Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober '19 -Südlicher Oberrhein
10 | 2019 Wirtschaft im Südwesten 21 REGIO REPORT Der IT-Sicherheits-Dienstleister Varonis hat am 24. Mai eine Studie veröffentlicht. Weltweit wurden insgesamt 700 Unter- nehmen aus rund 30 Branchen und mehr als 30 Ländern untersucht. Laut der Stu- die sind die Datenrisiken in Deutschland – trotz DSGVO – seit vergangenem Jahr tendenziell noch gestiegen. Wie erklären Sie sich das? Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass immer mehr Dienstleistungen digital abge- wickelt werden. Ein weiterer Punkt, der si- cherlich auch nicht unterschätzt werden darf, ist die seit dem 25. Mai 2018 bestehende Meldepflicht von Verletzungen des Schutzes personenbezogener Daten. Und zum ersten Mal sieht das Regelwerk der DSGVO auch mögliche Bußgelder bei Verstößen vor – bis zu 20 Millionen Euro oder bei Unternehmen bis zu vier Prozent des Weltjahresumsatzes. Unternehmen sehen sich also mehr als früher gezwungen, Datenpannen zu melden. Insge- samt ist mein Eindruck allerdings, dass das Niveau der Datensicherheit ansteigt - das gilt aber auch für das Ausmaß der Bedrohungen der Datensicherheit. Welche aktuellen Entwicklungen gibt es, und wie wirken sich diese auf die Meldepflichten der Unternehmen an die Aufsichtsbehörden aus? Seit dem Wirksamwerden der DSGVO wer- den meiner Dienststelle wesentlich häufiger Fehler beim Umgang mit Daten gemeldet. Das ist einerseits erfreulich, denn diese Mel- depflicht gehört zu den zentralen Vorgaben der DSGVO. Andererseits steht hinter einer solchen Meldung zumeist eine Nachlässigkeit oder ein Organisationsverschulden. Die An- zahl der Meldungen von solchen Verletzun- gen des Schutzes personenbezogener Daten, umgangssprachlich Datenpanne genannt, ha- ben sich seit Mai 2018 verzehnfacht. Der Branchenverband Bitkom hat zum Grundproblem erklärt, dass in der Verord- nung zu wenig zwischen Konzernen und dem Mittelstand unterschieden wird. Wie sehen Sie das? Die Datenschutzgrundverordnung sieht tat- sächlich praktisch keine Sonderregelungen für kleine und mittlere Unternehmen vor. Das ist ein Mangel an Differenzierung, den wir auch als Aufsichtsbehörde kritisieren. Interview: Olga Heiland
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