Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November '19 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 11 | 2019 56 Praxiswissen UMWELT Auswirkungen der Energiewende auf die Wirtschaft im Land Negative Folgen für die Industrie D ie Unternehmen im Land beurteilen die Auswir- kungen der Energiewende auf die eigene Wettbe- werbsfähigkeit knapp ausgeglichen. Allerdings: Nach drei Jahren mit positiven Werten sackt die Bewertung wieder etwas unter die neutrale „Null“. Das ergab die Auswertung des bundesweiten DIHK-Energiewendeba- rometers 2018 für Baden-Württemberg. Auf einer Skala von -100 bis +100 bewerten die Unternehmen im Land die Auswirkungen auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit mit -2,4; für Deutschland liegt dieser Wert bei -4,9. Die Industrie bleibt in ihrer Beurteilung mit -10,9 im Negativen und zeigt ebenfalls einen Rückgang im Ver- gleich zum Vorjahr. Deutschlandweit liegt die Bewer- tung mit -13,9 darunter. Energiepolitische Maßnahmen müssen daher nach wie vor besonders die Auswirkun- gen auf den Industriestandort berücksichtigen. Gefragt nach den Maßnahmen, die die Politik kurzfris- tig ergreifen sollte, steht bei den baden-württember- gischen Betrieben die Forderung nach Unterstützung des Netzausbaus und damit das Thema Versorgungs- sicherheit klar an erster Stelle, ebenso bei den Unter- nehmen in Deutschland und bei der hiesigen Industrie. Prioritär werden auch die Forderung nach Reduzierung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis und die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsver- fahren bewertet. Die insgesamt noch ausgewogene Bewertung zu den Auswirkungen der Energiewende zeigt die hohe An- passungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft. Wie in den Vorjahren ergreifen oder planen die baden- württembergischen Unternehmen auch 2018 häufi- ger Maßnahmen als im Bundesschnitt. Be- sonders deutlich wird dies beim Aufbau ei- ner Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder der Nutzung von Abwärme. 97 Prozent der Indus- trieunternehmen im Land (94 Prozent der Industriebetriebe bun- desweit) beschäftigen sich mit Aktivitäten zur Steigerung der Energieeffizienz mit steigendem Umsetzungsgrad, obwohl gleichzeitig 81 Prozent der Industriebetriebe maximal ein Prozent Einsparpotenzial pro Jahr im eigenen Unternehmen sehen. Investitionen in effiziente Technik finden sich auf Platz eins der am häufigsten ergriffenen Maß- nahmen. Aktivitätsverlagerungen ins Ausland aufgrund energie- wirtschaftlicher Einflüsse bleiben bei circa 20 Prozent der Industrieunternehmen in Baden-Württemberg in Umsetzung oder Betracht. Die Aufforderung an die Politik besteht daher weiter, für dauerhafte Versor- gungssicherheit und international wettbewerbsgerech- te Strompreise zu sorgen, zumal die Unternehmen in den letzten zwölf Monaten von wieder anziehenden Strom- und Energiepreisen berichten. bwihk Straßburg Fahrverbote für Diesel S traßburg macht Ernst mit Dieselfahrverboten: Der Stadtrat der Europa-Metropole hat Ende September für die Einführung einer Umweltzone gestimmt. Ab 2021 sollen verschärfte Einfahrverbote gelten, ab 2025 gar keine Dieselfahrzeuge mehr in die Stadt fahren dürfen. Straßburg hatte bereits vor zwei Jahren eine Feinstaubpla- kette eingeführt, die für das gesamte Straßennetz der Stadt erfor- derlich ist und von der auch ausländische Fahrzeuge betroffen sind. Diese gilt allerdings erst, wenn ein bestimmter Grenzwert an drei Tagen in Folge überschritten worden ist. Dann durften zwischen 6 und 22 Uhr Fahrzeuge mit der Umweltplakette der Kategorien 4 und 5 nicht mehr in Straßburg fahren. Seit 1. Oktober gilt dieses Fahr- verbot auch für Fahrzeuge der Kategorie 3 und betrifft somit circa 30 bis 40 Prozent aller Fahrzeuge. Bei Verstoß droht ein Bußgeld bis zu 68 Euro für Leichtfahrzeuge und bis zu 135 Euro für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen. fc Die Umweltplakette können Fahrzeuginhaber mit Wohnsitz in der Europäischen Union und in der Schweiz bestellen unter https://www.certificat-air.gouv.fr/de/demande Download der Broschüre unter www.wirtschaft- im-suedwesten.de , Rubrik Themen Bild: lassedesignen - stock.adobe.com Bild: AdrianHancu- iStock Die Firmen im Land zeigen sich anpassungsfähig an die Energiewende. Und sie bewerten deren Aus- wirkungen auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit insgesamt ausgewogen.
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