Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'18 - Hochrhein-Bodensee

9 | 2018 Wirtschaft im Südwesten 31 IHK Hochrhein-Bodensee   REGIO REPORT Wirtschaftskonzil 2018: Bodenseeregion als Modellregion für zukunftsfähiges Wirtschaften Mehrwert mit Hürden V or 600 Jahren trafen kirchliche und weltliche Entscheidungs- träger im Rahmen des Konstanzer Konzils am Bodensee zu- sammen. Davon inspiriert entstand vor drei Jahren das Wirtschafts- konzil. In diesem Jahr fand es zum letzten Mal statt, am 29. Juni im Bodenseeforum mit hochkarätigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wie Günther H. Oettinger, EU-Kom- missar für Haushalt und Personal, dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sowie dem Schweizer Wirtschaftsminister Johann N. Schneider-Ammann. Parallel dazu tra- fen sich die zehn Regierungschefs und -vertreter der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) zu ihrem jährlichen Strategiegespräch in Konstanz. Die IBK ist die gemeinsame Plattform der Regierun- gen der Länder und Kantone Baden-Württemberg, Schaffhausen, Zürich, Thurgau, St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, dem Fürstentum Liechtenstein, Vorarlberg und Bay- ern. Im Mittelpunkt beider Anlässe stand die Bodenseeregion als Modellregion für zukunftsfähiges Wirtschaften. Günther H. Oettinger plädierte beim Wirtschafskonzil im Rahmen seines Keynote-Referats „Europa in Veränderung – Chance für eine starke Bodenseeregion“ für eine enge Partnerschaft inner- und au- ßerhalb Europas. Und Winfried Kretschmann veranschaulichte, wie die Bodenseeregion als Vorbild dienen kann: „Wichtig ist jetzt eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit und ein enger Austausch mit unseren Nachbarn. Gerade hier in der Bodenseeregion können wir zeigen, dass auch die Kooperation von EU-Mitgliedstaaten wie Österreich und Deutschland mit Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz und Liechtenstein möglich und notwendig ist.“ Während des IBK-Strategiegesprächs wurden drei Anliegen für die Zukunft thematisiert: „Das Wirtschaftskonzil verschreibt sich den drei Zukunftsthemen: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und der Rolle Europas in einer veränderten Weltordnung“, so Winfried Kretsch- mann. Der Ministerpräsident sieht im Hinblick auf die Digitalisie- rung eine große Chance in der Vernetzung des Mittelstands. Die Potenziale seien bereits in der Region vorhanden, es läge jetzt daran, diese zu erschließen. Ein Kompetenzatlas soll beispielsweise Know-how abrufbar machen und eine Problemstellung mit einem Lösungsansatz zusammenführen. Die baden-württembergische Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut schloss sich dem an. Auch sie möchte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit intensivieren und die Wirtschaftsstruktur enger gestalten. Eine Voraussetzung für enge wirtschaftliche Verflech- tungen sei der vereinfachte Marktzutritt. Die Zusammenarbeit der vier verschiedenen Staaten rund um den Bodensee generiere einen Mehrwert, allerdings gibt es noch Hürden, die zu meistern sind: „Sand im Getriebe besteht aber weiterhin durch die flankierenden Maßnahmen, insbesondere auch für unsere Handwerker“, so die Ministerin. Sie sprach sich für deren Abschwächung aus und erin- nerte daran, die richtigen Zeichen nach außen zu senden. Gerade im Bereich des Serviceangebots solle die Anmeldefrist von acht Tagen gelockert werden. Im Gespräch mit dem Schweizer Wirtschaftsminister Johann N. Schneider-Ammann erklärte Winfried Kretschmann, dass das auto- nome Fahren in Schaffhausen in der Schweiz bereits im öffentlichen Straßenverkehr angekommen und er in einem selbstfahrenden Bus mitgefahren sei. Um neue Technologien auch in unserer Region in das täglich Leben integrieren zu können, sei es sinnvoll, junge Menschen so früh wie möglich an das Thema heranzuführen. Im Bildungsbereich soll demnach das Fach Informatik als Fremdspra- che der Zukunft eingeführt werden. Das Tablet im Klassenzimmer sei hierbei lediglich das Instrument, es liege in unserer Hand, die Digitalisierung als Chance zu nutzen, endete der Ministerpräsident. In dem Forum „Chancen, Potenziale und Herausforderungen des Start-ups Ökosystems Bodensee“ wurde noch einmal deutlich, dass die Bodenseeregion prinzipiell über das verfügt, was gebraucht wird. Im Hinblick auf das Ökosystem im Gründungsbereich zählen hierzu Faktoren wie Talente, Wissen, Kapital und Infrastruktur. Verbesserungspotenzial sehen die Teilnehmer des Forums im Aus- tausch sowie der Vernetzung der regionalen Potenziale. Ein Profil als Gründungsstandort sei von zentraler Bedeutung, um sowohl in der Region als auch nach außen wahrgenommen zu werden. LK Bild: IBK Gruppenbild der politischen Vertreter der Bodensee- anrainerländer vor dem Bodenseeforum.

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