Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'20 - Extra: 900 Jahre Freiburg
900 Jahre Freiburg Beilage | IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2020 ersetzt, die Beiräte bedeutungslos. Der Teninger Alu- miniumfabrikant und Nationalsozialist Emil Tscheulin wurde Vertreter Oberbadens in der Einheitskammer. 1935 wurde diese zwar wieder aufgelöst, Tscheulin blieb aber Präsident der Freiburger Kammer mit absolu- ter Macht. Unter Tscheulin beteiligte sich die IHK an der Verfolgung jüdischer Unternehmer und der Arisierung jüdischer Unternehmen. Von ehemals 1.244 jüdischen Unternehmen in Baden gab es 1939 nur noch 64. Mit Kriegsbeginn 1939 wurden die Kammern dem Wirt- schaftsministerium in Karlsruhe unterstellt und die Präsidenten zu Reichskommissaren ernannt. Rüstungs- betriebe wurden direkt der Wehrmacht untergeordnet. Tscheulin wurde 1940 nach der Besetzung des Elsass’ auch Präsident der Kammern in Mulhouse und Colmar. 1942 verloren die Kammern erneut ihren öffentlich- rechtlichen Status und wurden in die neu gegründeten Gauwirtschaftskammern integriert. Freiburg war da- mit wieder Zweigstelle. Der Einmarsch der Franzosen in Freiburg am 21. April 1945 beendete vorläufig die Kammerarbeit. Präsident Tscheulin wurde verhaftet. Nachkriegszeit und Neugründung Bis zur Errichtung einer neuen Organisation sollten die Kammern im Auftrag der französischen Besat- zung die badische Wirtschaft vertreten – überwacht von französischen Offizieren. Sie wirkten auch an der Entnazifizierung der Wirtschaft mit. 1946 wurden die Kammerbezirke neu eingeteilt. Der Freiburger umfasste die Kreise Freiburg-Stadt und –Land, Emmendingen, Neustadt und Müllheim. 1949 gab sich die IHK Freiburg eine neue Satzung, die noch auf dem Handelskammer- gesetz von 1878 beruhte. 1950 wählte sie ihren Beirat und ihr Präsidium.1951 bestätigte dann ein neues Lan- desgesetz die rechtliche Stellung der Kammern wie vor dem Nationalsozialismus. Den Wiederaufbau der Wirtschaft erschwerten zahlrei- che Faktoren, vor allem die Demontagen und der Man- gel an Arbeitskräften. Zudem wurde der Handel durch die Zonengrenzen und Exporthemmnisse behindert. Die IHK setzte sich für eine freiheitliche Wirtschafts- ordnung ein - im Gegensatz zur staatlich gelenkten Wirtschaftspolitik der Franzosen. Eine andere Streitfra- ge in den Nachkriegsjahren war die Arbeitnehmerver- tretung in den Kammern, auf die die Gewerkschaften pochten. Das „Gesetz zur vorläufigen Regelung des Rechts der IHKs“ beendete 1956 diese Diskussion. Der Berufsbildungsausschuss wurde als einziges IHK-Organ paritätisch besetzt. Außerdem bestätigte das Gesetz die Kammern als Körperschaft öffentlichen Rechts, die das Gesamtinteresse ihrer Mitglieder wahrnehmen und die Berufsbildung sowie das Prüfungswesen beaufsich- tigen. Daneben sah die IHK ihre Aufgabe in der Verbes- serung der Wirtschaftsstruktur sowie bei den Themen Verkehr, Handel, Geld- und Kreditwesen. Sie erstellte Gutachten, kümmerte sich um Kreditanträge sowie um Zulassungen zum Einzelhandel und zum gewerblichen Kraftverkehr. So begleitete sie die Entwicklung von der Notstands- zur Wohlstandsgesellschaft. Gebietsreform und Kammerfusion Zu Beginn der 1970er-Jahre nahm die baden-württem- bergische Landesregierung eine Gebietsreform in An- griff. Das hatte auch für die Kammerstruktur erhebliche Auswirkungen. Das neue Kammergesetz reduzierte 1973 die Zahl der IHKs im Land von 19 auf 12. Die Vollver- sammlungen der IHKs Freiburg und Lahr hatten die Fusion bereits 1971 gebilligt. Der neue Kammerbezirk Südlicher Oberrhein war nach Fläche der zweitgröß- te im Land, nach Wirtschaftspotenzial der fünftgrößte und nach Einwohnerzahl im oberen Drittel der nunmehr zwölf baden-württembergischen IHKs. Zu den Mitglie- dern zählten rund 7.000 eingetragene Firmen und rund 10.800 nicht eingetragene Gewerbetreibende. 1973 wur- de die erste gemeinsame Vollversammlung mit nun 50 Sitzen gewählt. Präsident wurde Heinz Quester, den sein Lahrer Kollege Richard Dahlinger nach zwei Jahren ablö- sen sollte. In den ersten gemeinsamen Jahren blieben de facto noch viele Strukturen an beiden Standorten erhal- ten - so hatten beispielsweise Lahr und Freiburg je einen Hauptgeschäftsführer -, und es kam immer wieder zu ANZEIGE
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