Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September '19 -Südlicher Oberrhein

Wirtschaft im Südwesten 9 | 2019 24 REGIO REPORT  IHK Südlicher Oberrhein Hochschule Offenburg Sie wurde 1964 als Staatliche Ingenieurschule gegründet, 1978 durch den betriebswirtschaftlichen Standort in Gengenbach ergänzt und entwickelte in den 1990er-Jahren weitere Studien- angebote im Bereich Medien sowie Master-Studiengänge mit internationaler Ausrichtung. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Studierenden mehr als verdoppelt. Heute studieren an den beiden Standorten Offenburg und Gengenbach mehr als 4.500 junge Menschen. Die vier Fakultäten bieten ein breites, interdisziplinäres und praxisorientiertes Fächerspektrum: Betriebswirtschaft undWirtschaftsingenieurwesen, Elektrotech- nik und Informationstechnik, Maschinenbau und Verfahrens- technik sowie Medien und Informationswesen. Die Hochschule kooperiert mit zahlreichen Partnern aus derWirtschaft hinsicht- lich Praktika und Abschlussarbeiten ihrer Studierenden oder auch deren späteren Berufseinstieg. Zudem garantiert der In- formationsaustausch zwischen Professoren der Hochschule und Ingenieuren aus der Arbeitswelt eine Ausbildung, die sich am aktuellen Stand der Technik orientiert. wis staurant, das sie zusammen mit ihrem Bruder vor zwei Jahren von ihren Eltern übernahm, mittlerweile komplett digitalisiert. Statt Dienstplänen auf Papier gibt es jetzt Apps auf dem Handy. So weiß jeder Mit- arbeiter sofort über jede Änderung Bescheid, und die Hotelchefin, Mut- ter von vier Kindern, kann auch mobil daran arbeiten. „Das hat wahnsinnig viel vereinfacht“, berichtete Hättich. Gerade hinsichtlich rechtlicher An- forderungen zu Arbeitszeiten oder Datenschutz ließen sich digitalisierte Prozesse einfacher anpassen. Aber sie merkte auch, dass es wichtig ist, ihre 18 Mitarbeiter „abzuholen“. Des- halb haben sie und ihr Bruder den Wandel schrittwei- se vollzogen und den Generationswechsel als Start- schuss genutzt. Die einen rufen „hurra“, die anderen fürchten um ihren Arbeitsplatz. So erlebt Frank Semling die Reaktion der insgesamt fast 5.000 Hansgrohe-Mitarbeiter auf Ver- änderungen. „118 Jahre Historie kann man nicht über Bord schmeißen“, sagte der für Digitales und Arbeit zuständige Hansgrohe-Vorstand. Er sieht seine große Aufgabe darin, den Menschen die Angst zu nehmen, sie Digitalisierung als Chance sehen zu lassen. Dabei gehe es weniger um Technik als um Gewohnheiten. „Man muss das Mindset ändern“, betonte Semling. Das koste mitunter alte Hierarchien und Denkweisen, denn die neuen Technologien erforderten agile Teams und neue Partner- schaften. Ein solcher Partner ist beispiels- weise die Hochschule Offenburg. Mehr als die Hälfte der rund 70 Studierenden, die jährlich bei Hansgrohe Praktika machen oder Diplomarbeiten schreiben, kommen von hier und bringen neue Ideen mit. „Mit jedem Studenten lernen wir etwas dazu“, sagte Semling. Winfried Lieber sieht in der Digitalisierung kein plötzliches Phänomen. Sie breite sich nur auf immer neue Bereiche aus und erfor- dere ein Umdenken. Der Hochschulrektor ist optimistisch, dass die Unternehmen der Region den Wandel bewerkstelligen. „Ich erlebe, dass KMU sehr kla- re Vorstellungen davon haben, was sie machen müssen“, sagte Lieber. Er sei „positiv gestimmt, dass ein Aufbruch da ist“. Allerdings bemängelte er die fehlende Unterstüt- zung von staatlicher Seite. Die angewandte Forschung der Hochschule Offenburg wachse zwar jedes Jahr um zehn bis fünfzehn Prozent. Der Bedarf sei aber noch größer. „Es tut weh, dass wir nicht mehr Flexibilität von Bund und Land bekommen“, klagte Lieber. Um Wissen aus der Hochschule in die Unternehmen zu transferie- ren, brauche es beispielsweise Zwischenfinanzierungen für den Prototypenbau. Die Aussage „es funktioniert“ reiche für Unternehmen halt nicht aus. Darin waren sich Lieber und IHK-Präsident Auer einig. Diese „Innovati- onslücke von der Forschung in die Anwendung“ (Lieber) gelte es schnell zu schließen. kat »Man muss das Mindset ändern« Frank Semling , Vorstand Digital/Arbeitsdi- rektor Hansgrohe SE »KMU haben sehr klare Vorstellungen, was sie ma- chen müssen« Winfried Lieber , Rektor Hochschule Offenburg Alle Bilder auf der Doppelseite: Michael Bode

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