Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli'18 - Schwarzwald-Baar-Heuberg
7+8 | 2018 Wirtschaft im Südwesten 29 IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg REGIO REPORT Herr Wittmann, wie ist denn aus Ihrer Sicht die Finanzsituation der Berufsschu- len. Stichwort Klassenräume und Toilet- ten, Stichwort Digitalisierung? Rainer Wittmann: Die Finanzierung öffentli- cher Berufsschulen obliegt dem Kreis. Das heißt, wir bekommen ein Budget. Und na- türlich ist die Ausstattung, auch hinsichtlich Digitalisierung, ein Thema der gesamten baden-württembergischen Bildungsdebat- te. Aber aus Sicht der Schüler und Lehrer viel interessanter ist die Frage nach dem „Lebensraum Klassenzimmer“, die ja zum Teil noch aus den 60-er Jahren stammen. Da war Lärmschutz kein Thema. Und dafür tut der Schwarzwald-Baar-Kreis sehr viel, das ist nicht weniger wichtig als die schnell beschworene digitale Aufrüstung. In unse- rer Schule betreiben wir beides gemeinsam: Mit der Renovierung der Räume legen wir gleichzeitig Breitband, wir könnten damit ein- steigen in eine Tablet-Struktur mit offenem WLAN. Ich kann für uns also sagen, dass wir unter dem Strich recht zufrieden sind mit der Finanzleistung durch den Kreis. Das sieht man wohl in der Allgemeinheit nicht überall so … Rainer Wittmann: Man muss sehen, dass die beruflichen Schulen doch sehr unter- schiedlich aufgestellt sind. Eine gewerbliche Schule hat beispielsweise teure Maschinen. Die kaufmännischen Schulen sind da im Vergleich die günstigsten. Wir haben keine Labore, keine Gärtnerei oder Lehrküchen, die wir unterhalten müssten. Martina Furtwängler: Generell ist die Aus- stattung der beruflichen Schulen sehr gut. Das geht in der allgemeinen Diskussion gerne unter. In der Bildungspolitik ist es wie bei der Fußballnationalmannschaft. Da gibt es jede Menge Bundestrainer und jeder fühlt sich berufen, schnell dabei zu sein mit der Kritik. Da sollte es doch bei der Lehrerversor- gung keine Probleme geben? Rainer Wittmann: Die Frage hat eine sehr enge Schnittmenge mit der Frage vieler Un- ternehmen nach ihrem Fachkräftenachwuchs. Kleine und mittelständische Unternehmen haben große Sorgen, ihren Fachkräftenach- wuchs zu sichern. Die Großregionen um Stutt- gart, Freiburg oder Karlsruhe sind zweifellos ein Magnet für viele gut ausgebildete Fach- kräfte aller Couleur. Der Schwarzwald-Baar- Kreis oder das „flache Land“ haben also für INTERVIEWPARTNER Rainer Wittmann ist evangelischer Theologe und unterrichtet seit Mitte der 1980er-Jahre an beruflichen Schulen. Zu- dem war er als schulpsychologischer Bera- tungslehrer tätig und engagierte sich unter anderem in der Verbandsarbeit. Er kam 2009 als Leiter einer privaten beruflichen Schule in den Schwarzwald-Baar-Kreis, wechselte dann in die Schulleitung der Kaufmännischen Schule nach Hausach; von dort kam er jetzt nach Villingen und damit zurück in den Schwarzwald-Baar- Kreis. Martina Furtwängler war in der privaten Wirtschaft als Volkswirtin beschäftigt und ist seit 2000 bei der IHK Schwarzwald- Baar-Heuberg im Bereich der beruflichen Ausbildung tätig. Die Betreuung und Be- ratung der Ausbildungsbetriebe sowie die Abnahme von Abschlussprüfungen stehen genauso stark im Fokus wie die Fachkräf- tegewinnung für unsere Region. Haupt- sächlich engagiert sie sich in Projekten für die Kernthemen der beruflichen Bildung. » Wir brauchen eine verlässliche Bildungspolitik « Die duale Ausbildung in Berufs- schulen und Unternehmen findet im Spannungsfeld von Digital Natives, Helikoptereltern und schlechterer Lehrerversorgung im ländlichen Raum statt. Rainer Wittmann, Leiter der Kaufmän- nischen Schulen in VS-Villingen, und Martina Furtwängler, IHK- Geschäftsbereichsleiterin Bildung und Qualifizierung, schildern ihre Erfahrungen mit der derzeitigen Situation an der Basis. Den ersten Teil des Gesprächs finden Sie hier, die Fortsetzung in der nächsten Ausgabe der WiS. Interview mit Rainer Wittmann und Martina Furtwängler
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