Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'18 - Südlicher Oberrhein

Wirtschaft im Südwesten 11 | 2018 26 REGIO REPORT   IHK Südlicher Oberrhein Digital oder stationär? Thementag Wirtschaft der IHK Südlicher Oberrhein zur Zukunft des Handels Mit Service und Beratung punkten W ie werden wir in Zukunft in Einzel-, Großhandel und Industrie einkaufen? Mit dieser Frage setzten sich Experten und Publikum beim Thementag Wirtschaft der IHK Südlicher Oberrhein auf der Landes- gartenschau in Lahr auseinander. Über 120 Teilnehmer interessierten sich dafür, wie sich Unternehmen auf die Digitalisierung einstellen. Für das Podium hatte die IHK je einen Vertreter aus dem Einzel- und dem Großhandel sowie der Industrie eingeladen: Peter Tepaß, Geschäftsführer Vertrieb Obi GmbH & Co. Deutschland KG, Markus Bru- der, Geschäftsführer Friedrich Streb Franz Bruder GmbH, Offenburg, und Andrea Buß- mann, Geschäftsführerin Grohe Deutsch- land Vertriebs GmbH. Schnell wurde in der von IHK-Präsident Steffen Auer moderier- ten Runde klar: Die Digitalisierung zwingt die Unternehmen zum Handeln. Wer seine Kunden nicht verlieren möchte, muss sich auf die geänderten Bedürfnisse einstellen. „Durch das Internet sind die Endkunden viel informierter als frü- her und nehmen mehr Einfluss“, beschrieb Sanitärexpertin Andrea Bußmann, deren Unter- nehmen viele digitale Produkte fürs Badezimmer anbietet. Dabei spiele die Vernetzung eine große Rolle. Da die Haushalte elektronischer werden, achte man auf offene Schnittstellen, damit diese Vernetzung gelingen könne. Die Digitalisie- rung führe auch dazu, dass Berufsbilder angepasst werden müssten. Die einzelnen Gewerke würden künftig noch stärker mit- einander vernetzt werden. Auf diese Herausforderung stellt man sich beim Großhändler Streb ein. Geschäftsführer Markus Bruder berichtete, wie sein Unter- nehmen künftig Handwerker und Händler mit digitalen Serviceleistungen unterstüt- zen möchte: „Wir helfen beispielsweise bei der Problemlösung vor Ort, indem die Hand- werker sich digital mit unseren Fachleuten vernetzen können.“ Eine Filmsequenz zeig- te, wie ein Elektriker mit Videobrille einen Servicemitarbeiter einbeziehen kann und so bei Bedarf in einem Schritt auch das richtige Ersatzteil für ihn bestellt wird. „Menschen machen Märkte, die Beratung ist entschei- dend“, betonte Bruder. „Das wird so bleiben, nur die Prozesse werden digitalisiert.“ Obi-Manager Peter Tepaß setzt ebenfalls auf Beratung: „Wir müssen den Kunden auf seiner Einkaufsreise begleiten. Bei vielen Produkten kommt es auf Haptik und Optik an, die das Internet nicht bieten kann.“ Den Einzelhandel werde es in zehn Jahren noch geben, aber die Händler müssten ihre Geschäftsmodelle überdenken und das digitale mit dem statio- nären Geschäft verbinden. Die Einkaufsrei- se der Kunden beginne immer häufiger im Internet, wo sich der Kunde zuerst informiert. Deshalb sei es auch für kleine Händler ext- rem wichtig, online präsent zu sein. Tepaß glaubt nicht daran, dass die Größe des Händ- lers oder der Preis allein entscheidend sind. Es komme auf Schnelligkeit und Service an. Obi setzt beispielsweise auf Onlinetools, mit denen die Kunden ganze Projekte wie eine Terrasse zu Hause planen und mit der Planung in den Baumarkt kommen können. Auf Auers Frage, ob sich die Unternehmen die Beratungsleistung bezahlen lassen soll- ten, gab es keine einheitliche Antwort. Man müsse abwarten, wie sich der Wandel im Handel und im Kundenverhalten entwickelt. „Das erfordert ein Umdenken. Aber warum sollten wir nur das Produkt und nicht auch den Wert unseres Service verkaufen?“, fragte die Grohe-Chefin. Bei Streb setzt man auf die Gemeinschaft mit anderen Großhänd- lern. Durch die Vernetzung entstehe eine Warenvielfalt, und durch den Verkauf großer Warenmengen oder Komplettlösungen an den Handwerker könne auch der dazugehö- rige Service angeboten werden. Einig waren sich die Podiumsvertreter darüber, dass die Zukunft des Handels nur crossmedial funk- tionieren könne. Ohne Digitalisierung gehe es nicht, aber ohne die Menschen, die den Kunden begleiten, eben auch nicht. „Wir müs- sen die Chancen der Zukunft sehen, nicht die Risiken“, appellierte Obi-Geschäftsführer Tepaß. sb Bilder: Michael Bode Die Digitalisierung zwingt die Unternehmen zum Handeln Auf dem Podium diskutierten beim Thementag Wirtschaft (Bild oben von links) Markus Bruder (Streb), Andrea Bußmann (Grohe) und Peter Tepaß (Obi) mit IHK-Präsident Steffen Auer. Das Publi- kum beteiligte sich an der Diskussion (Bild links).

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