Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'19 -Südlicher Oberrhein
6 | 2019 Wirtschaft im Südwesten 49 DEISSLINGEN. Dinge, die der eine nicht mehr braucht, können für den anderen wertvoll sein. Mit der Idee der Wiederverwertung von Rohstof- fen, neudeutsch Recycling, verdient die Firma Schuler ihr Geld und das schon seit 100 Jahren. Dieser Tage feiert man in Deißlingen Jubiläum. Der gelernte Feinwerkmechaniker August Schuler startete 1919 mit einem Gasthaus in die Selbstständigkeit und begann parallel, mit Schrott zu handeln. Per Pferdegespann holten er und sein Bruder anfangs das Material bei den Kunden ab. In den 1920er-Jahren kaufte die Firma einen Lkw, es war der erste luftbereifte Lastkraftwagen der Region, und August Schulers Frau Maria bald die einzige Frau im Dorf mit Führerschein. 1936 erwarb der Firmengründer das Grundstück zwischen Bahngleisen und B27, das noch heute der Hauptsitz ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Söhne Erwin und Ernst in den Betrieb ein, der seit 1950 als Schuler Rohstoff GmbH firmiert. Mit dem Wirtschaftswunder wuchsen die Abfallmenge und das Unternehmen, das bald 100 Mitarbeiter beschäftigte. 1952 eröffnete Schuler die Nieder- lassung in Singen, die zu einer wichtigen Basis für den Export in die Schweiz und nach Italien wurde. Neue Maschinen, Technologien und gesetzliche Anforderungen veränderten den Rohstoffhandel im Lauf der Jahrzehnte. Heute ist Schuler eines der modernsten Recyclingunternehmen in Süddeutschland, vor allem seit den jüngsten Investitionen. Anfang der Nullerjahre steckte das Unternehmen, das Bettina Schuler-Kargoll zusammen mit ihrem Mann Dietmar Kargoll seit 1994 leitet, etwa acht Millionen Euro in ein neues Betriebsge- Schuler Rohstoff feiert 100. Jubiläum Profis für Abfallverwertung lände in Singen. Und von 2008 bis 2012 flossen rund 20 Millionen Euro in die Modernisierung und Erweiterung des Hauptsitzes in Deißlingen. Es war die größte Investition in der Firmenge- schichte. Die alte Verwaltung, das Werkstattge- bäude und die Lagerhallen wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt, die Fläche auf knapp 70.000 Quadratmeter verdoppelt. Es ent- standen eine große Wertstoffhalle mit moderner Anlagentechnik, eine Abwasserbehandlungs- und eine Photovoltaikanlage. Die Abfallprofis sammeln in einem Umkreis von rund 100 Kilometern um die beiden Standorte ein, was andere los werden wollen: von Metall- und Kunststoffabfällen über Elektronikschrott und Holzreste bis zu industriellen Produkti- onsabfällen, Chemikalien, Textilien, Glas und Papier. Schuler stellt dafür Behälter bereit und holt diese ab, schreddert vor Ort oder plant mit der Tochter Recon GmbH komplette Ent- sorgungsanlagen für Produktionsabfälle bei den Kunden. Dazu zählen Industrie-, Dienst- leistungs- und Handelsunternehmen, Hand- werksbetriebe und Privatleute. In Deißlingen und Singen werden die Abfälle sortiert, zerteilt, paketiert und schließlich verkauft. Die Abneh- mer sind Stahl- und Schmelzwerke, Gießereien sowie papier- und kunststoffverarbeitende Industrieunter- nehmen in Deutschland, Europa und zu einem klei- nen Teil weltweit. Der Umsatz schwankt stark mit den Rohstoffpreisen, deshalb beziffert man das Geschäft in Tonnen. Rund 280.000 hat Schuler vergangenes Jahr umgeschlagen, das entspricht gut 23.000 Tonnen monatlich. Die Zahl der Mitarbeiter liegt mittlerweile bei über 160 – einschließlich der zwei Töchter Recon in Deißlingen und Neidhardt Rohstoff GmbH in Mem- mingen, die Schuler 2017 übernommen hat. kat Über 23.000 Tonnen Schrott pro Monat ver- arbeitet die Schuler Roh- stoff GmbH (Bild unten). Bettina Schuler-Kargoll und ihr Mann Dietmar Kargoll (oben) leiten den Deißlinger Entsorgungsfachbetrieb in dritter Generation.
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