Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

30 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2020 REGIO REPORT   IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg ZUR PERSON Roland Stolarczyk (35) ist als Kli- maschutzmanager beim Landkreis Rottweil für die zentrale Steuerung der Umsetzung sowie für die stetige Weiterentwicklung des integrierten Energie- und Klimaschutzkonzeptes des Landkreises verantwortlich. Dar- über hinaus soll er zusätzliche Klima- schutzprojekte initiieren und umsetzen. Ein weiterer zentraler Teil seiner Arbeit ist es, die Bevölkerung im Landkreis über Klimaschutz und Energiewende zu informieren sowie den Landkreis in Fragen des Klimaschutzes mit internen und externen Akteuren zu vernetzen. Stolarczyk hat an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg im Fachbe- reich Bioenergie einen Bachelor- und anschließend an der Universität Hohen- heim einen Masterabschluss im Fach- bereich Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie gemacht sowie eine Fortbil- dung zum Energieberater absolviert. Deutschland hat sich bei der Begrenzung der Klimaerwärmung gemeinsam mit seinen europäischen Partnern auf ein Verfahren geeinigt, in Europa den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Dazu wurden verbindliche europäische Ziele sowie daraus abgeleitet nationale Ziele vereinbart, die bis 2030 erreicht werden müssen. Wir sprachen mit Klimaschutzmanager Roland Stolarczyk, wie er das Klimapaket aus regionaler Sicht beurteilt. Interview mit Roland Stolarczyk zum Klimapaket der Bundesregierung » Das Klimapaket bietet Chancen « Herr Stolarczyk, bereits seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass der Klimawandel kommt. Der Bundestag hat jetzt ein Paket verabschiedet, um die Treibhausemissionen zu begrenzen. Glauben Sie aus regionaler Sicht, dass das Paket ausreicht? Grundsätzlich verfolgt das Klimaschutzprogramm verschiedene Ansätze. Durch den ge- schaffenen Rahmen aus Förderung, CO 2 -Bepreisung, Entlastungen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen erhofft sich die Bundesregierung, die richtigen Signale für den Umstieg auf klimafreundliche Technologien gesetzt zu haben. Das beschlossene Paket bietet auf jeden Fall Chancen für den Klimaschutz und das Gestal- ten der Energiewende, und diese sollten nun entschlossen genutzt werden. Erste positive Signale können wir auch in unserer Region beispielsweise aus dem Bereich der Erneuerung von Heizanlagen vernehmen, wo mit einer Austauschprämie mit einem Förderanteil von bis zu 45 Prozent sicherlich ein interessanter Anreiz geschaffen wurde. Ob das Klimaschutzprogramm seine erhoffte Wirkung erzielen kann, ist derzeit allerdings noch vollkommen unsicher, denn die getroffenen Ansätze unterliegen doch auch großen Unsicherheiten, wie zum Beispiel die Entwicklung der Rohstoffpreise oder auch die Weiterent- wicklung in den verschiedenen Schlüsseltechnologien. Für mich wird es entscheidend sein, wie konsequent und erfolgreich der jährliche Nachsteuerungsmechanismus genutzt wird. Kann denn das Angebot im ÖPNV noch nachhaltiger ausgebaut werden? Vor allem die Regionen abseits der Metropolen kritisieren ja oft auch eine ausreichende Anbindung. Der ÖPNV stellt natürlich eine wichtige klimafreundliche Alternative zum motorisierten In- dividualverkehr dar, nur sind die Voraussetzungen und Anforderungen im ländlichen Raum grundsätzlich anders als in den Metropolregionen. Während in den Metropolregionen eine enge Taktung durch die große Nachfrage gerechtfertigt ist und zur Entlastung des motorisierten Individualverkehr beitragen kann und somit CO 2 -Emissionen vermieden werden, gibt es im ländlichen Raum oftmals das Problem, dass aufgrund der niedrigeren Nachfrage nur wenige Verkehrsachsen eine höhere Taktung auch aus Klimaschutzgründen rechtfertigen würden. Daher müssen für den ländlichen Raum mehrstufige, flexible Systeme entwickelt werden. Im Landkreis Rottweil wird zum Beispiel ein Anrufbus angeboten, bei dem Leerfahrten durch ein bedarfsorientiertes Angebot vermieden werden und dies zur Einsparung von CO 2 -Emissionen führt. Ich hoffe ferner, dass die politisch angedachte Tarifkooperation der Verkehrsverbünde der drei Landkreise in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg auch zu günstigeren Fahrpreisen führt und den ÖPNV so, vor allem für Zeitkarteninhaber, attraktiver macht.

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