Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November '18- Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 11 | 2018 8 titel Entwicklung jedoch eine ähnliche, auch wenn verein- zelte Neuaufschlüsse vorgesehen sind. Im Gegenzug sind jedoch die Abbaumengen pro Kieswerk größer geworden. Sie reichen bis zu einer halben Million Ton- nen pro Werk und Jahr. Das jedenfalls meint Thomas Peter, Mitinhaber und Geschäftsführer des gleichna- migen Unternehmens in Rheinau-Freistett, das in die- ser Gemeinde und auch in Niederrimsingen, südlich des Kaiserstuhls, Kieswerke und weiterverarbeitende Unternehmen betreibt. Häufig sind mit Kieswerken Betriebe etwa für Transportbeton oder Fertigbeton- teile, Baustoffrecyclinganlagen sowie Asphaltwerke verknüpft. Mit der Konzentration auf immer weniger Abbaustätten vergrößern sich jedoch auch die Wege zu den Abnehmern und damit die Belastungen durch Lkw-Verkehre für die anwohnende Bevölkerung sowie die Transportkosten. Ab 50 Kilometern, so rechnet man derzeit, werden die Transportkosten höher als die Kosten für das Material. Am günstigsten und um- weltfreundlichsten ist naturgemäß der Transport per Schiff, weshalb viele in Betrieb befindliche Baggerseen nicht weit vom Rhein entfernt sind. Dann sind auch weite Strecken, etwa in Gebiete und Städte, wo es nur wenig Sand und Kies gibt, zu vertretbaren Kosten möglich. Trotzdem sind die Preisunterschiede groß: In München ist Bausand mit 15 Euro pro Tonne zwei- einhalbmal so teuer wie am Oberrhein (sechs Euro), in Mecklenburg-Vorpommern hingegen mit drei Euro um die Hälfte günstiger. Die Abbaustätten am südlichen Oberrhein werden von gut 30 Unternehmen betrieben, die sich häufig schon seit Generationen in Familienbesitz befinden. Ein Kieswerk, so Thomas Peter, beschäftigt, je nach Größe, 20 bis 70 Mitarbeiter und setzt 60 bis 70 Prozent seiner Produkte in der Region ab. Über den Umsatz der Sand- und Kiesbranche gibt es keine zuverlässigen Zahlen, aber über die Abbaumenge an Sand und Kies. Sie lag im Jahr 2014 (neuere Zahlen sind derzeit nicht verfügbar) bei etwas mehr als 38 Millionen Tonnen im Land, 11 Millionen Tonnen da- von kamen aus 40 Abbaustätten in der Region Süd- licher Oberrhein. Diese Zahlen hat das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau erhoben. Trotz der florierenden Baukonjunktur, so meint Thomas Peter, dürfte die jährliche Abbaumenge in letzter Zeit nicht wesentlich gestiegen sein. Das liege daran, dass immer mehr der vor allem im Tiefbau verwendeten Rohstoffe recycelt werden. Inzwischen sind es zehn Prozent der benötigten Mengen. Kies- und Sandab- bau ist ein ziemlich kapitalintensives Geschäft. Ein neues Kieswerk kostet zwischen 20 und 40 Millio- nen Euro, der Verschleiß der Maschinen ist relativ hoch und führt dazu, dass jeweils im Januar und Februar – wenn wegen Eis häufig nicht im Wasser gebaggert werden kann – die eingesetzten Maschi- nen und Anlagen gewartet werden. Für Gemeinden, auf deren Boden ein Kieswerk arbeitet, ist nicht nur die Gewerbesteuer interessant, sondern auch die dann fällige Kiespacht. Im Fall, dass sogar mehrere Werke auf gemeindeeigenen Flächen arbeiten, kann die Kiespacht zur Goldgrube werden. Der Abbau im Oberrheintal ist, verglichen mit ande- ren Regionen, wo die Kiesschicht wesentlich dün- ner ist, relativ oberflächenschonend, weil er in die Tiefe geht und an immer weniger Orten stattfindet. Das Verhältnis von Kies und Sand ändert sich dabei von Süden nach Norden. Je weiter nördlich, umso mehr Sand, je weiter südlich, umso mehr Kies. Die sogenannte „optimale Sieblinie“, wo das Sand- und Kiesverhältnis ausgewogen ist, liegt bei Kehl. Sowohl Sand als auch Kies sind laut Kieswerkbesitzer Peter im Oberrheintal von hervorragender Qualität. Sie er- geben beispielsweise den Grundstoff für einen sehr guten Beton, der etwa in Landebahnen für Flughäfen Verwendung findet. Der Branche geht es derzeit gut. Das stellt der Jah- resbericht für 2017/18 des Industrieverbandes Steine und Erden fest. Man erlebe eine Hochphase aufgrund des Booms sowohl im Wohnungs- als auch im Tiefbau. Allerdings: Die Branche denkt und handelt langfristig. Die Planungsräume umfassen Jahrzehnte. Wesentli- ches Instrument dabei sind die Regionalpläne, die alle Ab 50 Kilometern sind die Transportkosten höher als die Materialkosten
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