Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'18 - Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 12 | 2018 22 REGIO REPORT   IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Z ehn Jahre Innovation Forum Medizintechnik bedeu- teten für Technology Mountains-Geschäftsführerin Yvonne Glienke zehn Jahre „zündende Ideen“ – und in der Tuttlinger Stadthalle sprang der Funke auch bei der Jubiläumsveranstaltung über. Hochkarätige Keynotes, Fachvorträge und Aussteller boten unzählige Impulse, die Branche in die Zukunft zu tragen. Yvonne Glienke blickte bei der Begrüßung mit dem Technology Moun- tains-Vorstandsvorsitzenden Harald Stallforth auf eine Dekade Innovation Forum Medizintechnik zurück. Von Anfang an sei es das große Ziel gewesen, die Akteure innerhalb der Branche stärker zu vernetzen, erinnerte Stallforth. Dies sei gelungen und auch künftig die Prä- misse: „Vernetzung ist das Wort der Zukunft. Keiner kann mehr allein die Technologien von morgen beherr- schen.“ Die Einschätzung konnte Reinhold Ewald in seiner Key- note nur bestätigen. „Die Arbeit im All und die Arbeit am Boden gehören zusammen“, daher sei die Raumfahrt ein gutes Beispiel für erfolgreiches interdisziplinäres Wirken. Wie dies geschieht, vermittelte der Professor für Astronautik und Raumstationen an der Universität Stuttgart anschaulich und unterhaltsam. Für Bereiche, die auf der Erde „ausgeforscht“ seien, „braucht es die Schwerelosigkeit, um einen Schritt voranzukommen“, so Ewald. Er hatte 1997 rund vier Wochen an Bord der russischen Raumstation MIR verbracht. Lärm, Enge, Ein- tönigkeit und 16 Erdumrundungen in 24 Stunden sorgten zwar für Stress und einen überforderten Biorhythmus. Dennoch wirke ein Raumflug wie eine „Jungkur“, ver- deutlichte Ewald: Fältchen füllen sich wie durch Zau- berhand; Astronauten wachsen bis zu fünf Zentimeter, da sich die Bandscheibenzwischenräume mit Wasser füllen. „Der Mensch ist fürs All geschaffen“, bilanzierte er. Herz, Nieren und Lunge bräuchten zwar eine gewisse Zeit der Anpassung, „laufen aber nicht aus dem Ruder“. „Diese Dynamik des Lebens ist faszinierend“, unter- strich Hanns-Christian Gunga in seinem Vortrag. Er beschäftigt sich an der Charité Berlin mit den Auswir- kungen der Schwerelosigkeit – die immer wieder neue Fragen aufwerfen. Beispielsweise steigt bei Astronauten die Körperkerntemperatur regelmäßig auf ein Niveau, das normalerweise hohem Fieber entspräche. Dennoch fühlen sich die Raumfahrer gesund und fit. Um dies genauer zu erforschen, wurde in Zusammenar- beit mit einem Medizintechnikunternehmen ein auf der Haut platzierter Wärmeflusssensor entwickelt, der die ebenso unpraktischen wie unangenehmen Rektalson- den ersetzt. Der Temperaturmesser kommt nun unter anderem bei Feuerwehrleuten und Neugeborenen zum Einsatz – auch auf diese Weise wirkt „Weltraumtechno- logie“ auf der Erde. Die kurzweiligen Keynotes fanden im Eröffnungstalk ihre Fortsetzung. IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez beleuchtete den Grundgedanken des Innovation Forum. Die Idee sei gewesen, „sich aus verschiedenen Bilder: Technology Mountains/ Michael Kienzler »Ein Raumflug wirkt wie eine Jungkur« Zehn Jahre Innovation Forum Medizintechnik „Schwerelosigkeit, um einen Schritt voranzukommen“ Eröffneten das zehnte Innovation Forum Medizin- technik: Harald Stallforth, Katrin Sternberg, Yvonne Glienke, Reinhold Ewald und Hanns- Christian Gunga (von links):

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