Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'18 - Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 12 | 2018 30 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Projekt PO.RE.NU Für die Qualifizierung An- und Ungelernter M it verstärkten Anstrengungen zur Qualifizierung an- und ungelernter Beschäftigter soll das Fach- kräftepotenzial der Region besser genutzt werden. So erklärt sich die Abkürzung des neuen Projektes PO.RE. NU, das Vertreter der IHK, der Handwerkskammer (HWK) und der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen in der BBT vorgestellt haben. IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez machte deut- lich, dass „es nicht die eine Lösung zur Überwindung des Fachkräftemangels gibt. Wir müssen viele Wege be- schreiten“. Für die nächsten drei Jahre - für diesen Zeit- raum fördern Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie der Europäische Sozialfonds das Projekt - bildet die Qualifizierung einen Fokus der Anstrengungen. Denn bis zu 25 Prozent der Beschäftigten in Industriebetrie- ben besitzen keinen Berufsabschluss. Diese Zahl nannte Hugo Frey, der die IHK projektbegleitend berät. Frey ist auch Projektleiter für die Vergabe des IHK-Siegels „Attraktiver Arbeitgeber“. Schaffung langfristiger Strukturen Angesiedelt ist das auf drei Jahre angelegte Projekt bei der BBT. Dessen Geschäftsführer Harald Hauptmann verwies auf die breite Vernetzung: Neben IHK und HWK sind die Tarifvertragsparteien IG Metall und der Arbeit- geberverband Südwestmetall und auch die Agentur für Arbeit im Boot. Zudem werden Bildungseinrichtungen des Handwerks eingebunden. Und natürlich denke man nicht in einem Drei-Jahres-Zeitraum, sondern nachhal- tig: „Unser Ziel lautet, langfristige Strukturen für die Personalqualifizierung gerade in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu schaffen und zu etablieren.“ In großen Unternehmen werde dieses Thema professionell umgesetzt, in kleineren gebe es aber Defizite. „Wir sehen das Projekt auch als das Angebot gewissermaßen einer externen Personal- und Beratungsressource für KMU“, verdeutlichte Albiez. HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner wies darauf hin, dass ein Viertel der Handwerkskammerbetriebe Facharbeiterstellen nicht nur stark verzögert, sondern derzeit gar nicht besetzen könne. Auch wenn die derzeit extreme Auftragslage es schwer mache, Mitarbeiter für Qualifizierungen abzustellen, sei dies für die Zukunftsfä- higkeit dennoch unverzichtbar: „Auch im Handwerk wer- den die Gewerke immer komplexer und anspruchsvoller.“ Schneller Projektanlauf Alle Projektbeteiligten zeigten sich optimistisch, sehr schnell interessierte Unternehmen zu finden, die das Projekt mit Leben füllen: „Schon wenige Tage nach Pro- jektanlauf sind wir mit mehr als 20 Unternehmen im Kontakt“ berichtete Frey. Besonders positiv sei, dass die Unternehmen dabei nicht auf die Förderung schielten, sondern bereit seien, eigene Mittel in die Qualifizierung zu investieren. „Das Potenzial liegt in den Menschen. Wir freuen uns auf die Aufgabe, denn es hilft dem Einzelnen als auch den Unternehmen. Somit besitzt das Projekt durchaus eine wirtschaftspolitische Dimension“ blickte Hauptmann gespannt voraus. spr Martina Furtwängler Fachbereich Berufliche Ausbildung Telefon: 07721 922-164 furtwaenglerm@vs.ihk.de Bild: Stefan Preuß Das Projekt Es ist geplant, 100 Unternehmen aus der Region zu gewinnen, in denen Weiterbildungs-Multiplikatoren gefunden und ausgebildet werden, die den Bedarf der Beschäftigten systematisch erfragen und dafür sorgen, den ermittelten Bedarf mit entsprechenden Maßnahmen abzudecken. „Wir arbeiten darauf hin, dass es zu einer Verstetigung der Qualifizierungsbe- mühungen kommt und sich durch die Multiplikatoren die Situation nachhaltig positiv ändert“, sagt IHK-Ge- schäftsbereichsleiterin Martina Furtwängler.Weiteres wichtiges Ziel: Insbesondere Frauen in Führungspo- sitionen sollen im Rahmen des Projektes motiviert werden, an diesen Weiterbildungsprogrammen für Multiplikatoren teilzunehmen. spr Gaben den Auftakt zum Projekt PO.RE.NU: Thomas Albiez, Harald Hauptmann, Martina Furt- wängler, Hugo Frey und Georg Hiltner (von links).
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