Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'18 - Südlicher Oberrhein

Wirtschaft im Südwesten 11 | 2018 20 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein IHK-Konjunkturumfrage im Herbst: Gute Lage, aber vermehrte Sorgenfalten Wirtschaft hält Kurs A uch im Herbst 2018 kann der Wirtschaft am Oberrhein wie in den vergangenen fünf Jahren bescheinigt werden, dass sie sich in einer aus- gezeichneten Lage befindet. Mit 56 Punkten befindet sich der Index der Geschäftslage nur knapp unter dem Allzeithoch vom Jahresbeginn (61 Punkte) und legt im Vergleich zur Vorumfrage im Frühjahr sogar wieder 5 Punkte zu. 60 Prozent der Unternehmen bewerten die eigene Geschäftslage gut; der Anteil der unzufriedenen Unternehmen bleibt mit 4 Prozent gering. Während also der Status quo weiterhin äußerst positiv bewertet wird, zeigt sich bei den Geschäftserwartun- gen eine Abwärtsbewegung. Nachdem der Index zu Jahresbeginn mit 27 Punkten ein Zwischenhoch er- reicht hatte, geht die Einschätzung der nächsten zwölf Monate bereits zum zweiten Mal in Folge abwärts auf nun 18 Punkte. Mit 29 Prozent rechnet nur noch etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen damit, dass die Konjunktur im kommenden Jahr zusätzlich an Schwung gewinnen kann. Mit 11 Prozent ist der Anteil der Unternehmen, die vom Gegenteil ausgehen, wieder angestiegen. Dies ist angesichts der Vielzahl an kon- junkturellen Störfeuern, die derzeit die Schlagzeilen dominieren, wenig verwunderlich. So ist auch mehr als zwei Jahre nach der Abstimmung zum Brexit noch nicht klar, ob und in welcher Form der freie Waren- und Personenverkehr mit dem Vereinigten Königreich aufrechterhalten werden kann – als sechstgrößter Ab- satzmarkt für baden-württembergische Produkte ein nicht unerheblicher Unsicherheitsfaktor. Auch mit der Schweiz – einem noch wichtigeren Handelspartner gerade für den Oberrhein – steht eine Einigung beim Rahmenabkommen mit der Europäischen Union noch aus. Die Form, in der die Handelsbeziehung zu unserem südlichen Nachbarn in den kommenden Jahren geregelt werden, dürfte für zahlreiche Branchen am Oberrhein ein nicht unwichtiges Thema sein. Vor allem aber ver- schlechtert sich das weltweite handelspolitische Klima zunehmend. Freihandel und liberale Demokratien ver- lieren an Unterstützung, und eine neue Ära des Protek- tionismus droht – für eine exportstarke Region wie den Oberrhein ein wenig erfreulicher Ausblick. Vor Ort bleibt der Fachkräftemangel das beherrschende Thema in den Führungsetagen und Personalabteilun- gen der Region. 60 Prozent aller Unternehmen geben an, dass sie offene Stellen im eigenen Unternehmen längerfristig nicht besetzen können – im Vergleich zum Vorjahr eine erneute Steigerung um 6 Prozentpunkte. Bezüglich des gesuchten Qualifikationsniveaus bleibt die duale Berufsausbildung dominant. Bei 55 Prozent der suchenden Betriebe fehlen Fachkräfte auf diesem Niveau, während es nur 29 Prozent sind, die Hochschul- absolventen suchen. Um dem Fachkräftemangel in der Region zu begegnen, müssen die verschiedenen Poten- ziale genutzt werden. Mehr als die Hälfte der Unter- nehmen möchte die eigenen Aktivitäten in der Aus- und Weiterbildung intensivieren. Ein Weg, der immerhin für 29 Prozent der befragten Unternehmen infrage kommt, ist die Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Schon in den vergangenen Hochkonjunkturjahren ist die Zahl aus- ländischer Fachkräfte in Baden-Württemberg stark an- gestiegen. Vor allem aus Ländern, die im Jahr 2004 in die Europäische Union eingetreten sind (Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern), kamen zahlreiche Fachkräfte in den Südwesten. So hat sich die Zahl der sozialversiche- Vielzahl an konjunkturellen Störfeuern Bild: alphaspirit - Fotolia

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5