaftsmagazin „Wima“ der IHK Karlsruhe zusammen und veröffentlicht gemein- same Beiträge wie diesen. »Nachfrage muss durch Recycling- quoten auf- rechterhalten werden« André Peter , Aliplast France Straßburg
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