Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'19 - Südlicher Oberrhein
Wirtschaft im Südwesten 5 | 2019 8 Große Unternehmen Pfizer A ls deutsche Tochter eines weltweit tätigen Phar- makonzerns eine Produktion in Deutschland aufrecht zu erhalten: Das ist nicht selbstver- ständlich. Diese auch noch wachsen zu lassen, schon gar nicht. 185 neue Mitarbeiter hat der größte deutsche Pfizer-Standort 2018 eingestellt. Insgesamt arbeiten jetzt rund 1.200 Frauen und Männer in Freiburg für den amerikanischen Pharmariesen. „Zukunftswerk“ nennt Pfizer diesen Standort, der sich auf die Entwicklung und Markteinführung spezialisiert hat. Als „Launch-Stand- ort“, an den die Produktion neuer, fester Arzneimit- tel vergeben wird, wurde Freiburg zu einem der wichtigsten Werke des Konzerns. Pfizer fertigt hier jährlich rund fünf Milliarden Tabletten und Kapseln in 200 Millionen Verpackungen. Zudem ist Freiburg das weltweit größte Abpackwerk fester Pfizer-Arzneien. Über 200 verschiedene Medikamente, vom Schmerzmittel bis zum Krebs- therapeutikum, gehen von Südbaden in mehr als 150 Länder. Die Exportquote liegt bei 95 Prozent. Pfizer investiert aktuell kräftig in sein Zukunftswerk, die Ausgaben für drei neue Produktionsanlagen sum- mieren sich auf rund 190 Millionen Euro. Zwei Anlagen sind in Betrieb und zugleich der Grund für die bereits getätigten Neueinstellungen. Die dritte Anlage soll 2020 ihren Betrieb aufnehmen. „Dafür werden wir in diesem Jahr massiv einstellen“, sagt Personalchef Uwe Lürig. Er rechnet nochmals mit etwa 200 zusätzlichen Mitarbeitern, vor allem für Produktion und Abpackung sowie Qualitätsorganisation. Weil es bei Weitem nicht ausreichend viele Pharmakanten und Laboranten gibt, stellt Lürig viele Quereinsteiger beispielsweise aus der Lebensmittelbranche ein. Den Zuwachs kann der Stand- ort, der selbst rund 50 Auszubildende zählt, nicht aus dem eigenen Nachwuchs bewerkstelligen. Deshalb ist Pfizer auf allen Feldern der Rekrutierung unterwegs, von der Printanzeige über Internetportale bis zu Jobbör- sen. Seit März wirbt das Unternehmen auch auf einer Straßenbahn für sich als Arbeitgeber. Zu Recht, wie die niedrige Fluktuation und die hohe durchschnittliche Betriebszugehörigkeit zeigen. Deshalb setzt Pfizer auch auf Empfehlungen der eigenen Mitarbeiter: Sie erhalten regelmäßig eine Übersicht aller offenen Stellen. kat Mittlere Unternehmen Sauter Grün erleben D as Geschäft mit Blumen und Pflanzen hat sich in den ver- gangenen Jahrzehnten stark verändert. Schnittblumen und Topfpflanzen gibt’s beim Discounter und im Supermarkt, beim Möbelhaus oder im Baumarkt – zu entsprechend niedrigen Preisen. Der Strukturwandel macht Floristen und Gärtnereien das Leben schwer, viele kleine Betriebe geben auf. Nicht so die Familie Sauter. „Wir haben den Ehrgeiz, den Markt nicht an die Branchenfremden abzugeben und versuchen, uns einer Verkaufsform anzuschließen, um da mitzuhal- ten“, sagt Ralf Sauter. Gemeinsam mit seiner Frau Astrid Sauter führt er die gleichnamige Waldkicher Gärtnerei in dritter Generation und hat sie kräftig ausgebaut. Der 2.000 Quadratmeter große Stammsitz ist heute der kleinste der mittlerweile drei Standorte. Die Sauters haben sich auf den Verkauf spezialisiert und der Werbegemeinschaft „Grün erleben“ angeschlossen. Vor zehn Jahren haben sie die Gärt- nerei Huber in Gundelfingen nördlich von Freiburg übernommen und zu einem 6.000 Quadratmeter großen Gartencenter ausgebaut. Vergangenes Jahr kam ein 5.000 Quadratmeter großes neues Ge- schäft samt Café in Lahr hinzu. 28 Frauen und Männer für Gärtnerei, Handel und Gastronomie haben die Sauters dort eingestellt, auch viele Quereinsteiger und Menschen mit ungewöhnlichen Biografien. „Wir versuchen für jeden, der zu uns passt, eine Lösung zu finden“, sagt Ralf Sauter. Die Zahl der Mitarbeiter ist jetzt insgesamt auf 87 gestiegen. Der Umsatz hat etwa ein Drittel zugelegt. In ihren drei Gartencentern verkaufen die Sauters natür- lich hauptsächlich Pflanzen, zu einem großen Teil aus der eigenen Produktion. Rund eine Million zieht der Betrieb jährlich – Blumen und Stauden, Kräuter und Gemüse. Rosen, Obstbäume, viele Zimmerpflanzen kauft er zu. Genauso wie das umfangreiche Sorti- ment von Accessoires. „Die Leute kommen nicht mehr speziell wegen einer Primel, sondern weil sie bummeln wollen“, sagt Ralf Sauter. Gerade im Herbst und Winter, wenn die Gartenarbeit ruht, komme das Zusatzsortiment zum Tragen. Der Betrieb ist gut aufgestellt, „ich habe keine Zukunftsängste“, sagt der Chef. Das sehen seine 28 und 26 Jahre alten Töchter Karen und Lucia offenbar genauso. Sie sind als vierte Generation in den Familienbetrieb eingestiegen. kat NEU geschaffene Arbeitsplätze Gärtnermeister und Geschäftsführer von Sauter Grün erleben: Ralf Sauter. Pfizer- Produktion in Freiburg.
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