Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August '19 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
7+8 | 2019 Wirtschaft im Südwesten I Innovationsforum Zerspanungstechnologie Herausforderung Systemwandel in der Automobilindustrie D ie IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, der Technologieverbund Technology Mountains und das Kompetenzzentrum für Spanen- de Fertigung an der Hochschule Furtwangen (KSF-Institut) hatten zum Innovationsforum Zerspanungstechnologie in die Stadthalle Tuttlingen eingeladen. Dort referier- ten und diskutierten mehr als 180 Teilnehmer über wegweisende Entwicklungen, Forschungsergebnis- se und Ideen in der Zerspanungstechnologie. „Wir alle wissen, dass unsere Zerspanungsbran- che vor einigen Herausforderungen steht, über die wir hier auf diesem Forum reden müssen“, sagte IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd in ihrer Be- grüßungsansprache. Diese Herausforderung fokus- siert sich vor allem im Systemwandel in der Automobilindustrie. Hakenjos-Boyd ist sich sicher, dass sich der Markt in Richtung Elek- tromobilität verschiebt – aber auch, dass die weltweite Nachfrage nach Hybrid- und Verbrennungsmotoren steigen werde. Zuversichtlich für die Zukunft Deshalb fordere sie Technologieoffenheit bei der Entwicklung neu- er Antriebe. „Wir lehnen es ab, sich jetzt schon einseitig auf den elektrischen Antrieb festzulegen.“ Insgesamt zeigte sich die IHK- Präsidentin zuversichtlich, was die regionale Zerspanungsindustrie anbelangt. „Ich bin mir sicher, dass unser Know-how in der Präzision künftig mehr denn je gefragt sein wird. Zerspanen bleibt maßgebli- che Fertigungstechnologie.“ Harald Stallforth, Vorstandsvorsitzen- der des Technologieverbundes Technology Mountains, bezeichnete die Zerspanungsbranche sogar als den Wirtschaftsmotor der Region schlechthin, der zwar traditionell anmuten würde, jedoch ein hoch innovativer Bereich sei. Konrad Wegener, Professor und Institutsleiter an der Eidgenös- sischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, sprach über die notwendige Koexistenz von subtraktiver und additiver Fertigung: Denn die additive Fertigung sei ein Urformverfahren, das erst durch die Nachbearbeitung funktionale Oberflächen und geometrische Genauigkeit erhalte. „Die additiven Fertiger denken, dass die Teile automatisch fertiggestellt aus der Ma- schine kommen. Dem ist aber nicht so“, erklärte er dem Fachpublikum. Die Lösung sei eine Kombipro- duktion aus dem Aufbauen von Bauteilen mit additi- ver Fertigungstechnologie und dem Abschleifen: So entstehe ein Hybridbauteil. Um moderne Zerspanungstechnologien ging es bei dem Ausblick von Bahman Azarhoushang. Der Professor präsentierte seine Forschungsergebnisse zur Hochgeschwindigkeitszerspanung: Demnach sei die Schnitt- geschwindigkeit der wichtigste Parameter bei der Zerspanung hinsichtlich Leistung, Kosten, Produktivität, Energie- und Ressour- ceneffizienz sowie der Werkzeugstandzeit. „In Zukunft werden noch höhere Schnittgeschwindigkeiten bei den Zerspanungsprozessen eingesetzt“, blickte der Leiter des KSF-Instituts in die Zukunft. Etabliertes Format Abgerundet wurde das Forum durch eine begleitende Ausstellung, in welcher 20 Unternehmen ihr Know-how in der Zerspanungstechnik anschaulich präsentierten und die Teilnehmer zum Erfahrungsaus- tausch und Netzwerken einluden. „Wir freuen uns sehr, dass sich das Innovationsforum Zerspanungstechnologie als Plattform eta- bliert hat, um Kontakte mit Geschäfts- und Entwicklungspartnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zu knüpfen“, resümierten die drei Veranstalter. VG Daniela Jardot, Fachbereich Innovation | Technologie, 07721 922-121, jardot@vs.ihk.de »Know-how in der Präzision wird künftig mehr denn je gefragt sein« Meinungsaustausch im Rahmen der Begleit- ausstellung (Bild rechts). Rund 180 Fachleute aus Unternehmen und Wissenschaft waren gekommen, um sich beim Innovationsforum Zerspanungstechnologie in Tuttlingen zu informieren (links). Bilder: Michael Kienzler
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