Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'18 - Südlicher Oberrhein
Wirtschaft im Südwesten 10 | 2018 14 LEUTE Japan mit dem Rad Alfons Graf | Taifun-Tofu GmbH FREIBURG. Alfons Graf (61) ist zierlich, zäh und ein leidenschaftlicher Radfahrer. Zwischen Mitte März und Mitte Mai diesen Jahres hat er mit seinem Tourenfahr- rad (beladen mit 35 Kilogramm Gepäck, darunter ei- nem Zelt) Japan bereist. 2.800 Kilometer hat er zurück- gelegt. Die Freundlichkeit und das zuvorkommende Wesen der Japaner, die landschaftliche Schönheit, die gute Organisation, die Pünktlichkeit und Reinlichkeit des Gemeinschaftswesens haben ihn begeistert. Sei- ne Route führte ihn von Osaka über viele Abstecher zu vorher genau ausgesuchten Zielen auch kultureller Art nach Tokio. Übernachtet hat er in einfachen Un- terkünften, immer wieder auch im Zelt oder im Freien. Warum diese Reise? Vergangenes Jahr, zu seinem sechzigsten Geburtstag, hat er den Entschluss ge- fasst, sich einen ganz anderen Kulturkreis mit dem Rad zu erschließen und eine Auszeit vom Beruf zu nehmen. Seine Frau und die erwachsenen Kinder brachten dem Vorhaben Verständnis und Unterstüt- zung entgegegen. Das Ziel Japan hat auch mit Grafs Beruf zu tun. Zu- sammen mit Elisabeth Huber bildet er die Geschäfts- führung der Freiburger Firma Taifun-Tofu GmbH mit den Marken „Taifun“ und „Tukan“. Graf ist Molke- reimeister sowie Technischer Betriebswirt, und er stammt aus einer oberschwäbischen Käserfamilie. Nach seiner Berufsausbildung war er in verschiede- nen Unternehmen für die Produktion von Milchpulver, Quark, Emmentaler und Camembert verantwortlich. Nach Freiburg kam er im Jahr 1981 dank einer Anstel- lung bei der Breisgaumilch (heute Schwarzwaldmilch), wo er für die Joghurtaufbereitung zuständig war. Er wechselte nach einigen Jahren zu einem Pizzaherstel- ler, dann wieder zurück zu Breisgaumilch. 1995 ging er zur Taifun-Tofu GmbH (ehemals Life Food, Taifun Tofuprodukte), wo er für die Qualitätssicherung und Produktentwicklung eingestellt wurde. Bei dem damals kleinen Unternehmen eröffneten sich immer wieder neue Perspektiven, so beispielsweise 1997 mit dem Beginn des heimischen Soja-Anbaus und später mit der Erweiterung der Produktionsan- lagen und den vielen Eigenkonstruktionen für die Tofuherstellung. Heute kommen die Sojabohnen, die Taifun verarbeitet, von 1.300 Hektar Anbauflächen im Oberrheintal und aus Regionen in Frankreich und Ös- terreich: insgesamt 3.400 Tonnen im Jahr. Tofu, aus Sojabohnen hergestellt, wurde circa 2.000 vor Chris- tus in China entwickelt, in Japan jedoch verfeinert und über die USA und Kanada bei uns in Deutschland ver- breitet. Graf ist heute in der Geschäftsführung zustän- dig für die Technik, für Forschung und Entwicklung so- wie den Bereich Sojaanbau und Sortenentwicklung. In Japan hat er sich die Vielfalt von Sojabohnen und die Produktion von Tofu angeschaut. Dort gibt es mehre- re tausend „Tofureien“, häufig sind das Kleinbetriebe mit nur wenigen Beschäftigten. Tofu ist in Japan ein günstiges Grundnahrungsmittel, es gibt viele kleine Restaurants, hunderte von Rezepturen, Einfärbungen und Konsistenzen. Die Japaner, so erzählt Graf, lieben Tofu in weicherer Form, als es bei uns auf dem Markt ist. Sie schlürfen gerne das feine zarte Produkt. Zufällig konnte er während seines Aufenhaltes eine Messe von Tofumaschinenherstellern in Tokio besu- chen. Hier verkostete er nicht nur zahlreiche unter- schiedliche Tofuqualitäten, sondern er lernte auch die »Die Japaner schlürfen ihren Tofu gerne« KOPF DES MONATS
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