Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November '19 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

STELLENANZEIGE Wirtschaft im Südwesten 11 | 2019 10 titel ist seit 1996 reaktiviert, gehört teils der DB Netz AG und teils dem Landkreis Konstanz und wird von der Hohenzollerischen Landesbahn (Teil der SWEG) befahren. Die nörd- liche Teilstrecke – auch Hegau-Ab- lachtalbahn genannt – ist im Besitz der Ablachtalbahn GmbH. Einer ihrer Geschäftsführer ist auch geschäfts- führender Gesellschafter der Firma Tegometall, die die Strecke für Stahl- transporte in ihr Krauchenwieser Werk nutzt und dort Regalsysteme herstellt. Seit vielen Jahren gibt es Bemühungen, die Strecke auch für den Personennahverkehr zu reak- tivieren. Die potenzielle Nachfrage wäre vermutlich nicht allzu hoch, da die Gegend eher dünn besiedelt ist. Die Strecke ist gut befahrbar, wenn auch nicht für den Personenverkehr eingerichtet und nicht elektrifiziert. Sie könnte aber als direkte Verbindung nach Ulm und weiterhin auch für den Güterverkehr interessant sein. Viele Gemein- den entlang der Strecke haben an der Reaktivierung großes Interesse. Sie verläuft nur wenige Kilometer – nördlich Stockach – im Regierungsbezirk Freiburg. Strecke Breisach-Colmar Die Reaktivierung dieser Strecke wäre in erster Li- nie ein politisches Projekt, meint Norbert Uphues, Verkehrsexperte der IHK Südlicher Oberrhein. Sie wurde gebaut, als das Elsass deutsch war. Sie ist für den Güterverkehr zwischen Colmar und dem Hafen Neu-Breisach nutzbar, gehört der französischen Ei- senbahngesellschaft SNCF, ist allerdings nicht elek- trifiziert und für den Personenverkehr derzeit nicht nutzbar. Vor allem ein entscheidendes Teilstück fehlt ihr seit Ende des Zweiten Weltkrieges: eine Eisenbahn- brücke über den Rhein. Die ursprünglich Breisach und Neu-Breisach verbindende Brücke wurde demontiert und südlich bei Neuenburg wieder errichtet. Aber: Das Projekt ist eines der konkret genannten im kürz- lich von Präsident Emmanuel Macron und Bundes- kanzlerin Angela Merkel unterschriebenen Aachener Vertrag. In Frankreich genießt es hohe Beachtung, so Patrick Hell von der CCI Alsace Eurométropole. Ein jüngst vorgestelltes, im Auftrag des Landesverkehrs- ministeriums und der Präfektur der Region Grand Est erarbeitetes Gutachten rechnet mit einem möglichen Fahrgastaufkommen von 3.500 bis 5.900 Passagieren pro Tag. Im Elsass gilt die Bahnstrecke als eine der Maßnahmen, um den negativen Folgen des Abbaus des Kernkraftwerks in Fessenheim entgegenzuwirken. Die Kosten sind schlecht abschätzbar, dürften jedoch nicht zuletzt wegen des Baus einer neuen Brücke in den dreistelligen Millionenbereich gehen. Vorbild Schweiz? Der öffentliche Nahverkehr wird im Zuge der Klima- diskussion eine immer größere Rolle spielen. Konse- quenterweise wird ins Auge gefasst, die Zuschüsse für die Reaktivierung und/oder den Ausbau von Schie- nenwegen markant zu erhöhen. Damit würden wir der Schweiz oder auch Schweizer Unternehmen wie der SBB Deutschland GmbH, die am Hochrhein bereits eine große Rolle im Schienennahverkehr spielt (etwa auf der Wiesentalbahn oder mit dem Seehas), folgen. Die Schweiz hat in den vergangenen Jahrzehnten ein engmaschiges Netz von vertakteten Bahn- und Bus- verbindungen geschaffen. Sie gibt dafür circa 200 Euro pro Bürger und Jahr aus, Deutschland ein Drittel davon, berichtet Clemens Thoma von der Stadt Wehr. Ulrich Plankenhorn

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5