Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'18 - Hochrhein-Bodensee
6 | 2018 Wirtschaft im Südwesten 25 Serie: Erfolgreich dank höherer Berufsbildung » Kein Tag ist wie der andere « Warum haben Sie sich für eine Weiterbil- dung bei der IHK entschieden? Vor der Weiterbildung war ich freigestell- ter Betriebsratsvorsitzender bei der Nestlé Deutschland AG im Maggi-Werk Singen, al- lerdings wollte ich nicht mehr kandidieren und auch nicht mehr zurück in den Beruf des Industrieelektronikers. Zudem ging in mei- ner Familie ein „Weiterbildungsvirus“ um. Meine Frau besuchte eine Weiterbildung, und mein Sohn studierte. Deshalb entschied ich mich für den kombinierten Studiengang Technischer Fachwirt und Betriebswirt, der berufsbegleitend donnerstags, freitags und samstags stattfand. Das war keine leichte Entscheidung, da sich dieser über vier Jah- re erstreckte. Einerseits hatte ich es einfa- cher als andere Weiterbildungsteilnehmer, da meine Weiterbildung vom Unternehmen bezahlt wurde. Andererseits hatte ich auch den Druck des Bestehen Müssens, denn ich hatte den Anspruch, die Prüfungen immer im ersten Durchgang zu meistern. Außer- dem war es mir wichtig, dass ich meinen Kindern zeigen kann, wie wichtig lebenslan- ges Lernen ist und dass ich es trotz meines „hohen Lernalters“ schaffe. Es haben also verschiedene Faktoren in meine Wahl hin- eingespielt. Welche beruflichen Ziele haben Sie sich gesetzt, und konnten Sie diese erreichen? Kurz vor dem Ende meiner Amtszeit wurde eine Stelle in der industriellen Organisati- on frei. Dies ist eine Stabsstelle innerhalb unserer Matrixorganisation, die direkt dem Werkleiter unterstellt ist. Voraussetzung für die Stelle war mindestens ein Meister oder eine vergleichbare Ausbildung. So begann ich gleichzeitig die neue Stelle in der industriel- len Organisation und die Weiterbildung zum Technischen Fachwirt und Betriebswirt. An meiner Stelle schätze ich besonders, dass kein Tag wie der andere ist und ich vielfältige Aufgaben bearbeite wie Kennzahlenmana- gement, Standarderstellung und Budget- prozesse. Außerdem ist es eine gelungene Mischung zwischen Büroarbeit und viel praktischer Arbeit vor Ort in den Produkti- onsbereichen, in denen ich beispielsweise Prozesse aufnehme und kontrolliere. Mit welchen Erfahrungen verbinden Sie Ihre Weiterbildung? Meine Erfahrungen mit der Weiterbildung bei der IHK beurteile ich als sehr positiv. Wir hat- ten gute und sehr gute Dozenten, die uns den Stoff vermittelt haben. Dennoch kommt es vor, dass sich einige Phasen hinziehen. Aber ich wusste, wofür ich das mache. Am Anfang war es für mich eine Herausforderung, wieder ein Lernsystem zu entwickeln, allerdings gab es hierzu auch eine Veranstaltung während des Lehrgangs mit dem Titel „Wie man wieder lernt zu lernen“. Eine weitere Herausforde- rung war es für mich, mich zuhause abzu- grenzen und mir ganz bewusst Lernauszeiten zu nehmen. Trotz der Herausforderungen war es die richtige Entscheidung. Was würden Sie anderen raten, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen sich weiterzubilden? Lebenslanges Lernen hat etwas. Auf jeden Fall sollte man sich gründlich über das an- gebotene Ausbildungsmodell informieren. Außerdem sollte man den Austausch mit Ehemaligen suchen. Ich bin auch gerne An- sprechpartner für Kollegen, die Fragen zur Weiterbildung haben. Für diese sind ein fes- ter Wille und Ausdauer Voraussetzung. Der optimale Zeitpunkt für den Beginn einer Wei- terbildung ist aus meiner Sicht nach zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung, da praktische Kenntnisse für die Weiterbildung von Vorteil sind. Interview: AI RALF STERK (52) Ralf Sterk begann seine Berufslaufbahn 1981 mit einer Ausbildung zum Energieanlagen- elektroniker bei Georg Fischer in Singen. Anschließend arbeitete er dort bis 1991 als Industrieelektroniker. Von 1991 bis 2002 übte er diesen Beruf beim Maggi-Werk in Singen der Nestlé Deutschland AG aus. Dann wurde er zum Betriebsratsvorsitzenden ge- wählt und bekleidete dieses Amt bis 2010. Im selben Jahr begann er seine neue Stelle als Sachbearbeiter Industrielle Organisati- on und absolvierte parallel den Kombina- tionsstudiengang „Technischer Fachwirt + Betriebswirt“, den er 2014 erfolgreich ab- schloss. Heute ist Sterk selbst Dozent für das Fach „Produktionsplanung, Steuerung und Kontrolle“ und Mitglied in mehreren Prüfungsausschüssen der IHK. VORTEIL WEITERBILDUNG
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