Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'18 - Südlicher Oberrhein

11 | 2018 Wirtschaft im Südwesten 9 15 Jahre fortgeschrieben werden, am südlichen Ober- rhein dieses Mal (der neue Regionalplan wurde im ver- gangenen Jahr verbindlich) für die Kieswirtschaft sogar für zweimal 20 Jahre: einmal für den tatsächlichen Ab- bau und die zweiten 20 Jahre für die Sicherung. Auf die Regionalplanung folgen, wenn das Unternehmen den Antrag gestellt hat, die nachgelagerten Zulassungsver- fahren. Bei der sogenannten Nassauskiesung ist eine wasserrechtliche Planfeststellung nötig. Stichworte sind dabei Umweltverträglichkeit (Flora und Fauna, Bodenschutz, Wasserschutz, Luft und Klima, Kultur und sonstige Sachgüter, Schallschutz) sowie Belange der Nachbarn und Grundstücksbesitzer, der Kommu- nen und beispielsweise der Naturschutzverbände. Eine ganze Reihe Fachbehörden sind logischerweise in den Prozess involviert. Genehmigungsbehörden sind das Regierungspräsidium und das betroffene Landratsamt beziehungsweise städtische Behörden im Fall kreis- freier Städte. Wie Thomas Peter ausführt, kommt es zu langen Untersuchungen, Kartierungen, Bohrungen, Modellrechnungen, externen Gutachten und Begehun- gen. Passieren kann auch, dass aufgrund unvorherge- sehener Entdeckungen wie zum Beispiel Wildwechseln, der ganze Prozess von vorne begonnen werden muss und dann ein ganz anderes Gebiet betrifft. Insgesamt, so führt der Unternehmer aus, kann ein solches Geneh- migungsverfahren an die zehn Jahre dauern und ein bis zwei Millionen Euro kosten. Dieser hohe Aufwand ist einer der Gründe dafür, dass es immer weniger kleine Kieswerke gibt: Der Aufwand für ein kleines Werk ist genauso groß wie der für ein großes. Peter ist davon überzeugt: Einige große Werke sind besser als viele kleine. Dabei gilt es allerdings, eine gewisse Dezentra- lität der Abbaustätten zu gewährleisten, sonst werden die Transportkosten und die Belastungen durch Emis- sionen (wie schon ausgeführt) zu hoch. Vor 20 Jahren war ein großes Problem der Kieswer- ke der Konflikt mit dem Naturschutz. Das hat sich grundlegend geändert. Baggerseen, die renaturiert werden, gelten als wichtige Bausteine bei der Förde- rung der Artenvielfalt, der Biotopvernetzung sowie lösungsorientierten Anwendungen des Artenschutzes. Inzwischen arbeiten der Industrieverband Steine und Erden und die Kieswerke eng mit dem Nabu zusam- men. Und man trägt dazu bei, dass die grün-schwarze Landesregierung eine Rohstoffstrategie entwickelt, in die alle an der Rohstoffgewinnung Beteiligten und Betroffenen eingebunden werden. Eben beim Einbinden aller Beteiligten setzt „Kiwi Ober- rhein“ an. Die Abkürzung steht für Kieswirtschaft im Dialog und ist eine Initiative von rund 20 Unterneh- men der Kieswirtschaft, die im vergangenen Jahr ent- stand. Ihr Vorsitzender und Gründer Thomas Peter hat erkannt, dass die Kieswirtschaft ihre Bedeutung und das, was sie tut, in der Öffentlichkeit und spe- ziell bei ihren Nachbarn zu wenig bekannt sind. Bei fast jedem möglichen Ausbau von Kieswerken ste- hen schnell Bürgerinitiativen aus Nachbargemeinden bereit, deren Mitglieder mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Staub und/oder Geruchsbelästigung, mehr Bodenverbrauch, Abholzung von Waldstücken oder Ähnliches befürchten. Als Peter die Initiative ins Le- ben rief, merkte er, dass seine Branchenkollegen sehr häufig vom selben Problem betroffen sind. Da hilft nur Aufklärung, dachte er sich. Erster Schritt war im August ein Tag der offenen Tür im Kieswerk in Nieder- rimsingen, zu dem circa 8.000 Besucher kamen. Sie konnten sich über alle Schritte der Kiesgewinnung, ihre Bedeutung sowie naturschützerische Belange und Bemühungen informieren, oder auch im Buggy das 100 Hektar große Gelände erkunden und einige sogar mit dem Hubschrauber überfliegen. Die Beschäftigten des Werkes – häufig Anwohner der umliegenden Gemein- den – zeigten ihren Mitbürgern ihre Arbeitsplätze, für das leibliche Wohl und die musikalische Begleitung war ebenfalls gesorgt, die lokale Presse berichtete breit. Vielleicht sind solche Aktionen der richtige Weg, um die Beteiligten mit einzubinden und Befürchtungen entgegenzutreten. Für die Politik, Verwaltungen und Vertreter der Wirtschaft möchte KiWi Oberrhein einen Wirtschaftstag ins Leben rufen und dazu zugkräftige Diskutanten einladen. Ulrich Plankenhorn Der hohe Geneh- migungsaufwand ist ein Grund, dass es weniger kleine Werke gibt Kies, Splitt und Sand: Einige Produkte aus der Palette der Kiesindustrie am Oberrhein. Bilder: RMKS

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