Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober '19 -Südlicher Oberrhein
10 | 2019 Wirtschaft im Südwesten 25 IHK Südlicher Oberrhein REGIO REPORT ANZEIGE Neues Mobilfunknetz 5G entlang der deutsch-französischen Grenze Bleibt die Region ein weißer Fleck? D ie für 2020 angekündigte neue Generation drahtloser Kommunikation ermöglicht deut- lich höhere und schnellere Datenraten und öffnet die Tür für die Datenübertragung in Echtzeit und für smarte Objekte. Die große Unbekannte in Frankreich wie in Deutschland bleibt aber die Qualität der Netzabdeckung. Frankreich hat die Lehren aus der wochenlangen Bieterschlacht um 5G-Frequenzen der deutschen Bundesnetzagentur gezogen. Die franzö- sische Regulierungsbehörde für Telekommunikation ARCEP hat mitgeteilt, dass sie die Kosten für die 5G- Lizenzen begrenzen möchte. Die im Herbst geplante Frequenzauktion wird daher voraussichtlich nicht wie in Deutschland 6,5 Milliarden Euro einbringen. Ein Grund zur Freude für die französischen Netzbe- treiber? Nicht wirklich. Denn ARCEP hat ehrgeizige Vorgaben gemacht. Jeder Betreiber muss 2020 zwei Großstädte mit 5G abdecken und bis 2025 12.000 Ba- sisstationen aufstellen. Neben diesem 5G-Ausbau im Sauseschritt gibt es eine Klausel zur Netzabdeckung: 20 bis 25 Prozent des Netzes müssen „dünn besiedelte Gebiete zur Förderung der wirtschaftlichen Aktivität“ versorgen. Damit sollen die Fehler des 4G-Ausbaus nicht wiederholt werden, der – wie in Deutschland – den ländlichen Raum massiv vernachlässigt hat. Geolokalisierung und Datenaustausch in Echtzeit, Kommunikation der vernetzten Geräte: 5G-Mobilfunk bietet weitreichende Möglichkeiten für industrielle Anwendungen und dürfte etwa das autonome Fahren ein wichtiges Stück weiterbringen – vorausgesetzt es gibt ausreichende Netzabdeckung. Getestet wird das autonome Fahren bereits im Dreiländereck um Metz, Luxemburg und Merzig. Eines der zahlreichen Projekte zum automatisierten und vernetzten Fahren, an denen Deutschland beteiligt ist. Christian Hubschneider vom Testfeld Autonomes Fah- ren in Karlsruhe glaubt, dass autonomes Fahren auch ohne 5G möglich sein könnte. „Es könnte jedoch helfen, bestimmte Funktionen hinzuzufügen, die sonst nur mit enormen Ressourcen und sehr hohen Sicherheitsmaß- nahmen möglich wären.“ Bei maximaler Kapazität könnte 5G Latenzzeiten von einer Millisekunde aufweisen (bei 4G sind es 10 Millisekunden) und wäre damit reaktions- schneller als jeder menschliche Reflex. 5G könnte auch das Laden von 3D-Karten ermöglichen, die sehr viel datenintensiver als die der aktuellen GPS-Systeme sind. Andere Branchen wiederum haben das Potenzial von 5G noch nicht voll ausgeschöpft. Während 5G im Hamburger Hafen getestet wird, hinkt die Technologie beispielsweise in der Binnenschifffahrt noch leicht hinterher, findet Raphaël Wisselmann von der staatlichen Wasserstra- ßenverwaltung „Voies navigables de France“. Erst seit Kurzem müssen einige Schiffe dank Internet an Bord und grenzüberschreitender Zusammenarbeit ihre Ladung nicht mehr auf jedem Abschnitt des Rheins melden. Und erst seit Kurzem können die Häfen dank Echtzeitortung die Ankunft der Schiffe leichter voraussagen. Doch das Verbesserungspotenzial ist wegen des zu schwachen Netzes begrenzt. Während die beiden Ufer des Rheins abgedeckt sind, springt die Verbindung auf dem Grenz- fluss selbst ständig hin und her: „Es gibt nur eine Ziel- gruppe dort: die Schiffer. Dieser Markt ist nicht attraktiv genug für die Betreiber“, sagt Wisselmann. Die französische Frequenzbehörde ANFR weist dar- auf hin, an der Grenze eine beträchtliche Anzahl von 2G/3G/4G-Basisstationen in Betrieb genommen zu haben, die ihrer Ansicht nach die Netzabdeckung auf dem Rhein verbessern dürfte. Bleibt abzuwarten, ob der Rhein zwischen Deutschland und Frankreich zu den „dünn besiedelten Gebieten“ zählen wird, die von einer 5G-Versorgung profitieren würden. Pierre Pauma (Übersetzung: Caroline Rosique) Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann in einem in Karls- ruhe entwickelten Prototyp eines autonom fahrenden Autos. Die WiS arbeitet mit der elsässischen IHK-Zeitschrift „Point éco Alsace“ und dem Magazin „Wirtschaft in der TechnologieRegion“ der IHK Karlsruhe zusammen und veröffentlicht gemeinsame Beiträge wie diesen.
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