Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar '20 - Hochrhein-Bodensee

45 1 | 2020 IHK Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Intuitive Surgical: Systeme für die roboterassistierte Chirurgie Neues Geschäftszentrum in Freiburg SUNNYVALE/FREIBURG. Das an der amerika- nischen Börse Nasdaq gelistete kalifornische Me- dizintechnikunternehmen, 1995 gegründet, ist ein Pionier der roboterassistierten Chirurgie, die bei mi- nimalinvasiven Eingriffen auf den Gebieten Urologie, Gynäkologie, allgemeine Chirurgie und Thoraxchirur- gie Anwendung findet. Intuitive ist sehr erfolgreich und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,724 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von 1,125 Milliarden Dollar. Weltweit sind rund 7.000 Mitarbeiter beschäftigt. Intuitive baut unter dem Namen „da Vinci“ Chirurgiesysteme. Über 5.000 solcher Systeme sind mittlerweile im Einsatz, davon knapp 150 in Deutsch- land, wiederum zwei von ihnen am Universitätsklini- kum Freiburg. Ein solches System kostet ein bis zwei Millionen Euro. Die Marktchancen in Deutschland und auch Europa schätzt Dirk Barten, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung des Unternehmens, als sehr gut ein. Deutschland habe Nachholbedarf, es gebe hier an die 2.000 Kliniken, die potenziell mit solchen Systemen arbeiten könnten. Die Grundlage für weite- res Wachstum in Deutschland und Mitteleuropa hat Intuitive Mitte November gelegt, indem am Freiburger Flugplatz ein neues Geschäftszentrum eröffnet wurde. Hier hat das Intuitive-Vertriebsteam seinen Sitz, und hier werden die Intuitive-Mitarbeiter an den Systemen ausgebildet, um dieses Wissen dann in bundesweit neun Bildungszentren an Klinikchirurgen weiterzu- geben. Gary Guthart, CEO von Intuitive, betonte bei der Eröffnung die Vorteile der Region, die aus einem hohen Besatz sehr guter Medizintechnikunternehmen und entsprechend vieler hochqualifizierter Mitarbei- ter bestünden. Guthart erin- nerte daran, dass die erste Operation mit einem der Sys- teme seines Unternehmens überhaupt 1999 in Frankfurt stattgefunden habe. Mitt- lerweile wurden 150.000 Operationen in Deutschland auf diese Art ausgeführt. Elf deutsche Hersteller seien mit verschiedensten Komponen- ten an der Herstellung der Systeme beteiligt. Dazu gehört auch die Denz- linger Firma Schölly, die Endoskopie-Optiken für In- tuitive gebaut hat und dieses Geschäft im Juli 2019 an die Kalifornier verkaufte. Intui- tive Deutschland ist derzeit dabei, einen Produktions- standort für diese Kompo- nenten in Emmendingen zu errichten, der Mitte/Ende 2020 bezogen werden soll und in dem dann circa 150 ehemalige Schölly-Mitarbeiter (jetzt Intuitive- Mitarbeiter) arbeiten werden. Insgesamt wird Intuitive Ende 2019 rund 350 Beschäftigte in Deutschland ha- ben, 40 davon sind im neuen Freiburger Geschäfts- zentrum tätig. Was ist roboterassistierte Chirurgie? Wie im Pressetext von Intuitive erklärt, wird sie über kleine Schnitte im Körper ausgeführt. Dabei sitzt der Chirurg an einer vom Operationstisch wenige Meter entfernten Konsole, während er ein hochauflösendes dreidimensionales Bild der Zielanatomie des Patienten im Operations- bereich beobachtet. Die Bewegungen der Hand, des Handgelenks und der Finger des Chirurgen, die dieser an der Konsole ausführt, werden in präzise und skalier- te Echtzeitbewegungen der chirurgischen Instrumente (im Bauch des Patienten) übertragen. Diese Instrumen- te wiederum sind an drei oder vier Roboterarmen ange- bracht, die über die oben erwähnten kleinen Schnitte in den Patienten eingeführt wurden. Die Instrumente (Zangen, Skalpelle, Optiken) sind winzig, die Übertra- gung der Chirurgenbewegungen extrem präzise, flexi- bel und kontrolliert. Die Instrumente zittern allerdings nicht - was bei der menschlichen (Chirurgen-)hand normal, aber unangenehm ist. Während der Operation zeigt die Bildgebung der da Vinci-Systeme dem Chirur- gen in der Konsole hochauflösende dreidimensionale Bilder und - parallel dazu - dem assistierenden OP-Per- sonal das Geschehen über einen Videosystemwagen. Konkurrierende Anbieter gibt es nach Worten von Bar- ten kaum oder zumindest nicht mit der langen Erfah- rung von Intuitive. upl Ein da Vinci-System von Intuitive besteht aus drei großen Komponenten: dem Roboter mit den vier Armen am Patienten (Mitte), dem mit dem Panel operierenden Chi- rurgen (rechts) und dem Videosystemwagen für das assistierende OP-Personal (links). Da Vinci heißt das System nach dem Universalgenie Leonardo da Vinci, der Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhun- derts sowohl bahnbre- chende anatomische Kenntnisse gewann, als auch den ersten Roboter konstruierte.

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