Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'19 - Hochrhein-Bodensee
5 | 2019 Wirtschaft im Südwesten 31 IHK Hochrhein-Bodensee REGIO REPORT Gut besuchte Veranstaltung zur psychischen Gefährdungsbeurteilung im Betrieb „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ S eit dem 1. Januar 2014 fordert das Arbeitsschutz- gesetz explizit die Berücksichtigung der psychi- schen Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung. Das heißt, alle Unternehmen müssen auch jene Gefährdungen für ihre Beschäftigten ermitteln, die sich aus der psychischen Belastung bei der Arbeit ergeben. Aber wie setzt man solch eine Beurteilung um? Darüber informierten sich viele Teilnehmer bei der Vortragsveranstaltung „Psychische Gefähr- dungsbeurteilung im Betrieb“ der IHK Anfang April. Im Rahmen dieser Veranstaltung referierte Thomas Dufner, leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit beim Regierungspräsidium Freiburg, über verschiedene Lö- sungsmöglichkeiten zum Durchführen dieser gesetz- lichen Verpflichtung. Diese sei sehr wichtig, werde jedoch oft von den Unternehmen unterschätzt, so Dufner. „Bei Betrieben geht es oft um Investitionen in Betriebsgüter, um Investitionen, die man sieht. Bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung hingegen wird in den Menschen investiert, er steht dabei im Mittelpunkt. Das geht in die Tiefe, erfüllt aber mit der Zeit auch eine sichtbare Wirkung.“ Gesunde und zufriedene Mitarbeiter sind für jedes Unternehmen ein grundlegender Stabilitätsfaktor. Ähnlich wie bestimmte Arten und Ausprägungen körperlicher Belastung gesundheitsgefährdend sein können, können auch psychische Belastungen bei der Arbeit gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen haben. Psychische Erkrankungen sind inzwischen einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit, Fehltage und Frühverrentung. Dafür kann eine Vielzahl unterschiedlicher psychisch bedeutsamer Einflüsse verantwortlich sein: etwa andauernd hoher Leis- tungsdruck, fehlende Wertschätzung, Unsicherheit des Arbeitsplatzes oder die Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Diese Faktoren führen nicht nur zu Kurz- zeiterkrankungen, sondern zu häufig langen Ausfall- zeiten. Somit haben sie auch Auswirkungen auf ande- re Mitarbeiter. „Dort, wo jemand wegen überhöhter psychischer Belastung im Betrieb fehlt, belastet er andere, weil die Arbeit aufgefangen werden muss,“ sagt Thomas Dufner. Es sei deshalb wichtig, die Be- lastungen frühzeitig zu erkennen – ganz nach dem Motto: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ In der Veranstaltung beschrieb er einen Korridor, in dem die Gefährdungsbeurteilung zur Ermittlung psychischer Belastungen umgesetzt werden kann, der auch für kleinere und mittlere Betriebe machbar erscheint. Die Betriebe sollten dann auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung passende Maßnahmen zur Prävention entwickeln. Eine Möglichkeit der Präven- tion sieht Dufner zum Beispiel in der Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Muss sich zum Beispiel ein Mitar- beiter um die Pflege eines Angehörigen kümmern, so braucht er Arbeitszeiten, die sich damit vereinbaren lassen, um nicht überlastet zu werden. Eine weitere Lösungsmöglichkeit seien regelmäßige Mitarbeiterge- spräche. Es brauche einen offenen Dialog zwischen Arbeitgeber und -nehmer, um zu erkennen, wie es um die Belastung bestellt ist um diese im Einzelfall gege- benenfalls auch individuell abbauen zu können. Mit- arbeiterbefragungen oder Gruppeninterviews bilden eine Möglichkeit der Analyse psychischer Belastungen und damit die Grundlage für ein Frühwarnsystem im Betrieb. Lösungen von der Stange gibt es allerdings nicht, weiß Dufner. Jeder Betrieb muss die Natur der verschiedenen Belastungen erkunden und sich indivi- duell darauf einstellen. Doch der Aufwand ist es wert. „Es geht nicht darum, ob man es sich leisten kann, eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchzufüh- ren, sondern ob man es sich leisten kann, es nicht zu tun“, so Dufners Fazit. doe Weitere Termine DieVeranstaltung zur psychischen Gefährdungsbeurteilung war Teil der Reihe „Gesund im Betrieb“, die die IHK regel- mäßig anbietet. Die weiteren Termine für 2019: 1. Juli Themenschwerpunkt „Gesunde Kommunikation“ in der IHK in Schopfheim, 7. November Themenschwerpunkt „Stress und Burn- out“ in der IHK in Konstanz, jeweils von 16 bis 18 Uhr. Yvonne Feißt, 07622 3907-265, yvonne.feisst@konstanz.ihk.de Der Dozent Thomas Dufner mit den Se- minarteilnehmern im Hintergrund.
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