Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar '20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
19 1 | 2020 IHK Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten ANZEIGEN Auftakt der IHK-Konjunkturgespräche Unsicherheit in der Wirtschaft wächst D er Strukturwandel in der Automobilindustrie trifft den Mittelstand ins Mark. Internationale Konflikte schwächen den Handel. Die klassische und digitale Infrastruktur erfüllt weiterhin nicht die Anforderun- gen unserer Betriebe“, so die Einschätzung von IHK- Vizepräsident Harald Marquard zum Auftakt der neuen IHK-Reihe Konjunkturgespräche in Donaueschingen. Gastredner der Auftaktveranstaltung in der Alten Hof- bibliothek war Helmut Becker, Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München. Becker war zuvor unter anderem Chef- volkswirt von BMW. Bedeutung der Automobilindustrie Bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Veranstal- tung forderte Marquardt von der Politik Rückenwind statt Gegenwind für die Automobilbranche. Der hohe Industrieanteil von über 20 Prozent in Deutschland sei eine besondere Verpflichtung; in der Region liege die Quote mit über 50 Prozent sogar noch sehr viel höher. „Die Automobilindustrie hat nirgendwo eine so große Bedeutung wie in Deutschland, 400 Milliarden Euro erwirtschaftete sie im letzten Jahr, jeder vierte Euro geht auf das Automobil zurück. Die Zulieferer sind dabei ein echter Faktor: 60 Prozent aller Innovationen im Automobil kommen aus unseren deutschen Zulie- fererbetrieben. In unserer Region gibt es fast 1.000 Zulieferer. Sie beschäftigen 60.000 Mitarbeiter und 1.800 Auszubildende“, so der IHK-Vizepräsident. Deshalb müsse angesichts der Diskussion um die zu- künftige Mobilität die Förderung von Forschung und Entwicklung im Mittelstand ausgebaut werden, um die Arbeits- und Ausbildungsplätze im Automobilsektor zu sichern. Dies müsse durch den Ausbau der Infra- struktur begleitet werden. Angesichts des Defizits in der digitalen Versorgung, einer notwendigen Steuerre- form und eines Umdenkens in der Bildungspolitik dürfe man sich jetzt nicht wegducken. „Die Defizite sind hausgemacht“, so Marquardt. „Wir müssen weit über die nächsten Tarifverhandlungen und die kommende Bundestagswahl hinausdenken.“ Gespaltene Konjunktur Dass die Konjunktur in Deutschland „gespalten ist“, betonte Gastreferent Helmut Becker. Während die Au- tomobilindustrie in eine Rezession steuere oder sich bereits darin befinde, boome der Dienstleistungssek- tor. „Die Dienstleister tragen das noch geringe Wachs- tum“, sagte der Institutsleiter. Die Politik werde den Erfordernissen der Industrie nicht gerecht, und darin liege eine große Rezessionsgefahr für die gesamte deutsche Wirtschaft. Grundsätzlich, so Becker, werde der Verbrennungs- motor noch eine Zeitlang auf dem Markt bleiben. Ob die Politik die richtige Richtung in der künftigen Mobilität eingeschlagen hat, bezweifelt der Ökonom. „Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von der Automobilwirtschaft ist sehr hoch. Wenn das mit der E-Mobilität schiefgeht, verlieren wir Arbeitsplätze in Höhe der Einwohnerzahl von München.“ bk Philipp Hilsenbek Fachbereich Standortpolitik 07721 922-126 hilsenbek@vs.ihk.de „ Beim Pressegespräch anlässlich des ersten IHK-Konjunkturgesprächs war die zukünftige Mobilität bestimmendes Thema. Von links: IHK-Geschäftsbereichsleiter Philipp Hilsenbek, IHK-Vizepräsident Harald Marquardt, Institutsleiter Helmut Becker und IHK-Hauptge- schäftsführer Thomas Albiez. Bild: Annika Fleig »Die Politik wird den Erfor- dernissen der Industrie nicht gerecht«
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