Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

31 2 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten NACHGEFRAGT Sven Schulz, Projektleiter bei der Bodensee-Stiftung Herr Schulz, immer häufiger sieht man im Stadt- und Land- schaftsbild sogenannte Bienenweiden. Macht es auch für Unternehmen Sinn, Grünflächen so zu gestalten? Ja natürlich – und zwar für Mensch und Biene gleichermaßen: Blütenbesuchende Insekten finden Nahrung, und weil solche Bienenweiden für lange Zeit im Jahr auch Augenweiden sind, ge- fällt es Mitarbeitern und Gästen auf dem Gelände auch: ein gu- ter Beitrag für ein positives Betriebsklima. Solche Blühflächen sind auch für Baulandreserven geeignet – wenn diese noch für mindestens drei – besser fünf – Jahre zur Verfügung stehen. Bitte darauf achten, Saatgut aus heimischer Produktion und Samenmischungen für mehrjährige Blühflächen zu verwenden. Gibt es weitere Dinge, die Firmen unternehmen können, um Biodiversität auf dem eigenen Grundstück zu stärken? Klar. Das Spektrum reicht von Nisthilfen für Vögel, Insekten oder andere Tiere über die Umsetzung eines ökologischen Pflegeplans bis hin zur umfänglichen naturnahen Gestaltung des gesamten Geländes. Als Faustregel gilt: heimische Pflan- zen – am besten Wildformen – nutzen. Monotone Gestaltung – wie die häufig sichtbaren „Cotoneaster-Monokulturen“ – ver- meiden, und bei der Pflege der Grünflächen gilt „Weniger ist mehr – aber mit Verstand“. Was sollten Unternehmen beachten, bevor Maßnahmen ergriffen werden? Wenn man mehr macht als ein Vogelhäuschen anzubringen, sollte man sich die Frage stellen, wie lange eine Fläche zur Verfügung steht. Ein Feuchtbiotop für geschützte Arten hat auf der Baulandreserve nichts verloren. Dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass naturnahe Flächen Zeit brauchen, sich zu entwickeln – ein wenig Geduld ist nötig, bis die Flächen ihre volle Pracht entfalten. Zuletzt ist dann – je nachdem was man machen möchte – die Auswahl eines guten Dienstleisters wichtig. Woher bekommen interessierte Unternehmen Unterstüt- zung, wenn sie wissen wollen, ob und welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind? Auf unserer Internetseite findet sich viel Material von uns – aber auch von anderen Organisationen und Projekten: Leit- fäden, Beispiele und sogar ein kleiner „Selbstcheck“ für Unternehmen. Außerdem bietet die Bodensee-Stiftung auch Erstberatungen an, die teilweise über den Fördergeber EU-LIFE finanziert sind. Darüber hinaus kann man mich auch anrufen, und ich gebe dann ein paar Tipps und Hinweise. Interview: Simon Scholl Auch kleine Inseln können Nachhaltiges bewirken. Sechs Tipps damit’s summt und brummt:  Go local – mit heimischen Pflanzen. Noch besser ist „autochthones Saat- und Pflanzgut“, das aus der Region und für die Region erzeugt wurde. Damit werden dann die kleinen Unterschiede zwischen der Margerite in Norddeutschland und Süddeutschland erhalten. Leider ist dieses aber nicht immer verfüg- bar. Nachfragen sollte man aber.  Go wild – Wildformen sind Trumpf. Manche Zucht- formen weisen beispielsweise „gefüllte Blüten“ auf oder produzieren keinen Nektar. Da hat man Augen- weide – aber keine Bienenweide.  Monotonie vermeiden – Kleinstlebensräume schaf- fen: eintönige Cotoneaster-Monokulturen vermei- den, Lesesteinhaufen, Abbruchkanten, Totholz- haufen – für kleine ökologische Nischen findet sich fast immer Platz.  Weniger ist mehr. Auf Düngung, Bewässerung, che- mische Schädlings- oder Unkrautbekämpfung kann und sollte man auf naturnahen Flächen verzichten. Sowieso gilt: Naturnahe Pflege nutzt natürliche Dy- namik und greift gezielt zum richtigen Zeitpunkt ein, um die besten Ergebnisse zu erzielen.  Nutzlos gibt’s nicht: Naturnahe Firmengelände ha- ben keine nutzlosen Flächen – und viele Flächen haben mehr Funktionalität. Das tote Eck und das Rückhaltebecken für Löschwasser sind wertvolle Habitate und Erholungsbeschleuniger für die Mit- arbeiter gleichermaßen.  Naturnahe Firmengelände fördern Biodiversität auch jenseits des Werkzauns: Mitarbeiter und Kunden zu informieren über die naturnahe Gestaltung ist nicht nur wichtig für die Akzeptanz der Flächengestaltung und die Außenwirkung des Unternehmens, sondern auch ein Beitrag, um Menschen über Nutzen und Schönheit biologsicher Vielfalt aufzuklären.

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