Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'20 - Hochrhein-Bodensee
31 4 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Frau Schmid, Baden Württemberg ist Deutschlands Region mit den meisten Patentanmeldungen pro Einwohner. Wozu dann noch eine Initiative Patentcoach BW? Es stimmt, Baden-Württemberg ist tatsächlich Spitzenreiter. Allerdings kommen die meisten Patentanmeldungen von den großen Unterneh- men. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind da eher zurückhaltend, obwohl auch sie viel in Forschung und Entwicklung investieren. Wer sich aber nicht um eigenes und fremdes geistiges Eigentum kümmert, erkennt teilweise existenzbedrohende Risiken erst, wenn es zu spät ist. Patentcoach BW richtet sich deshalb in erster Linie an die KMU und unterstützt beim Einstieg in das komplexe Thema. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus? Das Motto lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. Da- runter fallen sowohl die individuellen Coa- chings zur ersten Orientierung als auch die Schulungs- und Vernetzungsangebote zum fachlichen Austausch. Individuelles Patentcoaching? Ja, das ist das besondere Angebot für die KMU: Zwei ausführliche individuelle Termi- ne, in denen wir uns alle Themen rund um das geistige Eigentum (Intellectual Property, IP) eines Unternehmens anschauen können. Unsere Bedingung: Es muss ein Entscheider teilnehmen, denn wir möchten, dass das The- ma dort ankommt, wo es hingehört: bei den Chefs. Schutzrechte sind Chefsache? Unbedingt. Die Schutzrechtsstrategie – der Umgang mit dem geistigen Eigentum - muss sich an der langfristigen Unternehmensstra- tegie orientieren, sonst passen am Ende die Schutzmaßnahmen nicht zum Geschäft. Welche Rolle spielen Sie selbst in den Coachings? Ich moderiere die Termine und leite die Dis- kussionen durch die verschiedenen IP-The- men. Meine vielen Jahre im IP-Management eines erfolgreichen Technologiekonzerns sind dabei natürlich nützlich, denn die Teilnehmen- den schätzen pragmatische, umsetzbare Lö- sungsansätze. Welche Rahmenbedingungen gibt es noch? Wir haben alles getan, um die Einstiegshürde für unsere Zielgruppe KMU niedrig zu halten: dem Unternehmen entstehen keine Kosten, die Beratung ist unabhängig, praxisnah, in- dividuell und vor Ort in den Räumlichkeiten der regionalen IHK. In den Workshops können wir dadurch konzentriert an den IP-Themen arbeiten. Dabei finden wir dann auch Hausauf- gaben für die Unternehmen. Das Wirtschafts- ministerium finanziert die Initiative, das Pa- tent- und Markenzentrum und die IHKs tun sehr viel, um das Angebot tatsächlich zu den Unternehmen zu bringen. Ist der Schutz geistigen Eigentums denn so wichtig? Ja, natürlich. Geistiges Eigentum ist das, was unsere vielen Hidden Champions groß ge- macht hat, und davon profitiert letztendlich doch die ganze Region. Im globalen Wettbe- werb und im Zeitalter immer kürzer werdender Innovationszyklen ist das Thema komplexer geworden, deshalb braucht es oft ein wenig Starthilfe. Interview: AS ANNEGRET SCHMID Patentcoach Annegret Schmid ist Physi- kerin und European Patent Attorney. Sie bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung in Aufbau und Leitung der Patentabteilung eines baden-württembergischen Tech- nologieunternehmens mit. Fragen zum gewerblichen Rechtsschutz im Unter- nehmen begegnet sie pragmatisch und kompetent. Die Initiative Patentcoach BW unterstützt Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg, die ihr Intellec- tual-Property-Management professio- nalisieren wollen, durch individuelles Coaching und Vernetzungsangebote. www.patentcoach-bw.de Interview zur Initiative Patentcoach BW » Orientierung im Patentdschungel « Mit „PATENTCOACH BW“ unter- stützt das Land kleine und mitt- lere Unternehmen (KMU), die eine Schutzrechtsstrategie er- arbeiten wollen. Die bundesweit erste Initiative dieser Art wurde gemeinsam vom Wirtschafts- ministerium, dem Patent- und Markenzentrum BW (PMZ) und den zwölf IHKs des Landes ins Leben gerufen. Ein Interview mit Patentcoach Annegret Schmid. IHK-Ansprechpartner : Johannes Dilpert 07531 2860-163 Johannes.Dilpert@ konstanz.ihk.de
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